Westliche Doppelmoral: Der Mord Saudi-Arabiens an Khashoggi

Bild: Khashoggi: By April Brady / POMED (Mohammed bin Salman's Saudi Arabia: A Deeper Look) [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons; Hintergrund: Nicolas Raymond via flickr; Komposition: Info-DIREKT;

Die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi erschüttert den Westen. Doch sowohl die USA als auch die EU wollen das Verhältnis zu Saudi Arabien nach kurzer Empörung wieder normalisieren. Während über die Unterdrückung im Inneren gesprochen wird, wird über den Vernichtungskrieg der Saudis gegen den Jemen geschwiegen.

Von Alexander Markovics

Ein Mord im saudischen Konsulat – zuerst verschwiegen, dann zugegeben

Am 02.10.2018 betrat Khashoggi gemeinsam mit seiner Verlobten Hatice Cengiz das saudische Konsult in Istanbul um die Scheidungspapiere einzureichen. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen. Saudi Arabien versuchte zwei Wochen lang den Mord totzuschweigen, bis die türkischen Behörden das Königreich mit Beweisen für den Mord festnagelten.

Khashoggi – im Zentrum der Macht Saudi Arabiens

In den westlichen Medien wird Jamal Khashoggi neutral als regimekritischer liberaler Journalist dargestellt. Doch in Wahrheit handelt es sich bei ihm um einen Angehörigen der mächtigsten Familie Saudi Arabiens, die mit dem Königshaus eng verbandelt ist. Sein Großvater, Mohammed Halid, zählt zu den Gründern Saudi Arabiens und war der Privatdoktor von König Ibn Saud. In den Iran-Contra Skandal war sein Onkel als Waffenschmuggler verwickelt. Durch die Verbindungen seiner Familie machte der Journalist eine kometenhafte Karriere zum Chefredakteur mehrerer saudischer Zeitungen die dem Königshaus loyal gegenüber standen.

Waren geplante Enthüllungen zum 11. September Grund für Mord?

Besonders interessant ist, dass Jamal Khashoggi in den 1980ern im Dienste des saudischen Geheimdienstes in Kontakt mit Saudi Arabien stand und Osama bin Laden sogar persönlich traf, als dieser noch mit den USA verbündet war.  Er stand weiters auch in Kontakt mit Prinz Turki al Faisal, welcher ein paar Tage vor den Anschlägen vom 11. September zurücktrat. Kollegen berichten darüber, dass Khashoggi plante, über die Verbindungen Washingtons und Riads zu den Attentätern des 11. Septembers zu schreiben. Weiters wollte er enthüllen, warum er Saudi Arabien verlassen hatte.

Der Mord in Istanbul als Signal an die Türkei und den Rest der islamischen Welt

Wie türkische Tonaufnahmen vom Mord nahelegen, wurde der Journalist auf einem Arbeitstisch im Konsulat innerhalb von sieben Minuten zerstückelt. Der Mord an Khashoggi, der unter türkischem Schutz stand, ist ein deutliches Signal an die arabische Welt, sich nicht auf die Türkei als Schutzmacht zu verlassen. Saudi Arabien gilt als Förderer islamistischer Terrorgruppen im Nahen Osten. Im Gegensatz zur Türkei ist das Königreich bewusst pro-israelisch eingestellt und gilt als enger Verbündeter der USA.

Keine Sanktionen gegen Saudi-Arabien, König Abdullah Zentrum in Wien bleibt bestehen

Wie die Reaktion Donald Trumps auf den Mord nahelegen, wird es keine amerikanischen Sanktionen gegen Saudi-Arabien in Folge des Mordes geben. Auch Österreich möchte dem König Abdullah Zentrum in Wien, welches auf saudische Initiative hin entstanden ist, eine „letzte Chance“ geben. Bis Ende Juni fordert Kneissl Reformen des Zentrums ein, darunter ein Ende der finanziellen Abhängigkeit von Riad. Laut FPÖ könne man das Zentrum nicht einfach schließen, da es an zwei internationale Abkommen gebunden sei.

Info-DIREKT-Abo-Anzeige, Ausgabe 26: Visionen für Europa