Die neue Kubakrise: Putin, Trump und Venezuela

Vladimir Putin Kremlin.ru [CC BY 3.0 oder CC BY 4.0]; Venezolanische Fahne Zscout370 [Public domain], via Wikimedia Commons; TU-160 Mil.ru [CC BY 4.0]; Bildkomposition von Info-DIREKT

Während die meisten Europäer mit bangen Augen in die Ukraine und den Nahen Osten blicken, braut sich ein anderer Konflikt in der westlichen Hemissphäre zusammen. Das sozialistische, erdöproduzierende Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Während die USA Präsident Maduro die Legitimation absprechen und laut über einen Regimechange nachdenken, leistet Russland Wirtschaftshilfe und errichtet einen Luftwaffenstützpunkt im südamerikanischen Land. Droht eine „neue Kubakrise“?

Von Alexander Markovics

Venezuela – ein Land in der Krise

Im Jahr 2018 erlebte Venezuela eine der höchsten Inflationsraten der Geschichte mit 1,300.000%. Westliche Medien berichteten vor allem über die Fluchtbewegungen aus dem Land aufgrund der katastrophalen Wirtschaftsentwicklung, zahlreiche rechte Medien nahmen das Land als Beispiel dafür her, warum eine sozialistische Wirtschaftspolitik nicht funktionieren kann. Dass dies auch daran liegt, dass Venezuela unter starken Sanktionen der USA leidet, weil es sich nicht den außenpolitischen Vorstellungen Trumps fügt, bleibt meistens unerwähnt. Ebenso die rießigen Erdölvorräte des Landes.

Teil der „Achse des Bösens“ wird jetzt von Russland unterstützt

Doch ähnlich wie im Fall Syriens, bekommt das vom Westen und der NATO angefeindete Land Unterstützung von Putins Russland. Neben Milliardenkrediten will Putin das Land auch mit konkreten wirtschaftlichen Maßnahmen unterstützen. Mittels eines Grundeinkommens für venezolanische Haushalte, einem Ende des Deficitspending in der venezolanischen Wirtschaft, indirekten statt direkten Steuern, sowie einer Erhöhung der Ölproduktion und Diversifizierung der Exportwirtschaft wollen russische Experten das Land wieder auf Vordermann bringen. Damit wird Venezuela zum zweiten Verbündeten Russlands in Lateinamerika neben Kuba.

Russische Bomber in Venezuela: Das Ende der Monroedoktrin

Doch am interessantesten ist die Tatsache, dass Russland zwei atombombenfähige Langstreckenbomber in das Land geschickt hat und dort eine Luftwaffenbasis aufbaut. Damit hat Russland einen Armeestützpunkt direkt in Nähe der USA und kann nun adäquat auf die Einkreisung seines Staatsgebietes durch die USA reagieren. Geopolitisch bahnt sich also eine neue Kubakrise an.

Ein geopolitisches Erdbeben

Mit dem russischen Stützpunkt in Lateinamerika findet ein geopolitisches Erdbeben statt. Die Monroedoktrin, welche fremden Mächten die Stationierung von Truppen im „Hinterhof“ der USA verbot, wird damit hinfällig. Dies bedeutet auch für Lateinamerika, dass sich ein Fenster zur eigenen Unabhängigkeit öffnet. Putins Schachzug führt die Ohnmacht der USA vor Augen, die in Hinblick darauf nicht Russland mit Krieg drohen, sondern lediglich einen Regimechange in Venezuela zur Entmachtung Maduros durchführen wollen.

Putin als Anwalt der kommenden Multipolaren Welt – eine Chance für Europa!

Mit der Unterstützung für Venezuela gibt sich Putin so wie im Fall Syriens abermals als Anwalt der entstehenden Multipolaren Welt zu erkennen. Natürlich fließen hier auch russische Interessen in der Konkurrenz mit den USA mit ein, doch eröffnet diese Unterstützung den lateinamerikanischen Staaten, welche sich wie Mexiko und Bolivien mit Venezuela solidarisch erklären, sich langsam aus der Macht des ehemaligen Welthegemon USA zu lösen. Auch wir Europäer könnten diese Chance nützen um uns dem Griff der USA zu lösen – jetzt brauchen wir nur Politiker, die auch uns von Amerika unabhängig machen wollen!

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