So sägt Christian Kern schon wieder an seiner Glaubwürdigkeit

Bild Christian Kern: Gregor Tatschl (Christian Kern (IMG1349) via flickr.com (CC BY-SA 2.0); Bild Hintergrund: Pixabay. Komposition: Info-DIREKT

Christian Kern wird nächstes Jahr als Spitzenkandidat der SPÖ in den EU-Wahlkampf ziehen. Vor wenigen Tagen hat er das selbst noch kategorisch ausgeschlossen.

von Michael Scharfmüller

Noch am 3. September bezeichnete der SPÖ-Chef im ORF-Sommergespräch Gerüchte, wonach er den EU-Wahlkampf seiner Partei anführen würde, als

Totalen Mumpitz!

(Ein Video dazu finden Sie am Ende des Beitrags)

Am 18. September verkündete er dann das eben noch selbst Verneinte: Er trete zur EU-Wahl an, weil er das Konzept einer liberalen und weltoffenen Demokratie gefährdet sehe. Deshalb sei es die wichtigste Herausforderung

„dafür zu sorgen, dass dieses europäische Erbe bewahrt bleibt!“

Vom Kurzzeit-Kanzler zum SlimFit-Pinocchio?

Besser wäre es allerdings, würde sich Kern zu allererst um seinen eigenen Ruf sorgen. Sonst gesellt sich zu seinen zahlreichen Spitznamen wie „Kurzzeit-Kanzler“, „Pizza-Kanzler„, SlimFit-Kanzler“, „Prinzessin mit Glaskinn“ bald noch ein neuer, nämlich der des Pinocchios.

Irgendwann ist es selbst der SPÖ zu viel

Dass Kern sich der Öffentlichkeit gerne als Managertyp präsentiert, obwohl er ohne Partei vermutlich niemals in die Chefetagen großer Konzerne aufgestiegen wäre – geschenkt. Dass sein „Plan A“ total gescheitert ist – geschenkt. Dass er in der Causa Silberstein falsche Entscheidungen getroffen hat – geschenkt. Dass er, laut eigener Aussage, ein „enges Verhältnis zu Soros“ habe – geschenkt. Dass er als Oppositionsführer eindeutig versagt hat – geschenkt. Was ihm seine Parteifreunde jedoch nicht verzeihen werden, ist, wenn er sich auch am Weg nach Brüssel weiterhin so irritierend verhält. Seine plötzliche Ankündigung in Verbindung mit dem vorangehenden „Totaler-Mumpitz“-Sager lassen das jedoch befürchten.

Wollte die SPÖ Kern loswerden?

Vielleicht ist ein mit Kern vermutlich aussichtsloser EU-Wahlkampf aber der Preis, den die SPÖ zahlen muss, um den einst hochgejubelten „Quereinsteiger“ politisch in Brüssel endlagern zu können? Wenn dem so ist, hätte er beim Sommergespräch mit dem ORF gar nicht wissentlich die Unwahrheit gesagt. Vielleicht wusste er Anfang September selbst noch gar nicht, dass er zukünftig sein Gehalt von der EU beziehen soll. Dieses Szenario halten viele Politbeobachter jedoch für sehr unwahrscheinlich. Sie bezeichnen die Situation, in die Kern seine Partei nun gebracht hat, als „Super-Gau“ für die SPÖ.

Kern wollte SPÖ loswerden

Eine andere Variante wäre, dass Kern der SPÖ-Chefsessel zu heiß und die Rolle des Oppositionsführer zu anstregend wurden. Vielleicht dachte er, dass sich dieser tägliche Kraftakt, trotz doppeltem Gehalt, nicht mehr auszahle. Vielleicht wurde der „Prinzessin mit dem Glaskinn“ die Kritik an der eigenen Person zu laut und die peinlich-übertriebenen Loblieder der Mainstream-Medien zu leise. Vielleicht will er nach dem EU-Wahlkampf in Brüssel einfach eine ruhige Kugel schieben, um dann seine politischen Kontakte irgendwann in ähnlicher weise zu nutzen wie ein anderer ehemaliger SPÖ-Bundeskanzler. Kerns Gattin ist ja bereits jetzt bestens vernetzt.

Vielleicht sind Christian Kern seine Glaubwürdigkeit und das Schicksal seiner Partei einfach egal. Gut möglich wäre aber auch, dass jetzt nur jene Charaktereigenschaften Kerns offen zum Vorschein kommen, die ihm seine eigene Partei bereits 2017 „diagnostiziert“ hatte.

Hier der „Totaler-Pumpitz“-Sager von Christian Kern beim ORF-Sommergespräch:  

 

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