Problem in der Schweiz: Zwangsheirat von minderjährigen Migranten

Symbolbild: Zwangsheirat

Aus dem letzten Jahr wurden in der Schweiz 21 Fälle bekannt, in denen  Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zwangsverheiratet wurden. Die Fachstelle Zwangsheirat zeigt sich besorgt über die Entwicklung und fordert daher „verstärkte Informationsbemühungen“.

In der Schweiz ist es Jugendlichen unter 18 Jahren verboten, zu heiraten. Dennoch wurden letztes Jahr zahlreiche junge Frauen zwischen 14 und 17 Jahren vermählt. Der Fachstelle Zwangsheirat wurden insgesamt 21 Fälle gemeldet, unter anderem aus den Kantonen Bern, Zürich und Solothurn. Muslimische Geistliche hätte Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Eritrea, Somalia, Kosovo und Mazedonien verheiratet. Zudem seien drei minderjährige Roma-Frauen von christlichen Predigern vermählt worden. Dies berichtet die „NZZ am Sonntag“.

Jugendliche werden unter Druck gesetzt

Die gemeldeten Zwangsheiraten sind rechtlich alle ungültig, nicht nur wegen der Minderjährigkeit der Betroffenen, sondern auch wegen der fehlenden Bestätigung am Standesamt. Die Fachstelle Zwangsheirat erhält Meldungen über illegale Ehen deshalb oft über Lehrer, Arbeitgeber oder Asylbehörden. „Zusehends sind wir damit konfrontiert, dass sich zwangsverheiratete Minderjährige selbst verletzen oder umzubringen versuchen“, berichtet Anu Sivaganesan, Präsidentin der Fachstelle Zwangsheirat gegenüber der „NZZ“. Die betroffenen Jugendlichen seien nämlich enormem Druck der Familien ausgesetzt.


Tatbestand der Nötigung

Zwangsheiraten und –verlobungen erfüllen laut Sivaganesan den Tatbestand der Nötigung. Weil es sich dabei um ein Offizialdelikt handelt, müssten die Justizbehörden selbst aktiv werden. Zusätzlich brauche es aber auch mehr Sensibilisierung und verstärkte Informationsbemühungen. In diesem Zusammenhang erwähnt Sivaganesan als Beispiel einen Betreuer einer minderjährigen Asylwerberin, der letztes Jahr sogar als Gast bei deren illegalen Hochzeit anwesend war.

Viele der Zwangsehen werden jedoch nicht erst in der Schweiz vollzogen, sondern schon davor in den Herkunftsländern der Migranten. Laut „NZZ“, das sich auf einen Bericht des „St. Galler Tagesblatt“ beruft, sei die Fachstelle Zwangsheirat im Jahr 2016 über 51 erzwungene Hochzeiten von Jugendlichen unter 16 Jahren informiert worden. Die meisten davon sollen Asylwerber gewesen sein. Zumeist waren junge Frauen die Opfer, in fünf Fällen betraf es auch minderjährige Männer.

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