Merkel ist weg – AKK ist da!

Annegret Kramp-Karrenbauer J. Patrick Fischer [CC BY-SA 3.0], von Wikimedia Commons; Angela Merkel Armin Linnartz [CC BY-SA 3.0 de]; Deutsche Fahne User:SKopp, User:Madden, and other users [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons; Bildkomposition von Info-DIREKT

Sie hat es also geschafft! Bundeskanzlerin Angela Merkel – aufgrund des öffentlichen Drucks bezüglich des Parteivorsitzes amtsmüde geworden – gab also die Führerschaft der CDU ab, sorgte aber subtil dafür, dass ihr Klon, die bisherige Generalsekretärin der Partei, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), ihre Nachfolge antritt.

Von Martin Pfeiffer

Mit Friedrich Merz und Jens Spahn wäre kein friedlicher Übergang möglich gewesen

Denn schließlich muss die ehemalige FDJ-Aktivistin noch gut zweieinhalb Jahre mit dem Vorsitzenden der stärksten Regierungspartei zusammenarbeiten. Mit ihrem Erzfeind Friedrich Merz wäre das wohl kaum gedeihlich möglich gewesen. Und mit ihrem fraktionsinternen Kritiker, mit dem sie dazu noch in der Regierung sitzt, dem angeblich konservativen Jens Spahn, hätte sie sicher auch die eine oder andere Auseinandersetzung gehabt.

Eine situationselastische Parteichefin: Für Offene Grenzen, aber gegen die Homoehe

So wurde also am Bundesparteitag in Hamburg die Gretchenfrage gestellt: Wollt Ihr Fritz, Jens oder Gretchen? Letztere machte das Rennen und darf nun die Politik der Kanzlerin abnicken. Denn eine eigene Linie hat die Saarländerin ja sowieso nicht. Sie verteidigte Anfang 2016 „die Herrschaft des Unrechts“ (Seehofer), welche Merkel im Spätsommer 2015 mit der Grenzöffnung begonnen hatte. Merkels Öffnung der „Ehe für alle“ – Jens Spahn nutzte diese Öffnung der Ehe dazu, seinen Freund zu „ehelichen“ – sah das Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) kritisch und erhielt sogar eine Anzeige von einem Homolobbyisten-Verband wegen angeblich unpassender Vergleiche. Wie die Kirchen arrangierte sie sich jedoch mit der Realität.

AKK – für die CDU geht es weiter Richtung Abgrund

Was ist nun von AKK zu erwarten? Zuallererst Kontinuität und Harmonie mit der Kanzlerin. An neue Impulse oder Kurskorrekturen ist schon gar nicht zu denken. Konservativer wird die CDU nun auch nicht werden. Das freut vor allem die AfD, die bei einem Sieg von Fritz Merz wohl ein paar Wechselwähler wieder an die Union verloren hätte. Sie wären dem Blender auf den Leim gegangen, der gern damit kokettiert, traditionelle Werte zu vertreten. Besonders Vertreter des katholischen Cartellverbandes (CV) hofften auf Merz, der Angehöriger der Nr. 4 im CV ist, nämlich der als „steil“ geltenden KDStV Bavaria Bonn (Gründung 1844!), und damit auf einen Kurswechsel in Richtung konservativ. Nun dümpelt das marode Schiff CDU also weiter dem Abgrund entgegen.

Über den Autor:

Martin Pfeiffer ist promovierter Jurist und Publizist. Nach redaktioneller Tätigkeit bei der Wiener Wochenzeitung „Zur Zeit“ (1999–2003) wechselte er in die Schriftleitung des Grazer Monatsmagazins „Die Aula“, das er bis zur Einstellung im Juni 2018 gestaltete, und wurde 2004 auch Geschäftsführer des Aula-Verlages. Er ist Obmann des „Kulturwerks Österreich“ und tritt als Redner im gesamten deutschsprachigen Raum sowie als Buchautor auf. Martin Pfeiffers „Querschläger“-Kolumne erscheint wöchentlich auf www.info-direkt.eu und im Printmagazin Info-DIREKT.

 

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