Ein Bild sagt mehr als tausend …

Flüchtlingsdrama: Das Bild der auf den Gleisen eines Zuges liegenden Frau mit ihrem Baby und den offenbar gewalttätigen ungarischen Polizisten ging um die Welt. Doch nun ist ein Video dazu aufgetaucht, welches zeigt, wie der neben ihr sitzende Mann die Frau auf die Gleise wirft. Als er sich auf die Frau stürzt und diese das offenbar nicht lustig findet, greifen die umherstehenden Polizisten ein. Zur Stelle sind auffällig viele Fotografen, welche die am Boden liegende Frau in ihrer Not fotografieren und filmen.

Die Journalistin Manuela Swoboda analysiert in einem mutigen Kommentar in der „Kleinen Zeitung“ völlig richtig:

„Das Flüchtlingselend der Durchreisenden in Ungarn hatte plötzlich eine zusätzliche schockierende Komponente bekommen. Das Foto hatte ikonografischen Charakter, war plötzlich ein Symbol: Wie das Napalm-Kind im Vietnam-Krieg, wie die Staubfrau nach dem Anschlag von 9/11. Auch ein Video gab es dazu, das es von der BBC abwärts in fast alle großen Medien schaffte – aber nicht in voller Länge. So konnten nur die wenigsten um die wahre Geschichte dahinter wissen; und vielleicht wollten manche auch gar nicht die wahre Geschichte dahinter kennen, weil man mit Bildern nun einmal gut manipulieren kann. Doch ob nun für den guten oder für den schlechten Zweck: Manipulation ist Manipulation. Und immer falsch.“

Die Redakteurin der „Kleinen Zeitung“, welche das Foto auch abgebildet hatte: „Die Geschichte hinter dem Foto ist eine andere, als sie auf den ersten Blick vorgibt zu sein“. Und sie schildert wie der Mann die Frau auf die Gleise warf und was dann kam: „Der Mann legt sich über seine Frau und das Kind, als ob er sie schützen wollte – doch er war derjenige, der sie auf die Gleise stieß. Dann kommt die Polizei, schnappt sich den Mann, zerrt ihn weg von seiner Frau, Frau und Baby liegen auf den Gleisen. In diesem Moment haben Fotografen auf den Auslöser gedrückt. Und eine Geschichte erzählt. Aber nicht die ganze“