Auch Angela Merkel  jetzt gegen Maduro

Machtkampf in Venezuela

Treffen Putins mit Maduro http://en.kremlin.ru/catalog/persons/354/events/50227/photos/41554; Fahne Venezuelas Zscout370 [Public domain], via Wikimedia Commons; Bildkomposition von Info-DIREKT

Wie geht es weiter mit Venezuela und Maduro? Merkel ist plötzlich gegen ihn. Das ist ein schlechtes Zeichen für Maduro, denn sie ist die größte Opportunistin überhaupt und spürt meistens schnell, auf wessen Seite sie sich stellen muss, um bei den Gewinnern sein zu können.

Von Wolfgang Bendel

Venezuela: Politische Krise aufgrund wirtschaftlicher Krise

Das war jetzt nicht unbedingt ironisch gemeint, denn die Zeiten des linken Präsidenten Venezuelas scheinen tatsächlich gezählt zu sein. Seine Bilanz jedenfalls ist verheerend. Drei Millionen Venezolaner, also circa 10 Prozent der Bevölkerung flüchteten bereits aus dem Land, um der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Misere zu entgehen. Es ist von tausenden außergerichtlichen Hinrichtungen die Rede, Oppositionelle sitzen im Gefängnis, darunter auch der deutsche Journalist Billy Six, es mangelt an Lebensmitteln, Medikamenten und die Tiere in den Zoos verhungern oder werden von den verzweifelten Menschen als Nahrung benutzt. Dazu kommt eine astronomisch hohe Inflation und ein BSP, das allein 2017 um fast 14% zurückging. Eine Studie ergab, dass im selben Jahr die Bevölkerung im Schnitt 11kg an Körpergewicht verlor aufgrund mangelnder Versorgung mit Nahrungsmitteln. 2018 verschlimmerte sich die Entwicklung weiter.

Die USA wollen aus geopolitischen Interessen heraus putschen

Angesichts dieser Fakten kommt es nicht überraschend, dass sich schon lange massiver Widerstand regt, der jetzt darin gipfelte, dass der Präsident der Nationalversammlung sich zum Präsidenten erklärte. Er wurde sofort von Ländern wie den USA, Brasilien, Chile und Argentinien anerkannt. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass das Eingreifen der USA keineswegs menschenfreundliche Hintergründe hat. Die Motive sind eindeutig geopolitischer Art. Hinzu kommen die riesigen Ölvorkommen des Landes, die die westliche Vormacht natürlich auch in Zukunft kontrollieren will. Dass hier vitale US-amerikanische Interessen auf dem Spiel stehen, beweist dass nicht nur Trump, sondern bereits Obama massiv Druck auf das Land ausübte und Sanktionen einleitete. Diese Maßnahmen verschärften natürlich die wirtschaftliche Situation in Venezuela, eine Entwicklung, die seitens der USA selbstverständlich erwünscht war. Anderslautende humanitäre Floskeln von dieser Seite kann man sich also gerne sparen.

Probleme Venezuelas nicht alleine durch USA verursacht

Trotzdem sollte man es sich nicht gar so einfach machen und alle Schuld bei den USA suchen. Die eingangs erwähnten Probleme sind weitgehend hausgemacht und Konsequenzen einer Politik, bei der die herrschende Machtelite mit Maduro an der Spitze sich hauptsächlich um die Interessen der eigenen Klientel und kaum um das Gemeinwohl kümmerte.

Russland und China unterstützen Venezuela

Zwei andere Großmächte unterstützen Maduro. Noch muss man hinzufügen. Bei Russland sind es eher geostrategische Gründe, bei China handfeste wirtschaftliche Interessen. Das südamerikanische Land schuldet den Asiaten über 20 Milliarden Dollar, die bei einem Sturz Maduros verloren zu gehen drohen.

Abschließend kann ich jedem, egal ob links oder rechts, nur dringend raten, bei der Unterstützung Maduros Zurückhaltung zu üben. Seine letzte Basis ist das Militär und sobald diese wegbricht, wird Maduro Geschichte sein. Die Venezolaner werden sich danach noch lange erinnern, wer zumindest die Mitschuld daran trug, dass sie über Jahre in Armut und Elend leben mussten.

Über den Autor

Wolfgang Bendel, stammt ursprünglich aus dem oberbayrischen Traunstein und hat Pharmazie studiert. Seine zwei großen Interessensgebiete sind Lateinamerika und Politik. Er hat in diesem Zusammenhang bereits im „Regin-Verlag“ veröffentlicht. Bendel lebt und arbeitet gemeinsam mit seiner Frau überwiegend in Brasilien. In der Info-DIREKT-Printausgabe Nummer 24 finden Sie eine Besprechung seines jüngsten Buches „Aristokratie – Eine Streitschrift“, das Sie für 15 Euro beim „Jungeuropa Verlag“ bestellen können.

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