Info-DIREKT Interview mit ÖVP-Nationalrat aus Oberösterreich:

Pöttinger (ÖVP): „Es war natürlich eine Forderung, dass man ohne Kickl weitermacht!“

Laurenz Pöttinger (ÖVP): „Es war natürlich eine Forderung, dass man ohne Kickl weitermacht!“
Bild Laurenz Pöttinger (ÖVP-Nationalratsabgeordneter): Info-DIRIEKT

Info-DIREKT wollte mit ÖVP-Nationalratsabgeordneten Laurenz Pöttinger eigentlich ein kurzes Interview über die hohen Belastaungen für Unternehmer führen. Daraus hat sich jedoch sehr rasch ein interessantes Gespräch über die Gründe für die Auflösung der türkis-blauen-Regierung ergeben.  

Info-DIREKT: Herr Pöttinger, Sie haben vorhin in Ihrer Rede [Anm. Eröffung einer Gewerbeschau) gesagt, dass die Abgabenlast gesenkt werden soll, weil diese für Unternehmer zu hoch sei. Diese Ankündigungen hören wir vor jeder Wahl …

Laurenz Pöttinger: Nein, die Abgabenquote insgesamt soll gesenkt werden. Im Prinzip wissen wir, dass wir bei 43 Prozent liegen. International gesehen ist das zu hoch. Das sehen wir genau am Ranking, das lässt sich genau nachvollziehen. Darum wäre mein Wunsch, dass wir unter 40 Prozent kommen.

Info-DIREKT: Der Verwaltungsaufwand, den Unternehmer haben, ist enorm aufwändig. Wie kann man diese unproduktive Tätigkeit beschränken?

Pöttinger: Es sind sehr viele Regulierungsschritte eingeläutet worden, damit man diese ganzen Gesetze, diese ganzen Vorschriften durchforstet. Da sind wir erst am Anfang.

Info-DIREKT: Da ist Ibizia dazwischen gekommen, oder wie?

Pöttinger: Ja, da ist Ibizia dazwischen gekommen. Das hat sich keiner gewünscht. Das ist so passiert. Das hat keiner vorhersehen können. Ich glaube, dass in den letzten zwei Jahren hervoragende Arbeit geleistet wurde. Dieser Weg muss einfach weitergehen.

Es ist eigentlich nie gestritten worden. Es ist gearbeitet worden. Es …

Info-DIREKT: Aber warum hat man die Regierung dann aufgelöst?

Pöttinger: Wenn solche Geschichten passieren, dann wird es ganz eng …

Info-DIREKT: Die Köpfe, die an Ibiza beteiligt waren, sind ja gefallen.

Pöttinger: Völlig richtig, ja.

Info-DIREKT: Dann hätte man die Regierung ja weiterführen können?

Pöttinger: Das stimmt. Da haben Sie völlig recht.

Die Entscheidung zu treffen, machen wir jetzt weiter oder wie tun wir, da habe ich bei der Basis gespürt, dass eine große Unruhe war.

Info-DIREKT: An welcher Basis?

Pöttinger: In den Gemeinden …

Info-DIREKT: Meinen Sie die FPÖ- oder ÖVP-Basis?

Pöttinger: Hauptsächlich die ÖVP-Basis. Es war eine große Unruhe und auch in der Bevölkerung ist Verunsicherung eingetreten und darum hat es für Sebastian Kurz diese Entscheidung auch gegeben. Genug ist genug.

Info-DIREKT: Wenn wir jetzt nach der Wahl wieder eine ÖVP-FPÖ-Regierung bekommen, werden sich viele fragen, für was sind wir jetzt eigentlich wählen gegangen?

Pöttinger: Völlig richtig, das stimmt.

Info-DIREKT: Sebastian Kurz sagt ja, er würde den Weg gerne weiterführen – auch in Sachen Migration. Das wird mit den Grünen nicht gehen, oder schon?

Pöttinger: Es war natürlich eine Forderung da, dass man ohne Kickl weitermacht – das wissen eh alle, das ist kein Geheimnis. Nachdem das so aber nicht funktioniert hat, haben wir gesehen, dass da Schwierigkeiten enstehen. Mit Kickl in der Position als Minister wird es diese Koalition nicht mehr geben.

Info-DIREKT: Vielen Dank für die klaren Worte!

Pöttinger: Gerne.

Laurenz Pöttinger

Laurenz Pöttinger ist 1964 in Grieskirchen (Oberösterreich) geboren. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Der Kunstschmied-Meister ist seit 1992 selbstständig. Gemeinsam mit einigen anderen gründete Pöttinger 2007 in Grieskrichen die „Galerie Schloss Parz". Von 2010 bis 2019 war er Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer in Grieskirchen. 2019 rückte er für Angelika Winzig (hier ein Info-DIREKT-Interview mit ihr) in den Nationalrat nach. Obwohl Pöttinger die Zusammenarbeit zwischen ÖVP und FPÖ im Interview ausdrücklich lobt, wünscht er sich – laut OÖN – eine schwarz-grün-pinke Koalition.

Anmerkung 1: Info-DIREKT lässt grundsätzlich Interviews nur autorisieren, wenn dies von unserem Gesprächspartner ausdrücklich gewünscht wird. Pöttinger hat diesbezüglich keine Wünsche geäußert. Eine kurze Audio-Datei zu diesem Interview finden Sie am Info-DIREKT Telegram-Kanal.

Anmerkung 2: Info-DIREKT spricht mit Politikern aller Parteien. Neben einigen Interviews und Stellungnahmen von Vertretern der Volkspartei (WinzigKurzSigl, WögingerFederspielerAchammerKompatscher) haben wir auch schon Interviews und Stellungnahmen von SPÖlern abgedruckt (DornauerFechterKrist). Auch kleineren Parteien ermöglichen wir ihre Ansichten weiterzuverbreiten (NEOSListe Pilz und deren nunmehrigen Kandidaten Martin Balluch). Selbstverständlich haben wir auch gute Kontakte nach Südtirol und die BRD. In unserem aktuellen Printmagazin finden Sie beispielsweise Interviews mit den den beiden AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst und Petr Bystron. Besonders lesenswert ist auch unser vierseitiges Interview mit Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) in der aktuellen Ausgabe. Wenn Sie sich mehr frischen Wind für die einseitige Medienlandschaft wünschen, freuen wir uns, wenn Sie Info-DIREKT mit einem Abo (ab nur € 38,50 im Jahr) unterstützen wollen!