Die „Aquarius“ und der Verrat an der spanischen Bevölkerung

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Europäische Medien feiern die spanische Regierung für ihre vermeintliche Menschlichkeit. Sie hat das „Flüchtlings-„schiff „Aquarius“ anlegen lassen. Dass sie mit Schleppern zusammenarbeitet, ist kein Thema. Auch nicht, dass sie schon für die eigene Bevölkerung kein Geld hat.

Von Maria Altgast 

Alle namhaften deutschsprachigen Medien berichteten vom Drama um das Boot „Aquarius“. Sie kritisieren den frischgewählten Ministerpräsident Italiens, Matteo Salvini. Er hat sich geweigert, die über 600 Migranten aufzunehmen. Auch die maltesische Regierung wies eine Zuständigkeit zurück, weil die Rettungsaktion auf libyschen Gewässern durchgeführt wurde.

Gelobt wird der Ministerpräsident Spaniens, Pedro Sánchez. Endlich jemand, der den Geflüchteten Mitgefühl und Hilfe entgegenbringt, indem er ihnen die Tore seiner Häfen öffnet. Soweit der mediale Tenor. Doch wo findet man die Fernsehberichte, die Zeitungsartikel und die Blogbeiträge über die Reaktion der spanischen Zivilbevölkerung? Sie steht dem spanischen Akt der Barmherzigkeit deutlich reservierter gegenüber als die europäische Journaille.

Zusammenarbeit mit Schleppern

Wer mit Spaniern selbst spricht, bekommt ein anders Bild von der Lage. Info-Direkt hat den Vorsitzenden der jungen Regional-Partei „Respeto“ (dt. „Respekt“) interviewt. Fernando Terente ist 31 Jahre jung. Recht und Gerechtigkeit sind als Arbeitsrechtler quasi seine Berufung.

Auf die Frage, wie die neue spanische Regierung selbst ihre Entscheidung präsentiert, findet Señor Terente klare Worte:

„Ein Fest der Propaganda. Die Regierung missbraucht dieses Schiff, um verglichen mit Italien das Land der Mitmenschlichkeit zu spielen.“

Was sie hierbei jedoch verschweigen, ist, dass sie durch die Aufnahme von „Aquarius“ mit Schlepperbanden zusammenarbeiten und durch ihre Politik der offenen Grenzen das Geschäft mit dem Elend der Geflüchteten fördern.

Für die Spanier selbst ist kein Geld da

Aus seiner beruflichen Praxis weiß Señor Terente um die wirtschaftliche Situation der spanischen Arbeitnehmer, der Arbeitslosen und der Rentner. Das Geld ist knapp. Im April 2018 durfte sich das Land erneut mit einem altbekannten Titel schmücken: Platz 2 im europäischen Ranking der Jugendarbeitslosigkeit. 34% aller erwerbsfähigen 15 bis 24-Jährigen finden keinen Arbeitsplatz. Auch Altersarmut ist traurige Realität.

„Für spanische Pensionisten gab es nie Geld. Es war einfach nicht da. Doch plötzlich findet die Regierung Millionen für illegale Zuwanderer – und sogar dafür, dass man diese Leute von der afrikanischen Küste nach Spanien bringt.“

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