"Das größte Problem hier, sind die internationalen Sanktionen!"

Interview: Deutscher Auswanderer will Syrien eine Stimme geben

Marco Glowatzki in Syrien
Marco Glowatzki beim Einkaufen in Syrien. Bild: Marco Glowatzki

Die Mainstream-Medien zeichnen ein sehr einseitiges Bild von Syrien. Wäre es da nicht toll, wenn es jemanden gäbe, der nicht nur über Syrien berichtet, sondern auch direkt aus Syrien? Der Hamburger Schneidermeister Marco Glowatzki macht genau das. Er ist 2017 nach Syrien ausgewandert und gibt seither jenen Syrien eine Stimme, die man im Westen nicht hören will. Info-DIREKT hat ihn für unsere aktuelle Printausgabe für ein Interview erreicht.

Info-DIREKT: Herr Glowatzki, warum sind Sie ausgerechnet nach Syrien ausgewandert?

Marco Glowatzki: Ausgerechnet, Syrien? Meinen ersten Freund, einen Syrer, habe ich mit neun oder zehn Jahren im internationalen Kinderferienlager kennen gelernt. Der Vater meines Freundes, Jihad, hat bei uns in Dresden Maschinenbau studiert. Durch meine Kontakte hatte ich ständig Verbindungen nach Syrien. Als die mediale Tsunamiwelle zur Berichterstattung über Syrien über Deutschland hereinbrach, war ich der Meinung: das kann nicht dasselbe Syrien sein, das ich kenne! Ab 2015 war nur die Darstellung von Syrien gültig, die die neu nach Deutschland gekommenen Syrer erzählten. Die Geschichten, dieser kleinen Minderheit werden in Deutschland millionenfach verbreitet. Alles andere wird unterdrückt. Ich habe versucht, der anderen Seite eine Stimme zu geben. Nämlich den Menschen, die hier in Syrien leben, den ca. 22 Millionen Menschen, die Ihre Heimat nicht verlassen haben. Ich habe es in Deutschland versucht, habe Vorträge gehalten, aber selbst meine Reiseberichte wollte niemand veröffentlichen.

Ein Beispiel: Stellen sie sich mal vor, in Deutschland wäre Krieg. Stellen Sie sich mal vor, Berlin-Mitte würde von Terroristen tagtäglich mit selbst zusammengebastelten Bomben beschossen. Würden Sie diese Personen als „moderate“ Rebellen bezeichnen? Die besetzten Teile Aleppos machen gerade einmal 18 Prozent der gesamten Stadtfläche aus, einer Stadt mit fast vier Millionen Einwohner!

Die Stimme der hier in Syrien lebenden Menschen wird de facto nicht gehört. Sie ist in den westlichen Mainstream-Medien nicht mal rudimentär existent! Das wollte und will ich ändern! Meinen Freunden, die ich über viele Jahre kennen und lieben gelernt habe, will ich eine Stimme geben. Das gelingt mir immer mehr, besonders seit ich ganz nach Syrien gezogen bin.

Info-DIREKT: Was sagen Syrer über ihre Landsleute, die in den letzten Jahren nach Europa ausgewandert sind?

Glowatzki: „Merkel ist Top, sie nimmt alle, die wir hier nicht haben wollen!“ Das mag für Außenstehende überzeichnet klingen, aber so wurde und wird es mir gesagt. Es interessiert hier eben niemanden, welcher Nation oder Religion man entstammt. man fragt gar nicht danach. Viele sagen mir, dass wir hier nur mit dieser Regierung und diesem Präsidenten so leben können. Diese Freiheit und Säkularität gäbe es mit den sogenannten „moderaten“ Rebellen nicht. Diese wollen einen islamischen Gottesstaat nach Scharia-Recht installieren. (Anmerkung: Lesen Sie die ganze Antwort auf diese Frage im aktuellen Info-DIREKT Printmagazin!)

Info-DIREKT: Wie geht es den Menschen in Syrien, deren Heimat zum Spielball unterschiedlichster Interessen wurde?

Glowatzki: Diese Frage ist recht verallgemeinernd. Es kommt natürlich darauf an, in welchem Landesteil man lebt. Die Menschen in den Landesteilen in denen es keine Kriegshandlungen gab, lebten sicherer. Andere Menschen, die ihre Dörfer und Städte in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen mussten, stehen vor dem Nichts. Die südlichen Stadtteile von Damaskus sind komplett zerstört. Harasta, Goutha im Süden sind Trümmerfelder. Die Provinzen Deirzzor, Raqqa sind zerstört, dem Erdboden gleich. 2016 hatten wir hier in Syrien über sieben Millionen Binnenkriegsflüchtlinge, die alle in Gebieten Zuflucht gefunden hatten, die unter dem Schutz der syrischen Regierung stehen. Mittlerweile konnten Millionen wieder in ihre Dörfer und Städte zurückkehren und der Wiederaufbau läuft allerorten.

Das größte Problem hier, sind die internationalen Sanktionen! Die Infrastruktur für Wasser und Strom wurde als erstes gezielt zerstört. Es ist schwierig etwas zu reparieren, wenn man die benötigten Ersatzteile im Ausland nicht einkaufen darf und Unternehmen wie Siemens keine Teile liefern dürfen, zumal Syrien vom internationalen Geldverkehr abgeschnitten ist und alle Auslandskonten eingefroren wurden.

Ja, das Leben ist hier schwer und verlangt sehr viel von einem ab. Es ist unmenschlich, wenn Menschen von 50 bis maximal 100 Dollar im Monat eine Familie durchbringen müssen, die früher 800 bis 1.000 Dollar zur Verfügung hatten. Alles nur bedingt durch die Sanktionen und die dadurch forcierte Inflation. Deshalb, fordere ich ein sofortiges Ende der Sanktionen, die Diktatorin Merkel erneut verlängert hat!

Info-DIREKT: Sie haben Weihnachten in einem Land verbracht, dass mehrheitlich muslimisch geprägt ist. Wie war das?

Das ganze Interview, die Antwort auf diese Fragen und zahlreiche Fotos direkt aus Syrien finden Sie im aktuellen Info-DIREKT Printmagazin. Helfen Sie uns dabei die Deutungshoheit der etablierten Medien zu brechen. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einem Abo! (Jahresabo ab € 33,-)!

Interview: Michael Scharfmüller