Nach dem Terror in Manchester

Nach Anschlag in Manchester: Islam sei „Kitt für die Gesellschaft“

von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) (Eigenes Werk) [FAL oder CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Am Freitag diskutierte der deutsche Innenminister Thomas de Maiziére am 36. Evangelischen Kirchentag mit dem umstrittenen ägyptischen Großscheich Ahmad al-Tayyeb. 

Doch schon im Vorfeld des Treffens ließ de Maiziére mit seinen Aussagen aufhorchen. Ausgerechnet nach dem fatalen Terroranschlag in Manchester bezeichnete er den Islam als „Kitt der Gesellschaft“. Voraussetzung dafür sei, dass er „aufgeklärt, europäisch und der Demokratie zugewandt“ sei. Wo ein solcher Islam zu finden sei, bekam man allerdings nicht zu hören.

„Euro-Islam ist gescheitert“

Einen solchen „Islam europäischer Prägung“ fordert übrigens auch Integrationsminister und Chef der „neuen“ ÖVP Sebastian Kurz. Sowohl an de Maiziére als auch an Kurz scheinen die Entwicklungen der letzten Jahre vorbei gegangen zu sein. Ausgerechnet der deutsch-syrische Intellektuelle Bassam Tibi, der als Schöpfer des Konzepts des „Euro-Islam“ gilt, erklärte kürzlich in einem Interview dessen Scheitern.

Großscheich vertritt Extremismus

Doch als wäre das noch nicht genug, werden ausgerechnet dem Gesprächspartner des deutschen Innenministers, Großscheich Ahmad al-Tayyeb, extremistische Tendenzen nachgesagt. Der Scheich würde in Ägypten einen „rückwärtsgewandten Islam praktizieren und sich Andersgläubigen gegenüber sehr negativ verhalten“, so der ägyptische Islamkritiker Hamad Abdel-Samad im „Spiegel“. Im Ausland sei er hingegen stets darum bemüht, ein möglichst fortschrittliches Image zu vermitteln. Auch Sebastian Kurz hat sich bei seiner Reise nach Ägypten im Jahr 2015 mit dem umstrittenen Prediger getroffen und ihn anschließend als „Kämpfer gegen den Extremismus“ bezeichnet.

Muslime nicht verantwortlich für Terror

Als mitten in die Veranstaltung am Kirchentag die Nachricht des verheerenden Terroranschlags in Ägypten eintraf, bei dem 28 Angehörige der christlichen Minderheit des Landes ums Leben kamen, leugnete der Großscheich die Verantwortung des Islam. „Terror ist des Teufels und kann kein Werk von Gottesgläubigen sein“, zitiert ihn der Spiegel. Die Mehrzahl der Opfer von Attentaten sei selbst muslimisch, fügte er hinzu, weswegen der Islam und die Muslime keine Schuld am Terror tragen könnten. Phrasen, an die man sich in Europa längst gewöhnt hat und welche leider tatsächlich als authentischer Ausdruck eines „europäischen“ Islam gelten können.