Strache-Video: Ein illegaler „Charaktertest“ und zahlreiche Versuchungen

HC Strache-Video, Ibiza
Bild HC Strache: Info-DIREKT

Ein vermeintlich millionenschweres Angebot, das einem zu mehr Einfluss und Macht verhilft, wirkt wohl auf die meisten Politiker unwiderstehlich. Journalisten und „Experten“ sollten deswegen aber nicht gleich den ersten Stein werfen. In Sachen „Strache-Video“ haben sie selbst eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie für eine „gute Geschichte“ und ein paar Klicks jegliche journalistische Ethik über Bord werfen. Vielleicht sollten wir uns alle die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ zu Herzen nehmen und zu aller erst vor unseren eigenen Türen kehren.

Ein Kommentar von Michael Scharfmüller

Illegaler „Charaktertest“

Das Verhalten von HC Strache und Johann Gudenus ist zu kritisieren. Man sollte die Kirche dabei aber im Dorf lassen. Nur weil die beiden naiv genug waren auf das vermeintliche, millionenschwere Angebot einer „scharfen“ Frau einzusteigen und sich im Schnapsrausch selbst in Ekstase geredet haben, heißt das nicht, dass sie prinzipiell korrupt wären. Fest steht allerdings, dass die beiden einer Art illegalem „Charaktertest“ unterzogen wurden, bei dem sie mit Bomben und Granaten durchgefallen sind. Ob und wie viele dieser Tests sie im Vorfeld bereits unterzogen wurden, ohne es zu bemerken, wissen wir nicht. Wer diesen „Test“ mit hoher krimineller Energie organisiert hat, wissen wir auch noch nicht. Das einzige was wir wissen ist, dass Patrioten immer wieder Fallen gestellt bekommen – auch von Geheimdiensten.

Kein Teil des Establishments

Für globalisierungsfreundliche Parteien mag es üblich sein, dass sie mit großzügigen Wahlkampfspenden bedacht werden (bspw. KTM-Spende an die ÖVP und Haselsteiners Spenden an die NEOS). Auch dass deren Funktionäre Medien führen (siehe bspw. Volksblatt, City-Magazin) und „befreundete“ Banken und Unternehmer an einflussreichen Medien beteiligt sind, scheint nur aufzuregen, wenn das die FPÖ betrifft. Dass rote und grüne Politiker immer wieder lukrative Jobs angeboten bekommen und auch annehmen, scheint mittlerweile auch schon die Regel zu sein (siehe bspw. Ederer, Wehsely, Glawischnig). Als Patriot sollte man sich über solche Verlockungen jedoch nicht zu früh freuen und skeptisch bleiben.

Auch Mainstream-Medien und „Experten“ sollten sich nicht verführen lassen

Die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ sollte auch für jene Medien gelten, die das Strache-Video veröffentlicht haben. Freilich ist die Versuchung so brisantes Material zu veröffentlichen aus zahlreichen Gründen groß. Das Eindringen und Zeigen von Personen in ihrem Privatbereich ist jedoch nicht nur gesetzlich streng verboten, sondern auch moralisch verwerflich. Jeder Mensch hat das Recht auf einen intimen Rückzugsort. Jeder Mensch muss sich gewiss sein können, dass er zumindest in privaten Räumlichkeiten im verschwitzten Unterleiberl herumlaufen kann, ohne dass Bilder davon in fast allen Medien und bei Armin Wolf gezeigt werden. Wenn Medien diese Regeln nicht einhalten, könnten diese kriminellen Methoden bald politischer Alltag werden. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits hier und hier.

Bloßstellung als Ziel

Was nicht heißen soll, dass Medien das Image von Politikern nicht hinterfragen dürfen. Wer sich selbst als Saubermann präsentiert, sollte an sich selbst auch die höchsten Ansprüche stellen. Das gilt nicht nur für Peter Pilz, sondern muss auch für HC Strache und Johann Gudenus gelten. Bei der Veröffentlichung des Strache-Videos ging es jedoch nicht darum die Berichterstattung mit Beweisen zu untermauern, sondern hauptsächlich darum, die beiden freiheitlichen Politiker bloßzustellen. Auf einem Twitter-Account, der der „Rechtsextremismus-Expertin“ Natascha Strobl zugeschrieben wird, heißt es dazu:

Natscha Strobl über HC Strache
Bildschirmfoto vom Twitter-Konto „Natascha Strobl“

Nicht zum Distanzieren verführen lassen

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass manch ehrlicher Patriot, der sich in den letzten Monaten einiges von FPÖ-Funktionären gefallen lassen hat müssen, nun versucht sein könnte sich an den Schmährufen gegen die FPÖ zu beteiligen. Aus meiner Sicht wäre eine solche Trotzreaktion jedoch kontraproduktiv. Ich bin nämlich nach wie vor davon überzeugt, dass alle Patrioten in einem Boot sitzen. Wenn wir uns weiterhin auch gegenseitig bei jeder Gelegenheit in den Rücken fallen, bringt uns das insgesamt nicht weiter. Ein kritischer, aber wohlwollender Umgang miteinander täte uns gut. Dazu wäre es notwendig, dass man, wenn jemand aus dem patriotischen Lager eine Dummheit begeht, oder etwas macht, dem man selbst nicht zustimmen kann, wieder etwas mehr Toleranz an den Tag legt. Bei der FPÖ habe ich diese Toleranz gegenüber anderen Patrioten in den letzten Monaten vermisst. Bleibt zu hoffen, dass sich die FPÖ aufgrund dieses Vorfalles wieder an ihre Wurzeln erinnert und es zukünftig unterlässt über andere Patrioten voreilig zu richten.

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