Der Ökonom fällt ein scharfes Urteil über eine oft verklärte Ära

Christof Zellenberg: 1968 schadet unserer Gesellschaft bis heute!

By Stiftung Haus der Geschichte (2001_03_0275.4250) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Von Alexander Markovics

Was viele denken, sprach der Ökonom Christof Zellenberg in der Diskussionssendung „Sex, Drugs und Revolution – was blieb von 1968 ?“ am 13.05. im Zentrum“ aus:

„Unsere Gesellschaft stirbt aus.“

Für ORF-Verhältnisse kam es in der Sendung zu einer erstaunlich offenen Diskussion, welche auch die Lebenslügen unserer Gesellschaft in Frage stellte. Während die anderen Diskussionsteilnehmer, darunter u.a. die Schauspielerin Chris Lohner, Johanna Zechmeister von der ÖH, 1968 als Jahr der Befreiung von allen Zwängen feierten, sah Christof Zellenberg das 50 jährige Gedenken ganz anders.

1968 – Revolte der Wohlstandsverwahrlosung

Für ihn stellte 1968 vor allem eine Revolte der Wohlstandsverwahrlosung dar, die unserer Gesellschaft geschadet hat. Laut Zellenberg kam es dazu, weil man „(…) in der 68er Bewegung die Familie in Frage gestellt hat. Wir haben einfach viel zu wenig Kinder.“ Auf der einen Seite sei 1968 die Befreiung des Einzelnen gewesen, für die Gesellschaft war es jedoch eine Katastrophe. Die Entkoppelung der Sexualität von der Ehe habe zu sinkenden Reproduktionsraten geführt. Die Folge: Unsere Gesellschaft stirbt aus.

Ende der Familie – Ende der Gesellschaft

Dabei hängt nach Zellenberg der Niedergang der Familie aufs Engste mit den sinkenden Eheschließungen zusammen. Die 68er Bewegung habe mit ihrer Kritik an der Familie erfolgreich ihren Teil zur Zerstörung unserer Gesellschaft beigetragen. Zellenberg weiter:

„Warum heiraten nur noch so wenige? (…) Weil das traditionelle Familienbild im Laufe der Zeit einfach unattraktiv gemacht wurde, auf die verschiedensten Arten und Weisen.“

1968 als Folge des Kapitalismus

Was dabei nicht erwähnt wurde, ist, dass 1968 mit seiner Logik der totalen Befreiung des Einzelnen aus gesellschaftlichen Zwängen wie Ehe und Familie nicht einfach eine „linke Bewegung“ war. Im Kern war 1968 vor allem ein Aufstand für eine rein kapitalistische Konsumgesellschaft. Denn die Herauslösung der Frau aus der Familie machte diese für die Wirtschaft als Arbeitskraft nutzbar. Für die Frauen ist dies bis heute kein Grund zum Feiern. So hat sie 1968 einerseits zum konsumierbaren Lustobjekt aller Männer degradiert und zum Arbeitssklaven der Wirtschaft. „Befreiung“ sieht anders aus – wer heute 1968 feiert, hat es nicht verstanden.

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