Wenn mich eine Sache wirklich aufregt, dann ist es der Live-Ball!

Müller mault: Der Life-Ball ist eine Frechheit

Manfred Werner/Tsui - CC by-sa 3.0 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons. Bearbeitet von Info Direkt

Gestern war es wieder soweit! Die ganze Welt hielt den Atem an und schaute nach Wien, zum wichtigsten Ereignis im Kampf gegen Aids seit der Erfindung von Kondomen: Dem Life-Ball. Diesen Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man ausschließlich österreichische Medien konsumiert.

Ich bin da eher skeptisch. Für mich ist das Spektakel nämlich weniger eine Spendengala für HIV-Infizierte, als vielmehr eine exzentrische Bühne für den dekadentesten „Schaut doch mal wie schwul wir sind“-Abend des Jahres. Es ist schon ein besonders ironischer Leckerbissen, dass eine Gruppe, die sich sonst bei jeder Kleinigkeit diskriminiert und auf ihre Homosexualität reduziert fühlt, ein riesiges Spektakel abhält, auf dem sich hunderte erwachsene Männer wie brasilianische Karnevalstänzerinnen anziehen und gegenseitig „Schätzelchen“ nennen. Live im Fernsehen, wohlgemerkt.

 

Fragwürdige „Förderung“ für alternative Lebensstile

 

Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass Homosexuelle, die tatsächlich ein ganz normales Leben mit ihrem Partner führen wollen, es toll finden, dass der Stereotyp der „Regenbogen-Schwuchtel“ so medienwirksam einzementiert wird. Oder dass es die Eignung von gleichgeschlechtlichen Paaren als Eltern hervorhebt, wenn sie Hand in Hand mit arsch-freien Lackleder-Hosen einmarschieren. Aber eigentlich geht’s ja auch um HIV.

 

Das Team um Hauptorganisator Gery Keszler wird nicht müde zu betonen, dass der Ball lebensbejahend sein soll und den Frust über die fürchterliche Erkrankung in Zuversicht verwandeln will. Für mich wirkt die Veranstaltung aber eher wie der Höhepunkt des Hedonismus und vermittelt mehr eine „Morgen sind wir eh tot. Heute hauen wir auf den Putz“-Stimmung.

 

Förderung ohne Ball

 

Übrigens wurde im vergangenen Jahr kein Ball abgehalten. Man wollte sich auf diesen noch besser vorbereiten. Die Fördersumme (immerhin € 450.000,-) lies man sich aber seitens der Veranstalter nicht entgehen. Denn das Organisationsteam besteht ja trotzdem. Spätestens hier bekommt dieser „Wohltätigkeits“-Event für mich einen faden Beigeschmack. Hier sei noch angemerkt, dass die Fördersumme 2017 bereits gekürzt wurde. Vorher betrug sie € 800.000,-. Die Kritik der FPÖ, dass das Geld besser angelegt sei, würde man es direkt in AIDS-Hilfe stecken anstatt einen Ball zu fördern, der gar nicht stattfindet, wurde ignoriert. Man verwies auf die touristische Wichtigkeit des Balles zu dem ja auch jedes Jahr viele Prominente anreisen. Und eine „Berühmtheit“ fasst den Ball so richtig zusammen: Conchita Wurst.

 

Der Sänger, der ohne Frauenverkleidung und Bart vermutlich auf Vororts-Hochzeiten mit kleinem Budget singen würde, warf sich besonders in Schale. Er heiratete in einer Homage an „The sound of music“ in einem weißen Brautkleid und blondem Bart. Kulturprogramm von Feinsten. Beide Daumen hoch für den wahrgenommenen Bildungsauftrag des ORF. Der Wurst hatte sich übrigens wenige Wochen vorher auch als HIV-positiv geoutet.

 

Der Staat fördert, was er bekämpfen will

 

Eigentlich ist es für mich eine Frechheit. Der Staat alimentiert eine Veranstaltung, die sich auf die Fahnen schreibt, gegen HIV zu kämpfen. Propagiert wird aber im Wesentlichen genau der Lebensstil, der ein hohes Ansteckungsrisiko mit sich bringt. Über die HIV-Ansteckungsrate an diesem Abend kann man nur mutmaßen. Es ist evident, dass Homosexuelle mit häufigem Partnerwechsel durch die Art der sexuellen Praktiken ein deutlich höheres Infektionsrisiko haben. Dass es auf diesem Ball neben der Spenden für die AIDS-Hilfe auch darum geht, einen „alternativen Lebensentwurf“ zu propagieren, ist in meinen Augen ebenso wenig ein Geheimnis. Das lehne ich ab!

 

Abschließend möchte ich noch klar stellen, dass es mir persönlich komplett egal ist, ob Sie hetero, schwul, oder asexuell sind. Oder ob Sie sich gerne in einer Windel von Ihrem Partner mit einem Teppichklopfer verdreschen lassen. In Ihrem Schlafzimmer können Sie machen was Sie wollen. Ein Schritt Ihre Privatsphäre in dieser Hinsicht zu wahren könnte sein, keine Fernseh-Gala darüber abzuhalten.

 

Passen Sie auf Ihren Kopf auf!

Müller