Lieber Norbert Hofer, zieh Dir diesen Schuh nicht an!

Norbert Hofer sollte sich diesen Schuh nicht anziehen.
Bild Norbert Hofer (FPÖ): Info-DIREKT; Bild Michael Scharfmüller: FR

Norbert Hofer (designierter FPÖ-Partei-Chef) möchte Distanzierungen und Parteiausschlüsse nach medialen Anschüssen möglichst rasch abwickeln können. Dazu wünscht er sich, als zukünftiger Partei-Chef, mehr Macht. Sein Ansinnen ist nachvollziehbar. Dennoch ist zu befürchten, dass es genau das Gegenteil bewirken wird. Hier zwei Gründe dafür:

Kommentar von Michael Scharfmüller

Erstens: Hoher Entscheidungsdruck

Schon bisher hat sich die Partei meist schneller distanziert als es gut gewesen wäre. Erinnert sei hier beispielsweise an die öffentliche Abmahnung von Oberösterreichs Landesrat Wolfgang Klinger durch FPÖ-Oberösterreich-Chef Haimbuchner vergangene Woche. Auch beim sogenannten „Rattengedicht“ zögerte die Parteiführung nicht lange. Damals hatte man den Eindruck, dass sich die Parteispitze schon distanzierte bevor sie das harmlose Gedicht überhaupt gelesen hatte.

Distanzierungen und Parteiausschlüsse müssen gut überlegt sein. Dafür braucht es Zeit und einen kühlen Kopf. Die etablierten Medien werden Norbert Hofer diese Zeit aber nicht geben. Sie werden jedes Mal versuchen ihn sehr rasch zu einer Entscheidung zu drängen. Journalisten wissen, was in der einen Minute ein Skandal ist, ist in der nächsten schon wieder vergessen. Darum sind sie bemüht möglichst rasch ein „Schäuferl“ nachzulegen, um ihre Geschichte am Leben zu erhalten. Deshalb erlaube ich mir jeden Patrioten diesen Satz ans Herz zu legen:

 Wer sich heute distanziert, rührt selbst den Dreck an, mit dem er am nächsten Tag wieder beworfen wird! 

Zweitens: Schlecht fürs Image

Bisher war bei medialen Angriffen auf die FPÖ meist das Problem, dass sich beinahe jeder blaue Dorfkaiser zum aufgebauschten Skandal geäußert hat. Dadurch gelang es den etablierten Medien den Skandal über mehrere Tage am Leben zu erhalten. So gesehen wäre es schlau, dass Norbert Hofer in diesem Bereich die Zuständigkeiten bei sich wissen möchte. Die Sache hat jedoch auch einen Haken: Wenn Norbert Hofer zukünftig für Parteiausschlüsse und Distanzierungen zuständig ist, wird er sich schon bald von Bregenz bis Eisenstadt für jedes wütende Facebook-Posting rechtfertigen müssen.

Von außen betrachtet: zu weich

Daraus ergeben sich zwei weitere Probleme: Erstens, sein Image, als gemäßigter Rechter, der unzufriedene ÖVP-Wähler anspricht, wird darunter leiden. Jeder medialer Angriff wird einen kleinen Fleck auf seinem weißen Hemd hinterlassen. Bis zur nächsten Bundespräsidentenwahl ist er dann mit Dreck zugekleistert, obwohl er sich nie etwas zu Schulden kommen lassen hat.

Von innen betrachtet: zu hart

Zweitens, wird das geschehen, was die Medien jetzt schon fälschlicherweise gerne herbeizuschreiben versuchen: Wenn sich Hofer, in der Hoffnung sein Saubermann-Lächeln zu behalten, zu oft distanziert, wird das für Unruhe bei den ehrenamtlichen Funktionären und der Kernwählerschaft der Partei sorgen. Es mag taktisch durchaus klug sein, wenn Hofer gegenüber den Medien den netten Schwiegersohn mimt, der alle lieb hat. Wenn er dann gegen Menschen aus dem eigenen Umfeld jedoch mit voller Härte vorgeht, wird das für Wirbel in den eigenen Reihen sorgen.

Was also tun?

Eine Möglichkeit um Krisen besser bewältigen zu können, wäre es, ein eigenes Parteigremium dafür zu schaffen, das bei medialen Anschüssen und nach tatsächlichen Fehltritten von Parteimitgliedern zusammentritt und über Handlungsoptionen entscheidet. Dieses Gremium sollte aus verdienten Parteileuten bestehen, denen Norbert Hofer und Herbert Kickl vertrauen, dem sie aber selbst nicht angehören. Wenn dann etablierte Medien wieder einen Skandal hochkochen wollen und deshalb unzählige FPÖ-Funktionäre mit Anfragen bombardieren, müssten diese jedes Mal nur antworten:

„Darüber entscheidet das Parteigremium ‚xy‘. Ansonsten gebe ich dazu keinen Kommentar ab.“

Die Einrichtung eines solchen Gremiums würde der Parteispitze mehr Bewegungsfreiheit und Zeit verschaffen. Norbert Hofer könnte gegenüber den Medien beteuern, dass er als Chef zwar für vieles verantwortlich, aber trotzdem nicht für alles zuständig sei.

Aussitzen statt distanzieren

Ein angenehmer Nebeneffekt hätte dieses Gremium noch: Die hysterische Aufregung mancher Journalisten verfliegt meist nach den ersten Stunden wieder. Bis das Parteigremium zur Entscheidungsfindung zusammentrifft, wird oft schon der nächste Skandal durch das mediale Dorf getrieben werden.

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