Robert Menasse: Die „Wahrheit“ des Alpen-Relotius

Wer kennt im deutschen Sprachraum nicht Robert Menasse! Kurz vor Weihnachten fiel er erneut durch einen Skandal auf. Seine Elaborate sind in den führenden etablierten Gazetten – von FAZ über Standard bis NZZ – zu lesen. Er fühlt sich als Intellektueller und poltert, wo es nur geht, gegen rechte, konservative und allgemein nationalstaatliche Tendenzen.

Von Martin Pfeiffer

Vom Aktionismus zum Spiel mit der Wahrheit

Zuletzt geisterte er im November durch die Medien, nachdem er exakt ein Jahrhundert nach der Ausrufung der deutschen Republik durch Philipp Scheidemann in Berlin zusammen mit der EU-Träumerin Ulrike Guérot dazu aufgerufen hatte, die „Republik Europa“ auszurufen. Für diese clowneske Vorstellung erntete er bei Otto Normalverbraucher nur Kopfschütteln bzw. Gelächter. Selbst Merkels Staatsminister für Europa, Michael Roth (SPD), winkte ob dieser Spinnerei mit der Begründung ab, es würde Menschen Angst machen, ihnen den Nationalstaat wegzunehmen.

Robert Menasse, der Alpen-Relotius

Soviel Realitätssinn hätte man einem roten Staatsminister eigentlich kaum zugetraut! Und das kongeniale Duo Guérot/Menasse? Anscheinend basteln sie sich nach eigenem Gutdünken die Realität so zurecht, wie sie sie gern haben wollen. Denn nun wurde bekannt, dass Menasse, der seit vielen Jahren zur Überwindung der Nationalstaaten aufruft, im Jahre 2013 in einem Artikel für die FAZ mit Zitaten um sich warf, welche frei erfunden waren. Konkret ging es um Aussprüche des ersten EWG-Kommissionsvorsitzenden Walter Hallstein (CDU), auf den übrigens die Hallstein-Doktrin zurückgeht. Diesem legte er etwa folgenden Satz in den Mund: „Die Abschaffung der Nation ist die europäische Idee!“ Auch wenn Hallstein die „europäische Idee“ vorantreiben wollte, war er es ja, der damals – gesamtdeutsch denkend – andere Staaten vor einer Anerkennung der „DDR“ warnte und andernfalls via Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die BRD sanktionieren ließ.

Stehen Robert Menasse und Ulrike Guérot über der Wahrheit?

An besagtem FAZ-Gastbeitrag Menasses hatte auch Ulrike Guérot mitgewirkt, die als Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems herumwurschtelt. Als man den Gschichtldrucker auf das frei erfundene Zitat hinwies, antwortete dieser in der ihm typischen Hybris: „Die Quelle ist korrekt. Der Sinn ist korrekt. Die Wahrheit ist belegbar. Die These ist fruchtbar. Was fehlt, ist das Geringste: das Wortwörtliche.“ Mit dem fiktiven Hallstein-Zitat wollte Menasse nur provozieren, erklärte er anmaßend, und zwar indem er „eine Autorität zu meinem Kronzeugen erklärt“ hat, „der nichts dagegen gehabt hätte“. Welch Chuzpe, einem Verstorbenen Worte in den Mund zu legen mit der frechen Behauptung, dieser wäre sicher damit einverstanden gewesen. Die Bürger der EU werden im Mai diesen grenzenlosen Träumern ihre Flausen gründlich austreiben! Der Nationalstaat ist keineswegs obsolet oder gar am Ende. Im Gegenteil! Ein Blick nach (Süd-) Osteuropa beweist dies eindrucksvoll.

Über den Autor:

Martin Pfeiffer ist promovierter Jurist und Publizist. Nach redaktioneller Tätigkeit bei der Wiener Wochenzeitung „Zur Zeit“ (1999–2003) wechselte er in die Schriftleitung des Grazer Monatsmagazins „Die Aula“, das er bis zur Einstellung im Juni 2018 gestaltete, und wurde 2004 auch Geschäftsführer des Aula-Verlages. Er ist Obmann des „Kulturwerks Österreich“ und tritt als Redner im gesamten deutschsprachigen Raum sowie als Buchautor auf. Martin Pfeiffers „Querschläger“-Kolumne erscheint wöchentlich auf www.info-direkt.eu und im Printmagazin Info-DIREKT.

 

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