Bestellte Demonstranten im ZDF-Sommerinterview mit AfD-Vorsitzendem?

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Das Sommerinterview mit AfD – Chef Alexander Gauland wurde von Demonstranten unterbrochen. Die Aktion wirkt im Gesamten sehr gestellt. Doch selbst wenn nicht, war die Reaktion des Senders alles andere als professionell und objektiv.

Von Friedrich Langberg

Am 12. 8. Wurde im ZDF das Sommerinterview mit dem Vorsitzenden der AfD, Alexander Gauland, ausgestrahlt. Das Interview an sich wurde geführt, wie man es auch in Österreich von Öffentlich-rechtlichen seit den frühen Haider-Tagen kennt.


Eine versteinerte Mine des Moderators sollte dem Zuschauer suggerieren, dass man es mit einem Bösewicht der Sonderklasse zu tun hätte. Viele Fragen bewegten sich am schmalen Grat zwischen kritischem Journalismus und Suggestivfragen. Sie versuchten den Gesprächspartner mal als Verschwörungstheoretiker, mal als Ahnungslosen „Idioten“ bloßzustellen. Die Grenze respektvollen Anstands wurde klar überschritten, als Thomas Walde Gauland fragte:

Kann es sein, dass sie mit der Zukunft überfordert sind, und deswegen ihr Heil in der Deutschen Vergangenheit suchen?

Das durchaus zukunftsrelevante Thema Migration wurde übrigens gänzlich ausgespart. Das Risiko, Gauland bei den Zuschauern Punkte sammeln zu lassen, schien dabei offensichtlich zu groß. Indirekt kann das eigentlich als Eingeständnis dafür gewertet werden, dass sich das ZDF seiner sonst gelebten Undifferenziertheit in dieser Frage durchaus bewusst ist.

Demonstranten vor laufender Kamera – wie bestellt?

Der peinliche Höhepunkt dieser Aufführung waren die drei – höchstwahrscheinlich engagierten – Demonstranten. Diese hatten das Gespräch kurz unterbrochen, im verlinkten Video zu sehen ab Minute 11:40. „Gauland, die Schande im Herzen von Potsdam“, skandierten sie dazwischen.

Obwohl mindestens 30 Meter von der Szene entfernt, sind sie dabei zu hören, als säßen sie am Nebentisch. Die bei Fernsehinterviews verwendeten Mikrofone blenden die Umgebung an sich aus. Gerade wenn im Freien gedreht wird, weil sonst jedes vorbeifahrende Auto eine störende Geräuschquelle darstellen würde. Das spricht dafür, dass auch die Demonstranten mit Mikrofonen ausgestattet waren.

Zusätzlich wirkt die Aktion recht orchestriert, weil sie gerade so abgehalten wurde, dass Gauland zwar öffentlich vorgeführt, die Sendung aber fortgesetzt werden konnte. Das erspart die Unannehmlichkeiten einer Programmänderung. Sie kamen, riefen drei mal ihren brav auswendig gelernten Satz, und zogen weiter.

Die selektive Wahrnehmung des Journalismus

Sogar für den unwahrscheinlichen Fall, dass es sich um „echte“ Demonstranten handelte, ist der Umgang des Senders mit der Situation als höchst fragwürdig einzustufen. Bei Reden von Angela Merkel etwa kommt es zeitweise zu regelrechten Massenprotesten, deren Mitschnitte via Smartphone dann zwar auf Youtube zu finden sind, die aber in der Berichterstattung von ARD und ZDF kategorisch ausgeblendet werden.

Trifft es jedoch einen AfD-Vorsitzenden, wird die Kamera auf den Protest gerichtet. Selbst der Moderator kann sich dann zynische Nachfragen nicht verkneifen. „Haben Sie die bestellt?“ fragte er Gauland allen Ernstes, um dann noch mit verächtlichem Gesichtsausdruck festzuhalten: „Ich nehme an, sie kommen damit klar.“ Als wäre Ablehnung die einzige Haltung, die einem Politiker der Alternative entgegengebracht würde.

Lasst euch etwas Neues einfallen

Derlei tun die Sender natürlich nicht ohne Grund. Ein eventuell mit Gauland sympathisierender Zuschauer soll sich an dessen Stelle fühlen. „Siehst du: So denkt die Mehrheit über dich und die Partei, die du dich zu wählen erfrechst!“ Was die Medienschaffenden offensichtlich noch immer nicht verstanden haben, ist, dass solche Scherze heute nicht mehr ziehen! Es ist ein bisschen so, als würde ein Zirkus noch immer mit dem Trick der „zersägten Jungfrau“ auf Tour gehen. Wir wissen inzwischen, dass eine zweite Frau im Kasten ist – lasst euch was Neues einfallen!

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