Studie der EU-Kommission ist deutlich

Hälfte der EU-Bürger misstrauen etablierten Medien

Europäer sehen in etablierten Medien eine Lügenpresse

Ein schwerer Schlag für die etablierten Medien: Die EU-Bürger haben nur noch wenig Vertrauen in die etablierten Medien und zweifeln an deren Unabhängigkeit. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der EU-Kommission. Zudem haben viele Menschen Angst vor Drohungen, wenn sie ihre Meinung in sozialen Netzwerken äußern.

Die Studie der EU-Kommission ergab, dass 57 Prozent der Befragten nicht glauben, dass die heimischen Medien frei von politischem oder ökonomischen Einflüssen sind. Nur 53 Prozent der Teilnehmer waren davon überzeugt, dass die Presse glaubwürdige Informationen verbreitet.

Öffentlich-rechtliche Medien sind nicht unabhängig

In 17 von 28 EU-Staaten vertrauten die Befragten auch den Kontrollorganen für audio-visuelle Medien nicht. Die relative Mehrheit glaubt, dass diese politisch, staatlich oder wirtschaftlich beeinflusst werden. Nur eine Minderheit der Teilnehmer glaubt, dass die öffentlich-rechtlichen Medien frei von politischem Druck sind. Die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) sind von politischem oder wirtschaftlichen Einflüssen überzeugt.

Das größte Vertrauen hat eine große Mehrheit noch in das Radio (66 Prozent), gefolgt von Fernsehen und Zeitungen (jeweils 55 Prozent). Nur knapp ein Drittel (32 Prozent) vertraut den Informationen, die über soziale Netzwerke verbreitet werden. Die Studie sieht in vielen Fällen einen Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit der Medien und dem Vertrauen, das die Menschen in die vermittelten Informationen haben.

Österreicher Spitzenreiter bei Diskussionen in sozialen Medien

Österreich ist das einzige Land der EU, in dem sich die Mehrheit der Bürger (52 Prozent) an Diskussionen in sozialen Medien beteiligen, indem sie zum Beispiel Kommentare zu Artikeln oder in sozialen Netzwerken verfassen. 75 Prozent der befragten EU-Bürger gaben jedoch an, in sozialen Netzwerken Hasstiraden und Drohungen erlebt zu haben. Fast die Hälfte (48 Prozent) schrecken deshalb davor zurück, sich in Diskussionen im Internet einzubringen.

Knapp 28.000 EU-Bürger haben teilgenommen

Die Umfrage wurde zwischen 24. September und 3. Oktober 2016 von TNS Political & Social im Auftrag der Generaldirektion Justiz und Verbraucher (GD JUST) durchgeführt. Dabei wurden in den 28 Mitgliedstaaten der EU insgesamt 27.768 Bürger unterschiedlicher sozialer Gruppen bei sich zu Hause in ihrer Muttersprache befragt.

Link zur Studie: http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/image/document/2016-47/sp452-summary_de_19667.pdf