Paul Hampel, außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, im Info-DIREKT-Interview

Es gibt keine Alternative zur nationalen Interessenpolitik

Bild: By blu-news.org (Paul Hampel AfD) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons; Hintergrund: maxpixel.net; Bildkomposition: Info-DIREKT;

Als Auslandskorrespondent weltweit unterwegs, aus fernen Ländern berichtend, kommentierend und mit Filmdokumentationen einem Millionenpublikum bekannt: In diesen Funktionen war Armin-Paul Hampel als Film- und Fernsehjournalist jahrzehntelang beruflich tätig, gleichsam auf den Spuren von Peter Scholl-Latour, zuletzt als Leiter des ARD-Studios Südasien in Neu-Delhi. Heute ist das Gründungsmitglied der Alternative für Deutschland (AfD) Bundestagsabgeordneter seiner Partei in Berlin und außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Vinzenz Riedler sprach für Info-DIREKT in Berlin mit ihm.

Info-DIREKT: Als langjähriger ARD-Auslandskorrespondent konnten Sie wertvolle Erfahrungen zu allen wichtigen Fragen der internationalen Politik sammeln. Die kommen Ihnen jetzt als AfD-Politiker zugute. In welchem Bereich vor allem?

Paul Hampel: Erstens lernt man beim langjährigen Aufenthalt im Ausland, sich auf unterschiedliche Kulturen einzustellen. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Vertrauensbildung. Die andere Erfahrung lautet, dass Sie auf allen Kontinenten — im Gegensatz zu Europa — immer wieder feststellen müssen, dass dort eine weitgehend andere, eine „reale Welt“ existiert, die sich von unserer stark unterscheidet. In Europa haben wir durch glückliche Umstände in der Nachkriegszeit eine Situation bis heute gehabt, die uns eine direkte Verwicklung in die großen Konflikte dieser Welt ersparte. Das ändert sich gerade, d. h. die Konflikte rücken immer näher an uns heran und wir sind nunmehr dazu gezwungen, uns auf die wirklichen Verhältnisse in einer Welt im Umbruch einzustellen. Daher auch mein Plädoyer für „Realpolitik“ anstelle von rot-grüner Gesinnungsethik in den internationalen Beziehungen.

Info-DIREKT: Die AfD betont immer wieder, dass in der Außenpolitik das nationale Interesse Deutschlands im Vordergrund stehen muss. Seitens der Altparteien und ihrer Leitmedien wird dagegen oft eingewandt, dass nationale Politik engstirnig und von gestern sei und außerdem zu gefährlichen Spannungen mit anderen Staaten führen würde.

Hampel: Nationale Interessen zu vertreten, ist weder engstirnig noch von gestern. Wir haben es vielmehr hierbei mit der gängigen Praxis aller Staaten zu tun — weltweit! Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Wer nationale Interessen vernachlässigt, wie z. B. unsere Altparteien, bringt sich und andere Staaten in schiefe Lagen. Denken Sie nur an die absurde Euro-Rettungspolitik unserer Bundesregierung, die uns immer tiefer in eine überdimensionale Verschuldungsfalle manövriert hat, und die jederzeit zuschnappen kann!

Hinzu kommt: Bis dato habe ich noch keine realistische Alternative zur nationalen Interessenpolitik erlebt. Ich kann sie mir auch nicht vorstellen, weil ich glaube, dass Völker ihre Identität, in der sie sich entwickelt haben, bewahren wollen. Das ist etwas, was zutiefst in uns schlummert und damit existentiell vorhanden ist. Und deswegen vertrete ich zunächst einmal die Interessen meines Volkes. Allerdings hindert uns keiner daran, diese Interessen mit anderen abzugleichen und Kompromisse zu schließen. Ich spreche hierbei von der Kunst der Diplomatie, die unsere politischen Funktionseliten nur ungenügend beherrschen.

Info-DIREKT: Sie lehnen die Brüssel-EU ab und plädieren für eine andere Form der Kooperation in Europa. Welche?

Hampel: Wir setzen uns für ein „Europa der Vaterländer“ im Sinne von Charles de Gaulle ein. Die Institution Brüssel, die wie ein Moloch krakenartig in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wächst und mit immer mehr Kompetenzen in die Belange der europäischen Nationen hineinwirkt, ist nicht die Zielvorstellung der AfD. Wir sind überzeugt davon, dass wir nach dem Subsidiaritätsprinzip handeln sollen, d. h. dass die Arbeit dort erledigt wird, wo sie anfällt. Zwar brauchen wir durchaus eine enge Abstimmung mit den europäischen Nachbarn, so wie es früher in der Europäischen Gemeinschaft (EG) praktiziert wurde, aber wir brauchen dazu keinen Superstaat Europa zu gründen, den im Grunde genommen nur die postnational gesinnten 68er-Eliten in der Bundesrepublik wünschen. 

Info-DIREKT: Die Welt befindet sich im Wandel und wir haben uns von der bipolaren zur multipolaren Welt verändert. Woran machen Sie diese Entwicklung fest und welche Folgen hat sie für eine deutsche Außenpolitik Ihrer Prägung?

Hampel: Die Bipolarität der Vergangenheit bezog sich auf die jahrzehntelange Rivalität der beiden Supermächte USA und Sowjetunion plus ihrer Bündnispartner im Kalten Krieg. Das ist seit den 1990er-Jahren Geschichte. Inzwischen hat sich etwas entwickelt, was durch den Zerfall der Sowjetunion, aber auch durch die Tatsache gekennzeichnet ist, dass die USA ihren Zenit erreicht und überschritten haben. Jetzt gewinnen andere Staaten an Macht und Einfluss, ihre Bedeutung als Akteure in der Weltpolitik nimmt zu. Das sind die sogenannten BRICS-Saaten, also vornehmlich China, gefolgt von Brasilien, Indien, Russland und Südafrika. Damit leben wir jetzt in einer multipolaren Welt und das heißt:  Die Amerikaner können nicht mehr irgendetwas selbstherrlich durchsetzen, denn sie stoßen auf wachsenden Widerspruch und zwar von ganz unterschiedlichen Seiten. Darauf müssen wir uns einstellen. Daraus folgt, dass wir im nationalen Interesse z. B. auch mit Einzelabkommen zwischen Staaten zu einer Stärkung unserer Position beitragen können.

Info-DIREKT: Thema Migrationskrise: Die gesetzwidrige Grenzöffnung durch CDU-Bundeskanzlerin Merkel im Herbst 2015 hat zu schweren Verwerfungen in ganz Europa und zu katastrophalen Folgen für unser Land geführt, auch für Österreich. Wenn Sie eine Bilanz dieser Ereignisse ziehen: Was springt Ihnen dabei besonders ins Auge?

Hampel: Die extreme Widersprüchlichkeit der deutschen Kanzlerin in der Auslösung und scheinbaren Bewältigung der Migrationskrise. Einerseits wurde und wird sie nicht müde, ständig eine europäische Gesamtlösung zu fordern, mantrahaft lehnt sie jede nationale Einzelentscheidung betroffener Staaten ab. Andererseits hat aber gerade ihr nationaler Alleingang zur illegalen Masseneinwanderung als zentrale Ursache doch die massive Folgeproblematik erst geschaffen! Das muss man sich ständig vor Augen halten. Denn Frau Merkel hat im Herbst 2015 weder mit den Engländern, den Franzosen, den Polen oder den Ungarn noch mit den Österreichern verhandelt, um zu einer gemeinsamen Regelung zu kommen, was im europäischen Geiste notwendig gewesen wäre. Vielmehr hat sie eigenmächtig eine illegale Grenzöffnung beschlossen nach dem Motto „Wir schaffen das!“

Hampel bereiste mit einer Delegation den Libanon und Jordanien. Welche Erkenntnisse gewann er auf seiner Reise über die kommenden Migrationsbewegungen? Welche politischen Forderungen knüpft er an diese? Wo positioniert sich die AfD geopolitisch zwischen den USA und Russland? 

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Über den Interviewpartner

Paul Hampel,

geb. 1957 in Bielefeld, war jahrzehntelang Film- und Fernsehjournalist. Zuletzt leitete er das ARD-Studio in Indien. Das AfD-Gründungsmitglied ist heute außenpolitischer Sprecher seiner Partei im Bundestag..