Deutsche wollen die NATO nicht

Defense Secretary Robert M. Gates attends the first session of the NATO Defense Minister's meetings at the NATO headquarters in Brussels, Belgium March 10, 2011. Defense Department photo by Cherie Cullen (released)

Laut einer Studie des US-amerikanischen Pew-Research-Center sagen 58 Prozent der befragten Deutschen, dass Deutschland im Falle eines „ernsthaften militärischen Konflikts“ zwischen Russland und einem benachbarten NATO-Land dem Verbündeten nicht militärisch zur Hilfe kommen sollte, sondern eher als Vermittler auftreten sollte. Das ist der Spitzenwert in der Umfrage vor Frankreich (53 Prozent) und Italien (51 Prozent). Der NATO-Durchschnitt bei dieser Umfrage liegt bei der Ablehnung bei 42 Prozent der Befragten. Nur 38 Prozent der Deutschen würden den Bündnisverpflichtungen nachkommen.
In keinem anderen NATO-Staat ist die Skepsis gegenüber dem eigenen Verteidigungsbündnis so groß und die Zurückhaltung gegenüber den Vorgängen in der Ukraine so ausgeprägt. Immer weniger Deutsche äußern Zustimmung zur NATO: Gaben im Jahr 2009 noch 73 Prozent der Befragten an, sie hätten ein positives Bild von dem Verteidigungsbündnis, so sind es 2015 nur noch 55 Prozent. In keinem anderen NATO-Land ist der Vertrauensverlust so gravierend.
Stärker als alle anderen Befragten sprechen sich die Deutschen gegen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine aus: 57 Prozent lehnen das ab. Ebenso führend sind die Deutschen in der Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft für die Ukraine: 54 Prozent sagen dazu Nein.
Bei den deutschen Zahlen fällt der starke Ost-West-Unterschied auf. Würden nur die Westdeutschen befragt, wäre die Abweichung vom Nato-Durchschnitt weit geringer. So haben etwa 19 Prozent im Westen, aber 40 Prozent in den neuen Bundesländern eine positive Meinung zu Putin.

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