Nur Bares ist Wahres

Der 500-Euro-Schein soll weg. Für zahlreiche Ökonomen der Anfang vom notwendigen Ende eines Anachronismus, für Bürgerrechtler der nächste Schritt zum gläsernen Menschen.

In der neu entflammten Debatte rund um den größten Geldschein der EU zeigt sich ein altes Szenario.  Der beinahe schon klassische Wettstreit zweier Pole: Sicherheit und Freiheit. So argumentieren Vertreter der „Modernisierung“ des Geldwesens mit der Umständlichkeit der Lagerung des Geldes und der vereinfachten Zahlungsweise mithilfe von Kreditkarten oder digitalen Werten. Eine Argumentationslinie, die man historisch bereits aus den Anfängen des Geldes kennt.

Der Faktor Sicherheit wird dabei durch Negativbeispiele bekräftigt. Bargeld ist schwerer nachverfolgbar als es die exakten Daten von Bankomat- und Kreditkarten sind. Ein Umstand, der auch von Terroristen und Kriminellen ausgenutzt wird, betonen die Gegner des Bargelds. Auch diese Dialektik kennen wir bereits. Denken wir an die Themen Waffenbesitz, Verschlüsselungsprogramme oder an die aktuelle Debatte rund um die Entsperrung des iPhones eines Terroristen. Extrembeispiele und die Ausnutzung der Freiheitsrechte durch Kriminelle werden dabei als Argumente benutzt, um diese Rechte künftig auch der Allgemeinheit zu verwehren.

Natürlich ist es praktischer, wenn die Brieftasche leichter wird und man künftig mit Karten oder Apps bezahlen kann. Doch diese Erleichterung erleichtert uns auch um unsere Daten, die künftig von Werbeunternehmen und Behörden verwendet werden können. Unser Recht auf Anonymität und Privatsphäre würde damit noch weiter beschnitten. Zudem wäre das Ende des Bargelds, nach der Abschaffung des Goldstandards im Abkommen von Bretton Woods (1944), auch das Ende materieller Währungen. Geld könnte so künftig rein digital vermehrt oder vermindert werden. Nicht zu Unrecht fragen sich viele Kritiker, ob diese Abstraktion von Werten nicht erst zur Finanzkrise geführt hat.

Solange sich die Zweifel mehren, ob die Intentionen der Ökonomen rein idealistisch geprägt sind, oder ob dahinter nicht Eigeninteressen stecken, die dem Bürger schaden, ist die Abschaffung des Bargelds der falsche Weg. In Zeiten, in denen der Glaube an die EU, die Medien und Politiker schwindet, wäre die Abschaffung des Bargelds nur ein weiterer Sargnagel in das Vertrauen an dieses System.

Beitragsbild: https://pixabay.com/de/brieftasche-bargeld-kreditkarte-1013789, CC0 Public Domain