Trotz Kopftuch wurde die Journalistin erkannt und rausgeworfen

Tumult: ORF blamiert sich bei Türken-Wahlveranstaltung

ORF Sonja Sagmeister
Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=-1UX4zPEWX0

Der türkische Kolumnist Sevki Yilmaz sprach bei einem türkischen Verein in Wien. Dabei soll es zu einem Tumult mit der ORF-Journalistin Sonja Sagmeister gekommen sein.

Sevki Yilmaz ist Kolumnist und ehemaliger Abgeordneter der Wohlfahrtspartei „Refah Partis“ des 2011 verstorbenen islamistischen Politikers Necmettin Erbakan.

Umstrittene Veranstaltung in Wien

Am Sonntag sprach er im türkischen Verein „Wonder“ in Wien-Ottaking, um für das Referendum über das türkische Präsidialsystem zu werben, das Recep Tayyip Erdogan mehr Macht sichern soll.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der umstrittenen UETD, der „Europäischen Union der türkischen Demokraten“ mit Nähe zur AKP. Offiziell soll Wonder ein Hilfsverein für Studenten sein, doch wird der Verein auch regelmäßig von AKP-Politikern besucht.

ORF schlich sich in die Veranstaltung

Die ORF-Journalistin Sonja Sagmeister mischte sich mit einem Kopftuch verkleidet unter die Gäste. Doch sie wurde recht schnell erkannt und hinausgeworfen. Sie hatte sich nicht akkreditiert, sondern wollte heimlich recherchieren.

„Sie behauptete, zehn Leute hätten sie verfolgt, sie sei beschimpft, bespuckt und hinausgeworfen worden. Aber das ist reine Lüge“, sagt ein Sprecher. Im türkischen Fernsehen wurde die peinliche Szene inzwischen ausgestrahlt und ist auch auf YouTube zu sehen:

Diskussion um Auftrittsverbote

Inzwischen diskutiert die Koalition über ein generelles Auftrittsverbot von türkischen Politikern in Österreich. „Wahlkampfauftritte türkischer Politiker sind in Österreich unerwünscht, weil damit Konflikte aus der Türkei in unser Land getragen werden. Das ist schädlich für die Integration“, sagte Mitterlehner. Auch Kanzler Kern sagte gegenüber der Welt am Sonntag: „Eine gemeinsame Vorgehensweise der EU, um solche Wahlkampfauftritte zu verhindern, wäre sinnvoll.“ Für die FPÖ ging Norbert Hofer einen Schritt weiter: „Solange es keine Informationen über Doppelstaatsbürgerschaften aus Ankara gibt, muss auch die Verleihung von Staatsbürgerschaften an Türken ausgesetzt werden.“

Laut Daten der „Medien-Servicestelle Neue Österreicher“ leben in Österreich 114.740 türkische Staatsangehörige. 262.800 Menschen haben türkischen Migrationshintergrund. 159.958 davon sind in der Türkei geboren und 105.500 haben Eltern, die in der Türkei geboren wurden. Etwa 300.000 Menschen in Österreich haben Wurzeln in der Türkei. Knapp 69,3 Prozent sollen sich in erster Linie mit der Türkei verbunden fühlen.