Die USA wollen einen Regime Change im Iran, mit allen notwendigen Mitteln

Tasnim News Agency [CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

Am 8. Mai dieses Jahres traten die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran aus, Info-DIREKT berichtete. Seitdem spitzt sich die Krise im Nahen Osten zu, Washington will alle Länder, welche mit dem Iran Handel treiben, rechtlich belangen. Folglich ziehen sich die europäischen Staaten Stück für Stück aus dem persischen Staat zurück. Die Wirtschaft befindet sich im freien Fall. Doch was bezweckt Trump damit? Im Interview mit dem Deutschlandfunk gab der deutsche Islam- und Politikwissenschaftler Michael Lüders Einsichten in die verworrene Lage.

Von Alexander Markovics

Trump will einen Regime Change im Iran

Seit der US-Invasion im Irak 2003, mehren sich die Stimmen von Neokonservativen  in den USA und in Israel, man habe das falsche Land angegriffen. Durch den Sturz des Sunniten Saddam Hussein kam eine schiitische Regierung an die Macht, welche sich nun mit dem ebenfalls schiitischen Nachbarland Iran sehr gut versteht. Teherans Macht im Nahen Osten weitete sich dadurch bis in den Libanon aus. Sehr zum Missfallen der USA und Israels, denn Teheran unterstützt die schiitische Miliz Hisbollah.

Trumps Taktik: Drohen, verhandeln, über den Tisch ziehen

Deswegen versucht Trump Teheran mit seiner bekannten Verhandlungstaktik einzuschüchtern: Zuerst droht er, dann verlangt er nach Gesprächen ohne Vorbedingungen, um schließlich eine gemeinsame Vereinbarung zu bekommen. Doch das funktioniert im Falle des Irans nicht.

Der Iran deeskaliert, die USA bleiben aggressiv

Zudem stellt der Iran die einzige vom Westen unabhängige Macht in der Region dar und gilt als Alliierter von Russland und China. Doch auch in Syrien ist der Iran auf Einladung der gewählten Regierung von Bashar al-Assad aktiv. Das wiederum macht Israel Angst, dass sich gegenwärtig in einer besonders schwachen Position befindet. Auf Vermittlung der USA und Russland kam es daher zu einem Rückzug iranischer Truppen aus der Nähe der Golanhöhen. Doch obwohl der Iran sowohl militärisch als auch in der Atomforschung auf Deeskalation aus ist, eskalieren die USA weiter.

Wirtschaftssanktionen und Minderheiten als Weg zum Regime Change

Da der Iran seine unabhängige Außenpolitik nicht aufgeben will, versuchen die USA nun über zwei Wege einen Regime Change herbeizuführen: Erstens, indem sie das Land wirtschaftlich unter Druck setzen. Zweitens, indem sie gesellschaftliche und religiöse Minderheiten instrumentalisieren. Doch beide Mittel scheiterten bisher: Das iranische Volk hat sich nur noch stärker hinter seiner Führung versammelt. Die Ernennung von Bolton zum Minister für Nationale Sicherheit und Pompeo zum Außenminister, welche beide ausgesprochene „Falken“ sind, deutet auf eine weitere Eskalation der Lage hin. Auch der US-Verbündete Saudi Arabien ist ein ausgesprochener Gegner Teherans. Kommt es zum Krieg, würde dies eine weltweite Katastrophe bedeuten: Russland und China haben bereits in der Vergangenheit verkündet, in einem solchen Fall aufseiten des Irans einzugreifen.

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