Er starb viel zu frĂĽh

Udo Ulfkottes letztes Info-DIREKT Interview

Udo Ulfkotte
Bild: Udo Ulfkotte

Zum Thema „gekaufte Journalisten“ gab uns der unbequeme Journalist und Bestseller-Autor Udo Ulfkotte ein Interview, welches im Info-DIREKT Printmagazin Ausgabe 3-2015 erschienen ist. Anlässlich seines plötzlichen und viel zu frĂĽhen Todes veröffentlichen wir es nun auch im Netz:

Info-DIREKT: In Ihrem neuesten Buch „Gekaufte Journalisten“ stellen Sie die These auf, dass Journalisten uns im Auftrag der Mächtigen manipulieren. Das klingt in der offiziellen Lesart nach einer Verschwörungstheorie. Sind Sie ein Verschwörungstheoretiker?
Udo Ulfkotte: Mit dem Wort wäre ich vorsichtig. All jene, welche es benutzen, wissen wahrscheinlich nicht, woher das Wort „Verschwörungstheorie“ seine heutige Bedeutung hat: Es stammt von der CIA. Im April 1967 schickte die CIA im Zusammenhang mit dem Prozess um den Mord an Kennedy aus ihrer Abteilung für psychologische Kriegsführung eine Anweisung an alle CIA-Stationen. In dem Schreiben wurden Hinweise gegeben, wie mit Kritikern umzugehen sei, und der bis dahin gebräuchliche Begriff „assassination theories“ (Attentatstheorien) durch „conspiracy theories“ — also „Verschwörungstheorien“ — ersetzt.  Das bis dahin neutrale Wort „Verschwörungstheorie“ wurde so vor allem unter Journalisten der großen Medien zu einem Kampfbegriff der CIA umgemünzt. Und den Kritikern wurde unterstellt, dass sie als „Verschwörungstheoretiker“ allein aus staatsfeindlichen und/oder kommerziellen Gründen unterwegs sind. Genau das sind die Ursprünge des journalistischen Kampfbegriffs der „Verschwörungstheorien“. Wenn man also in Berichten zu mainstream-kritischen Aussagen regelmäßig das Wort „Verschwörungstheorie“ benutzt, dann weiß man, was man davon zu halten hat: Das sind dann CIA-Kampfbegriffe. Denn es geht hier nicht um geheime Mächte, sondern um Kräfte, die zwar im Geheimen zu wirken versuchen, aber auch enttarnt werden können.

Das Misstrauen haben die Qualitätsmedien selbst produziert. Sie haben uns die LĂĽgen vor dem Irak-Krieg als Realität verkauft, sie haben uns erzählt, wie deutsche Soldaten Frieden und Freiheit am Hindukusch bringen wĂĽrden, sie haben behauptet, dass der Euro stabiler als die D-Mark werde, …

Info-DIREKT: Und daher misstrauen immer mehr Menschen unseren Leitmedien?
Ulfkotte: Als Flug MH17 über der Ukraine abgeschossen wurde und die Trümmer noch nicht einmal den Boden berührt hatten, da brüllten alle Leitmedien vereint, das seien die bösen Russen oder pro-russische Kräfte gewesen. Da wundert sich auch der einfachste Bürger, woher die das alles wissen. Das Misstrauen haben die Qualitätsmedien selbst produziert. Sie haben uns die Lügen vor dem Irak-Krieg als Realität verkauft, sie haben uns erzählt, wie deutsche Soldaten Frieden und Freiheit am Hindukusch bringen würden, sie haben behauptet, dass der Euro stabiler als die D-Mark werde, man könnte die Auflistung beliebig fortsetzen. Sie haben halt immer das berichtet, was die pro-amerikanischen Eliten von ihnen erwartet haben. Und das war einseitig und häufig reine Desinformation.

Info-DIREKT: Ihr neues Buch ist mittlerweile schon ein Bestseller, andererseits schweigt sich die etablierte Medienlandschaft in Deutschland darĂĽber aus. Wie passt das zusammen?
Ulfkotte: Ich habe nichts anderes erwartet. Wenn beispielsweise ein Arzt ein Buch über Ärztepfusch schreibt und die Namen der betroffenen Ärzte nennt, dann sind seine Kollegen auch alles andere als begeistert. Sie werden das Buch dann nicht in ihren Wartezimmern auslegen. Daher ist die Reaktion auf mein Buch durchaus verständlich.

Info-DIREKT: Gab es denn im Vorfeld Versuche, Sie an der Veröffentlichung Ihres Buches zu hindern?
Ulfkotte: Ich habe der „Frankfurter Zeitung“ (FAZ) vorher mitgeteilt, dass ich dieses Buch schreiben werde. Von dort wurde mir gesagt, dass man mich zivilrechtlich, presserechtlich, strafrechtlich und arbeitsrechtlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgen werde. Das ist aber bis heute nicht geschehen.

Info-DIREKT: Wie ernst ist es den Mainstream-Medien mit dem journalistischen Ethos?
Ulfkotte: Dieses Ethos gibt es nicht mehr. Ich gehe so weit zu behaupten, dass die Pressefreiheit in Deutschland ohnehin nur noch simuliert wird und eine Art Illusion ist. Mir haben viele Journalisten geschrieben, dass sie gerne über das Buch berichten würden — aber sie dürfen es nicht. Man habe ihnen ganz klar gesagt, dass sie damit ihr Beschäftigungsverhältnis riskieren würden. Es gab mehr als 1.000 Anforderungen von Rezensionsexemplaren des Buches, doch bislang hat kaum ein Journalist darüber berichtet.

Info-DIREKT: Wie muss man sich denn konkret den Manipulationsvorgang vorstellen?
Ulfkotte: Ganz einfach: Da werden Volkshelden zu Idioten gestempelt. Jeder weiß, dass es die von der Politik behauptete „Bereicherung“ durch Massen von Armutsmigranten in Wahrheit nicht gibt. Überall dort, wo diese „Bereicherung“ zahlenmäßig am größten aufschlägt, brechen die Kommunen zusammen. Und da sind die Probleme am größten.
Jeder sieht, dass Menschen wie Sarrazin oder Pirincci nur die Wahrheit sagen. Und dafür werden sie fertig gemacht. Ich werde nie vergessen, wie man Sarrazin als „lispelnde, stotternde Menschenkarikatur“ in unseren Medien bezeichnete. Da wird wirklich mit allen Mitteln gearbeitet. Widerlich!

Info-DIREKT: Dominiert plumpe Fälschung oder spielt sich die Irreführung eher in der Form von subtiler Auswahl, Darstellung und Gewichtung medialer Inhalte ab?
Ulfkotte: Es ist eine Mischung, ganz nach Bedarf. Am brutalsten ist die Schere im Kopf, welche unsere Journalisten haben. Diese politische Korrektheit, dieser vorauseilende Gehorsam den Eliten gegenĂĽber. Das ist wie in einer Bananenrepublik. Schauen Sie sich doch einmal unsere groĂźen Talkshows an. Immer die gleichen Waschmittelparolen.

Info-DIREKT: FrĂĽher saĂźen Sie selbst als FAZ-Redakteur am Manipulationshebel. Heute inszenieren Sie sich als der groĂźe EnthĂĽller. Sind Sie ein bekehrter SĂĽnder?
Ulfkotte: Es ist ganz sicher nicht einfach, Fehler einzugestehen. Ich schäme mich dafür, was ich 17 Jahre lang unter Anweisung meiner Chefs bei der FAZ gemacht habe. Es war nicht richtig, Politiker auf 5-Sterne-Reisen zu begleiten und die vorformulierten Pressemeldungen abzuschreiben. Es war auch nicht richtig, dem ständigen Druck zur gelenkten Berichterstattung von Bundesnachrichtendienst und Auswärtigem Amt nachzugeben — immer mit Wissen der FAZ.

Info-DIREKT: Mit welchen Mitteln beeinflussen Dienste und Lobbyorganisationen die Arbeit von Journalisten?
Ulfkotte: Ich habe nie Geld für eine bestimmte Berichterstattung bekommen, sondern immer andere Arten von Gegenleistungen. Ich habe z. B. für meine pro-amerikanische Berichterstattung die Ehrenbürgerschaft des US-Bundesstaates Oklahoma bekommen. Die Amerikaner haben mir eine komplette Tauchausrüstung finanziert. Mit diesen „Gegenleistungen“ hat man sich immer mehr in einem Spinnennetz der Interessen verfangen.

Info-DIREKT: Das heiĂźt, es wird vor allem der Eitelkeit vieler Journalisten geschmeichelt?
Ulfkotte: Das kommt darauf an. Es wird psychologisch sehr geschickt der Punkt gesucht, an dem man den Journalisten, den man fĂĽr sich gewinnen will, knacken kann.

Info-DIREKT: Aber dieses System scheint nicht mehr so gut zu funktionieren wie frĂĽher…
Ulfkotte: Nein, die Menschen glauben den Mainstream-Medien immer weniger und wollen auch mit diesem Gestrüpp aus Lobbygruppen und Nachrichtendiensten nichts zu tun haben. Sie wollen Alternativen. Wir sehen das auch in der Politik, wo die Bürger das Vertrauen in die etablierten Kräfte verlieren und alternative Parteien wie beispielsweise die „Alternative für Deutschland“ (AfD) wählen.

Es ist aber vor allem wichtig, den sogenannten Leitmedien die Gefolgschaft zu verweigern.

Info-DIREKT: Ist diese Situation nicht auch eine groĂźe Chance fĂĽr alternative Medien, dem Mainstream Konkurrenz zu machen?

Info-DIREKT 3-2015
Dieses Interview ist im Info-DIREKT Printmagazin Ausgabe 3-2015 erschienen.

Ulfkotte: Ich habe nicht die Illusion, dass ich beispielsweise mit meinem Buch eine Revolution auslösen werde. Es ist ein schleichender Prozess. Am Ende des Buches mache ich darauf aufmerksam, dass es viele alternative Medien gibt, die es wert sind, dass man sie sich genauer anschaut. Es ist aber vor allem wichtig, den sogenannten Leitmedien die Gefolgschaft zu verweigern. Wenn die Leute keine Abos bei den großen Medien mehr abschließen oder diese kündigen, macht man die Leitjournalisten langfristig arbeitslos.

 

Abowerbung, Ausgabe 32