Landbauer (FPÖ) irrt: Burschenschaften sind deutschnational!

Bild: By Holger Schwill [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons; Komposition: Info-DIREKT;

„Deutschnational ist nicht die Ideologie der Burschenschaft“, sagt Udo Landbauer. Am 1. Februar war Udo Landbauer, Spitzenkandidat der FPÖ bei den niederösterreichischen Landtagswahlen, zurückgetreten. Der Versuch, ihn anzupatzen und in ein Eck zu stellen, war aber gründlich misslungen. So kehrte er nach vollständiger Rehabilitierung am 20. September in die Politik zurück.

von Herbert Fritz

Bereits am 1. September brachte „Die Presse“ ein Interview mit ihm. Darin war ganz Sonderbares von ihm zu hören. Dass er auf die Frage, ob er wieder Mitglied (gemeint war bei seiner bisherigen Burschenschaft) werden wolle, mit „Das steht nicht zur Debatte und wird wohl auch nicht passieren“ beantwortete, ist in Anbetracht der Unannehmlichkeiten, die ihm ein Liederbuch mit einer –wenn auch längst geschwärzten – vertrottelten Strophe bereitet hatte, durchaus verständlich. „Dennoch wehre ich mich dagegen“ so Udo Landbauer weiter, „dass man Burschenschaften per se verteufelt. Wenn etwas passiert, oder – wie in diesem Fall – vor vielen Jahren passiert ist, muss man dies aufarbeiten, dass das nicht mehr vorkommt.“ – So weit, so gut.

Burschenschaften kämpften als Erste für Meinungs- und Pressefreiheit

Der Behauptung der Presse, „Die Burschenschaften entspringen in Österreich ja deutschnationalem Gedankengut“, widersprach er. „Das ist nicht richtig. Burschenschaften sind studentische Vereinigungen, die die Ersten waren, die für Pressefreiheit, für Meinungsfreiheit gekämpft haben. Das wird immer gern mit „deutschnational“ in Verbindung gebracht. Das ist nicht die Ideologie der Burschenschaft.“ Udo Landbauer hätte der PRESSE erklären können, dass deutschnational nicht mit nationalsozialistisch zu verwechseln ist. In diesem Zusammenhang hätte er natürlich darauf hinweisen können und müssen, dass die Burschenschaften tatsächlich für Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und – nicht zu vergessen – für Demokratie gekämpft hatten, aber immer mit Blick auf die gesamtdeutsche Entwicklung. Und dann hätte er noch darauf hinweisen können, dass deutschnational wohl früher mit dem Anschlussgedanken in Österreich verbunden war, dies heute aber irrelevant ist.

Gegen Anpassung an die veröffentlichte Meinung

Tatsache ist, dass selbst anständige und ehrenhafte Persönlichkeiten mitunter der Versuchung nicht widerstehen können, sich der veröffentlichten Meinung anzupassen, bzw. Gegensätze abzuschwächen oder sich von Grundsätzen zu distanzieren. Der Weg in die gesellschaftliche Mitte verlangt wohl eine klare Abgrenzung gegen Extremismen aller Art, er sollte aber nicht mit zu vielen Kompromissen und zu viel Ängstlichkeit verbunden sein, das schadet! Die FPÖ hat sich bisher als Regierungspartei ausgezeichnet geschlagen. So sollte es auch bleiben.

Über den Autor:

Herbert Fritz, geboren 1939 in Wien, ist promovierter Jurist. Er nahm 1961 am Südtiroler Freiheitskampf teil und pflegt bereits seit den 1960er-Jahren besonders in den Nahen Osten sehr gute Kontakte. Fritz gilt quer über alle politischen Lager als profunder Kenner der Kurden. Er schreibt für verschiedene Zeitschriften, hält packende Vorträge und verfasste u. a. die beiden Bücher „Die kurdische Tragödie — Ein Volk zwischen den Fronten“ und „Kampf um Kurdistan – Für Freiheit und Selbstbestimmung“. Herbert Fritz ist Alter Herr der Wiener akademischen Burschenschaft Olympia.  Für das aktuelle Info-DIREKT-Printmagazin verfasste er diesen Artikel: „Türkischer Staat als kriminelle Organisation vor ‚Gericht'“

 

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