Gelbwesten: Regierungsgebäude gestürmt, Macron verschärft den Ton!

Demo der Gelbwesten in Belfort Thomas Bresson [CC BY 4.0]; Emmanuel Macron EU2017EE Estonian Presidency [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons; Bildkomposition von Info-DIREKT

Auch über die Weihnachtsfeiertage und nach dem Neujahrsbeginn gehen die Proteste der Gelbwesten weiter. Sie demonstrieren weiterhin für den Rücktritt von Präsident Macron und ein sozial gerechteres Frankreich. Dabei nahm die Bewegung nicht nur zahlenmäßig wieder zu, sondern sorgte auch für revolutionäre Szenen. Die überwiegend friedlichen Proteste waren nur vereinzelt von Gewalt überschattet. Präsident Macron antwortete abermals mit überschießender Gewalt und Repression.

Von Alexander Markovics

Mindestens 25.000 Menschen auf den Straßen, „Wenn du nicht freiwillig gehst Macron, kommen wir dich holen!“

Nachdem die Proteste der Gelbwesten um Weihnachten herum etwas abgeflaut waren, nahmen sie vergangenen Samstag im neuen Jahr 2019 wieder an Fahrt auf. Mindestens 25.000 Menschen protestierten laut Regierungsangaben weitestgehend friedlich auf die Straßen. So konnte etwa ein Rettungswagen die Menge der Demonstranten ohne Widerstand durchfahren:

Als Gelbwesten hingegen versuchten in das Unterhaus des Französischen Parlaments einzudringen, wurden sie von der Polizei angegriffen. Macrons Schlägertruppen, insbesondere die Sonderpolizeieinheit CRS setzen abermals mit ihren Angriffen auf friedliche Demonstranten die Gewaltspirale in Gang. In Paris nahm die Polizei 103 Menschen fest.

Gelbwesten stürmten Gebäude des Regierungssprechers mit Bagger

Am vergangenen Samstag brach eine Gruppe von Gelbwesten mit einem Gabelstapler in das Gebäude des Regierungssprechers Benjamin Griveaux ein. Der Regierungssprecher konnte rechtzeitig evakuiert werden. Diese Szenen, welche auch für französische Verhältnisse außergewöhnlich sind, zeigen, dass die Proteste langsam eine revolutionäre Dynamik entwickeln.

Gelbwestenführer während Trauerkundgebung für ermordete Gelbwesten festgenommen

Eine der Führungsfiguren der Gelbwesten, Eric Drouet, wurde am Samstag zum zweiten Mal festgenommen, als er eine Trauerkundgebung für die mittlerweile zehn Toten abzuhalten, welche im Zuge der Proteste durch Polizeigewalt oder Umfälle umgekommen sind. Drouet wurde die Teilnahme und Organisation an einer illegalen Versammlung vorgeworfen. Dies entspricht der neuesten Strategie von Präsident Macron, der nach ersten Zugeständnissen nun die Proteste als „illegitim“ bezeichnet. Damit verschärft die französische Regierung nach zwei Krisenmonaten den Ton gegenüber den Gelbwesten.

Boxer verteidigte Demonstranten gegen Sondereinheiten der Polizei

Im Internet sorgten Aufnahmen von einem französischen Profiboxer für Aufsehen, der über eine Absperrung sprang und bedrängten Demonstranten zur Hilfe kam, welche von der Sonderpolizeieinheit CRS mit Tränengas und Schlagstöcken angegriffen wurden, als sie versuchten die  Leopold-Sédar-Senghor Brücke zu überqueren. Dem als Christophe Dettinger identitfizierte Boxer wurde von der französischen Polizei via Twitter mit rechtlichen Folgen gedroht, während er von den Gelbwesten mit Verweis auf die bisherige Polizeigewalt als Held gefeiert wurde.

Mehr als 1000 Gelbwesten blockierten Autobahn nach Lyon

Während der Proteste am vergangenen Samstag wendeten die Gelbwesten auch wieder ihre Blockadetaktik an. Dabei wurde die Autobahn A7 im Zentrum von Lyon von über 1000 Gelbwesten blockiert. Die Blockaden dienen den Gelbwesten als Mittel um den Alltag in Frankreich zu unterbrechen und Autofahrer auf ihr Protestanliegen aufmerksam zu machen.

Proteste vor Rothschildbank für den 09.01. angekündigt

Für den 09.01. hat die globalisierungskritische Volksbewegung Proteste vor der Bank de Rothschild in Paris angekündigt. Die Rothschildbank gilt als einer der Verursacher für die gigantische Staatsschuld von 97% des BIP (Stand 2017), da der ehemalige Rothschildbanker George Pompidou 1973 ein Gesetz durch das Parlament brachte, welches es dem französischen Staat verbot verbilligte Kredite bei der Französischen Staatsbank zu nehmen.

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