Die Selbst-Isolation der USA untergräbt ihren globalen Dominanzanspruch

Europa wird vom Handelskrieg mit den USA profitieren, auch politisch

Bild: Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Dass ausgerechnet von den USA der globale Freihandel in Frage gestellt wird, ruft nun die ganz große Politik auf den Plan. Als Europäer jedoch würden wir langfristig von einem Handelskrieg profitieren: Politisch und ökonomisch. Wenngleich zeitweilige Einbußen freilich nicht auszuschließen sind.

Von Friedrich Langberg

Was passiert da eigentlich genau?

Trump stört sich an dem Umstand, dass Amerikaner mehr europäische Produkte kaufen als umgekehrt. Ob ihn genauso stört, dass die USA doppelt so viel nach Australien exportieren wie importieren? Wahrscheinlich nicht.

Gegenüber Europa hat er jedenfalls den ersten Schritt gesetzt: Stahl wird mit 25% und Aluminium mit 10% Zoll versehen. Die Maßnahme klingt abstrakt und ist auch praktisch mehr symbolisch als bedrohlich: Laut Gabriel Felbermayr vom Institut für Wirtschaftsforschung ist das österreichische BIP mit 0,07% kaum betroffen, Deutschland sogar noch weniger.

Das Gefahrenpotential liegt in der möglichen Eskalation. Europa reagiert natürlich und belastet aus den USA importierte Produkte wie Erdnussbutter und Whiskey. Trump hat angekündigt, auch Autos zu verzollen, sollte dies wirklich geschehen. Das würde ins Herz der deutschen Exportwirtschaft treffen und eine Kettenreaktion in Europa auslösen. Dann dürften tatsächlich Milliarden an Einnahmen und tausende Jobs wegbrechen.

Die Chancen für Europa

Die Frage ist, wie die EU und ihre Mitgliedsstaaten dann reagieren. Wir hätten ein gewaltiges Ass im Ärmel: Bekanntermaßen sind es gerade vier ökonomische Großmächte aus den USA, die in Europa zwar horrende Gewinne machen, aber faktisch kein volles Prozent Steuern zahlen: Google, Amazon, Facebook und Apple.

Natürlich ist ein Handelskrieg nicht angenehm. Natürlich hätte es Konsequenzen, weiter an der Eskalationsschraube zu drehen. Aber: Der Größte Wirtschaftsraum der Welt ist der Binnenmarkt der EU. Nicht die Vereinigten Staaten. Vielleicht gibt uns Trump gerade – natürlich ohne es zu wollen – die Chance, die USA in ihrem Dominanzanspruch endlich in die Schranken zu weisen.

Die EU ist eine Geschäfts-, keine Wertegemeinschaft

Dass die USA seit Jahrzehnten an vielen Orten der Welt das Völkerrecht brechen und sowohl UNO als auch den Internationalen Strafgerichtshof missachten, interessierte hier bislang nur „alternative Medien“. Die wurden dann vom Mainstream ins verschwörungstheoretische Eck gestellt. Wenn hingegen die Gesetze des freien Handels und die Welthandelsorganisation missachtet werden, sind die Sinne der Regierenden geschärft. Das zeigt: Europa ist eben doch ein Business, keine „Wertegemeinschaft“.

Dass Amerika sich isoliert, ist für uns dennoch eine große Chance. Schon vor einem Jahr hat Angela Merkel konstatiert, auf die USA sei kein Verlass mehr. Europa müsse sein Schicksal nun selbst in die Hand nehmen. Damit ginge endlich die Phase zu Ende, in der Europa sich die außenpolitischen Interessen der USA diktieren lässt. Gegenüber Russland und in der NATO könnten dann endlich eigene Register aufgezogen werden.