Die Wahl in Frankreich verloren - na und?

Warum Le Pens Niederlage kein Untergang ist

Bild: Screenshot Youtube "franceinfo"

Es geht wieder los: das Jammern und Raunen über die Niederlage von Le Pen. Doch dass Le Pen verlieren wird, war vorauszusehen und bei Betrachtung der großen Zusammenhänge zeigt sich alles andere als ein negatives Bild.

von Patrick Lenart

Zuvor muss ich ein Wort von Antonio Gramsci (dem intellektuellen Begründer der Metapolitik) voranstellen, das so fundamental ist, dass es in seiner Bedeutung nicht überschätzt werden kann:

„Die Vorherrschaft einer sozialen Gruppe zeigt sich auf zwei Arten, als Beherrschung und als intellektuelle sowie moralische Führung. Eine soziale Gruppe ist dominant, wenn sie die gegnerischen Gruppen unterwirft und die verbündeten Gruppen anführt. Eine soziale Gruppe kann, ja muss sogar vor der Machtübernahme die Führung übernommen haben; wenn sie dann an der Macht ist […] wird sie dominant, aber sie muss weiterhin führend bleiben.“

Gramsci unterschied also zwischen zwei Arten von „Vorherrschaft einer sozialen Gruppe“: Die erste Art ist die „Beherrschung“ durch Zwang, also das Innehaben der Staatsgewalt, die zu Gesetzen und deren Durchsetzung ermächtigt. Die zweite Art ist die „intellektuelle sowie moralische Führung“: Hier wird bestimmt, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört – anders gesagt: wer wählbar ist und wer nicht.

Daraus ergibt sich, dass jeder großen politischen Veränderung eine Veränderung im Bewusstsein der Menschen vorangehen muss.

Wahlen als Resultat

Wenn wir dieser Ansicht trauen (und das tue ich), sind Wahlen immer nur das Resultat eines kulturellen Wandels. Sie zeigen den Wandel an, sind aber nicht selbst das, was den Wandel ausmacht. Nur nach der Regierungsbeteiligung zu streben, ist schlicht zu wenig für eine echte Änderung der Verhältnisse.

Wir haben es in Frankreich wieder sehen können: Das komplette Establishment hat sich gegen Le Pen verschworen. Selbst die längst globalistische Sozialdemokratie hat ihren offiziellen Todfeind unterstützt, nur um eine Patriotin zu verhindern. Die Selbstentlarvung der „sozialen“ Parteien war noch nie so augenfällig als mit dieser Unterstützung eines Bankers. Sigmar Gabriel bezeichnete die FN-Wähler sogar als Ratten, obwohl ihm der Anteil der Arbeiter klar sein müsste.

Auch sämtliche etablierten Medien haben im Einheitschor vor Le Pen „gewarnt“ (besser: gehetzt). Die Propaganda-Floskel „rechtsextrem“ konnte man schon nach den ersten Berichten nicht mehr zählen. Und natürlich stellten sich alle NGOs gegen den FN. Selbst Greenpeace, eine Umweltschutzorganisation (!), sah sich genötigt, gegen Le Pen Stellung zu beziehen.

Es ist etwas in Bewegung

Das Vakuum eines patriotischen Pendants wurde wieder deutlich vor Augen geführt. Wo waren die patriotischen Thinktanks, NGOs, Vereinigungen? Kurz und knapp: es gibt sie nicht. Oder zumindest nur in geringer Anzahl. Aber selbst diese wenigen Akteure (nicht zuletzt die FN selbst) konnten große Erfolge erzielen und den Widerspruch zwischen Volk und den herrschenden Globalisten aufdecken.

Selbst dem letzten Trottel müsste doch inzwischen aufgefallen sein, dass das Establishment nicht grundlos zu Macron hält. Dass sie den Arbeiter, das Volk und die Kultur verraten haben. Dass es sich dabei um ein internationales Netzwerk handelt, das die Demokratie aushebelt und nichts so sehr fürchtet, wie dass dem Volk die Macht zurückgegeben wird.

Wahlniederlage – na und?

Sechs Millionen Franzosen konnten bereits überzeugt werden. Sie fühlen die unüberwindbare Kluft und die Verteufelung der FN durch Medien, NGOs und Künstler hat nicht mehr funktioniert. In Ihnen wurde ein Widerspruch bewusst, der eine Versöhnung unmöglich macht.

Was folgt, ist die Erkenntnis, dass wir uns in einem Kampf um die „intellektuelle und moralische Führung“ zwischen Patrioten und Globalisten befinden; dass dieser Kampf lang und zäh ist und jeder Meter mühsam errungen werden muss. Wahlen zeigen nur den Erfolg in diesem Ringen um die Deutungshoheit an. Und hier konnten die französischen Patrioten ihre Stimmen seit 2002 verdoppeln – ein Erfolg also, zu dem man nur gratulieren kann!