Auch auf lange Sicht wird hier nur die militärische Macht entscheiden.

Der Nahostkonflikt ist unlösbar – und wird es bleiben

Israeli-American Council ( https://www.flickr.com/photos/132701445@N06/18662006614/ )

 

Dass der Nahostkonflikt ein besonders komplizierter Fall ist, merkt man daran, dass so viele eine sehr einfache Meinung zu ihm haben. Es gibt Leute, die haben im Alltag schon Probleme beim Verstehen der Bedienungsanleitung für ihre Kaffeemaschine. Sie wissen aber ganz genau, dass entweder alle Palästinenser Terroristen sind oder alle Juden imperialistische Verbrecher.

Ein Kommentar von Friedrich Langberg

Wie ist es so weit gekommen?

Weil Juden in Europa schon seit dem Mittelalter immer wieder Repressionen ausgesetzt waren, gründeten Einflussreiche Juden 1897 die „Zionistische Weltorganisation“. Ziel war es, einen eigenen Staat zu schaffen. Mit Bezug auf das Alte Testament hatte man damals Palästina ins Auge gefasst. Dies war aber kein leeres Land, sondern gehörte zum Osmanischen Reich.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Palästina in die Obhut Großbritanniens. Den Zionisten kam dies überaus gelegen, denn schon davor erklärte der britische Außenminister Arthur James Balfour:

„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina.“

1947 wurde das Land aufgeteilt, 1948 die offizielle Gründung des Staates Israel verkündet. Die Palästinenser versuchten in vergeblichen Aufständen, sich dagegen zu wehren.

Aus der Perspektive Palästinas

Weil unser Mainstream sich ziemlich stark an den USA orientiert, assoziieren wir mit den Palästinensern vor allem die Hamas und damit Terror und Gewalt. Kaum jemand fragt sich daher, wie er selbst an ihrer Stelle fühlen und handeln würde.

Aber denken wir es einmal durch. Angenommen, die nächste Weltmacht ist Saudi Arabien. Wie damals die Juden in den Orient, sind heute viele Muslime nach Europa gewandert. Angenommen, Saudi Arabien würde beschließen, Wien wäre fortan die „nationale Heimstätte der Muslime“. Hunderttausende Wiener würden vertrieben und wären fortan auf Lebensmittelspenden der Welthungerorganisation angewiesen.

Würden wir das einfach so hinnehmen? Ich zumindest nicht. Nein, ich wäre dann auch ein „Terrorist“.

Aus der Perspektive Israels

Die Israelis hingegen sind ja nicht gen Osten gewandert, weil das Wetter dort so viel besser war als hier. Es liegt in der Natur des Menschen, sich und die Seinen vor Leid und Tod beschützen zu wollen. Die damalige Weltmacht hat ihnen ein Angebot gemacht, dem sie vor allem während des Holocaust gerne gefolgt sind. Ich hätte es auch getan.

Wer heute in Israel zur Welt kommt, war am Zustandekommen dieses Staates nicht beteiligt. Aber er weiß ganz genau: Sobald Israel die Verteidigung des Gebietes aufgibt, würde sich der über Jahrzehnte aufgestaute Hass seiner Nachbarn in einem Akt der historischen Rache entladen.

Wie würde Österreich wohl reagieren, wenn es wüsste, dass Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Italien und die Schweiz es von der Landkarte tilgen wollten? Die für uns so typische Gemütlichkeit stünde dann wohl eine Zeit lang hintan.

Wie soll das weitergehen?

Die Palästinenser werden sich nie damit abfinden, dass ihnen mit ihrem Land auch ihre Existenz weitestgehend genommen wurde. Die Israelis wissen das, sehen daher keine andere Möglichkeit, als immer auf maximale Abschreckung durch Gewaltanwendung jenseits allen Völkerrechts zu setzen.

In einer Situation, in der sich keine Seite bewegen wird, ist der entscheidende Faktor die militärische Potenz. So lange die USA Weltmacht sind, wird sich an der Lage – wie auch in den vergangenen siebzig Jahren – nichts ändern. Für die Zeit danach jedoch, sollte Israel einen Plan haben.