Wurde das Ayn Rand Institute durch „Fluchthelfer“ missbraucht?

Auf den Artikel zur „Fluchthelfer“-Kampagne („Fluchthelfer.in“ made by US-Think Tank), der Indizien aufdeckt, wonach eine US-Organisation das Schlepperwesen nach Europa unterstützt, gibt es nun eine etwas halbherzige Gegenkampagne im Netz. Ein Philipp Dammer, angeblich vom „Ayn Rand Institute“, hat diverse Netzportale angeschrieben und versucht den Vorwurf auszuräumen, die US-Denkfabrik hätte etwas mit der Schlepper-Kampagne „Fluchthelfer“ zu tun. Die Redaktion von www.info-direkt.eu bekam eine solche Email nicht. Versucht das „Ayn Rand Institute“ (ARI) Schadensbegrenzung zu betreiben? Ist der US-Organisation peinlich, dass die Anmeldung so ungeschickt vorgenommen wurde und somit für alle ersichtlich wurde, dass gewisse Kreise in den USA gezielt an der Destabilisierung Europas mitarbeiten? Oder wurde das ARI tatsächlich missbraucht? Missbraucht von „irgendeiner anarchistischen Gruppe“, wie es in der Email von Philipp Dammer heißt?

Email von Philipp Dammer:
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu Ihrem Bericht kann ich vorab folgendes beitragen: Das Ayn Rand Institute hat mit der aufgeführten Website nichts zu tun. Zum einen gibt es keine solche Person beim ARI, zum anderen kann man zur Registrierung einer Website jede beliebige Adresse angeben. Der Domaininhaber der Kontakt-Mail-Adresse ist https://help.riseup.net/, was nach irgendeiner anarchistischen Gruppe aussieht. Es wird beim ARI zurzeit geprüft, ob man diesbezüglich rechtliche Schritte einleiten kann.
Mit freundlichen Grüßen,
Philipp Dammer

Domain-Registrierung

Fakt ist jedenfalls, dass man zur Registrierung einer Website nicht jede beliebige Adressen angeben kann. Jeder Anmelder einer www-Adresse (Internet-Anschrift = „Domain“) ist verpflichtet die richtigen und vollständigen Daten anzugeben. Neben dem richtigen Namen ist auch eine „ladungsfähige physische Adresse (keine Postfach- oder anonyme Adresse)“ anzugeben. Viele Hosting-Anbieter verhängen gar Vertragsstrafen, wenn die Angaben falsch oder unvollständig sind. Wikipedia führt aus, warum das so wichtig ist: „Bei möglichen Rechtsverstößen des Domaininhabers (etwa missbräuchliche Registrierung von fremden Markennamen) muss dieser juristisch greifbar sein, also insbesondere über eine zustellfähige Adresse verfügen.“

Natürlich kann „irgendeiner anarchistischen Truppe“ alles zugetraut werden und sie hätten, theoretisch, die Adresse von ARI illegal verwenden können. Wenn das ARI also tatsächlich für die Domain-Anmeldung missbraucht worden ist, stellt sich die Frage, warum die US-Organisation nicht unmittelbar verfügt hat, die Adresse fluchthelfer.in mit sofortiger Wirkung zu löschen? Dass dies in der Praxis ganz schnell geht, zeigen zahlreiche Beispiele. Prominenter Fall war etwa eine Fake-Internetseite von Bundespräsident Joachim Gauck, welche er selbst nie betrieb – auch in diesem Fall wurde eine falsche Adresse angegeben. Der Spiegel dazu: „Nach einem Hinweis des Bundespräsidialamts löschte die deutsche Internetregistrierungsstelle Denic die Domain.“

Harmlose US-Denkfabrik?

„Dass es gerade bei US-Geheimdiensten und Agenturen durchaus üblich ist sich der vorher bedienten Vehikel zu entledigen ist seit Osama Bin Laden kein Geheimnis mehr“, konstatiert ein Facebook-Nutzer in einer Kommentarspalte trocken. Beim Ayn Rand Institut (ARI) dürfte man nichts desto trotz eine Freude über die Fluchthelfer-Kampagne haben, wie sonst ist erklärbar, dass die Seite „Fluchthelfer.in“ weiterhin online ist und keine entsprechenden Schritte eingeleitet wurden?

Ebenso sei an dieser Stelle daran erinnert, dass ARI die imperialistische Geostrategie der USA mit allen Mitteln verteidigt und sich in der Vergangenheit nicht immer ganz geschickt angestellt hatte. Als etwa im Jahr 2004 US-Steuergelder an die Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südostasien gespendet werden sollten, stellte sich ARI demonstrativ dagegen. Die Steuergelder dürften nicht dergestalt verschwendet werden und wären wesentlich besser eingesetzt gewesen, hätte man etwa benötigte Ausrüstung und Bewaffnung für „unsere Truppen im Irak angeschafft, welche dort unsere Freiheit verteidigen.“ Als die öffentliche Empörung zu groß wurde, ruderte man auch damals zurück und relativierte die Stellungnahme …