Matteo Salvinis Lega erobert auch die Herzen der Südtiroler

Bild: von English: Ministry of the InteriorItaliano: Ministero dell'interno [CC BY 3.0 it (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/it/deed.en)], via Wikimedia Commons; Hintergrund: By Ffeeddee [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons; Bildkomposition: Info-DIREKT;

Katerstimmung bei den deutschen Oppositionsparteien in Südtirol nach der Landtagswahl: Statt drei sitzen nun nur noch zwei patriotische Parteien im Landtag am Bozner Silvius-Magnago-Platz – sie wurden alle vom Wähler böse abgestraft, vor allem die Freiheitlichen. Was ist geschehen? Sind die Südtiroler etwa nach links gerückt? Mitnichten!

Von Martin Pfeiffer 

Ein politisch erfolgloser Landeshauptmann…

Die konturenlose Südtiroler Volkspartei (SVP) mit ihrem knieweichen Landeshauptmann Arno Kompatscher, der außer einer funktionierenden Familie mit sieben Kindern – alle Achtung! – politisch praktisch nichts auf der Habenseite vorzuweisen hat, weil er sich in den letzten Jahren zum Erfüllungsgehilfen Roms und seines linken Koalitionspartners machen ließ, wurde – wie eine Woche zuvor ihre Schwesterpartei CSU in Bayern – abgewatscht, blieb aber wenigstens über der 40-Prozent-Marke.

…mit einem schwachen Koalitionspartner

Auch der italienische Koalitionspartner der SVP, die Partito Democratico (PD), wurde halbiert und hat nur noch ein Mandat. Die Grünen konnten ihre drei Mandate halten, so dass im 35-köpfigen Landtag nur noch vier Vertreter linker Gruppierungen sitzen. Die anderen Abgeordneten gehören der Mitte und dem rechten Lager an.

Salvinis Strahlkraft wirkt auch in Südtirol

Es war Matteo Salvinis Lega, die es schaffte, das Gros der Unzufriedenen und Einwanderungsgegner auf ihre Seite zu ziehen, und zwar unabhängig von der jeweiligen Volksgruppe. Angesichts der fehlenden rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten in Südtirol – die Landesregierung kann trotz Autonomie über keinen Grenzschutz entscheiden – vertrauten auch viele deutsche Südtiroler auf die Kraft und Macht des Innenministers in Rom, der zuletzt durch mutige Aktionen einen Kontrapunkt zur Merkel-Macron-infizierten-Europapolitik setzte.

So wählten die deutschen Südtiroler

So stecken in den gut elf Prozent, welche die Lega einfuhr, auch viele Stimmen deutscher Südtiroler, die 2013 noch die Freiheitlichen, die Süd-Tiroler Freiheit oder Andreas Pöders BürgerUnion gewählt hatten. Andere wiederum unterstützten den Senkrechtstarter Paul Köllensperger, der mit seinen 15,2 % seine eigene Liste sensationell auf Platz 2 katapultierte und auch der SVP Stimmen wegnahm. Doch was bewegte die Menschen in letzterem Fall zu diesem Schritt, vor allem diejenigen, welche die deutsche Opposition abstraften?

Info-DIREKT-Printmagazin, Ausgabe 22
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Freiheitliche & Co. müssen Glaubwürdigkeit wiedergewinnen

Die Behauptung linker Zeitgenossen, die Wahl sei auch eine Entscheidung gegen den sogenannten Doppelpass gewesen, ist reine Spekulation. Nun müssen die deutschen Konservativen daran arbeiten, ihre verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Das wird nicht leicht werden. Sollte die SVP nun tatsächlich mit der Lega koalieren, dann gäbe es wenigstens in Bozen eine Salvini-affinere Politik. So könnte man Kompatschers Rom-Hörigkeit sogar eine positive Seite abgewinnen.

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Über den Autor

Martin Pfeiffer ist promovierter Jurist und Publizist. Nach redaktioneller Tätigkeit bei der Wiener Wochenzeitung „Zur Zeit“ (1999–2003) wechselte er in die Schriftleitung des Grazer Monatsmagazins „Die Aula“, das er bis zur Einstellung im Juni 2018 gestaltete, und wurde 2004 auch Geschäftsführer des Aula-Verlages. Er ist Obmann des „Kulturwerks Österreich“ und tritt als Redner im gesamten deutschsprachigen Raum sowie als Buchautor auf. Martin Pfeiffers „Querschläger“-Kolumne erscheint wöchentlich auf www.info-direkt.eu und im Printmagazin Info-DIREKT.

 

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