Volkmarsen, Haunau und die widerliche Lust sich zu erregen

Volkmarsen, Haunau und die widerliche Lust sich zu erregen
Bild: Von Edvard Munch - Eigenes Werk, Gemeinfrei, Link; bearbeitet durch Info-DIREKT

Nach schrecklichen Ereignissen suchen Menschen nach Erklärungen. Wir alle möchten Informationen dazu haben, wie so etwas Schreckliches passieren konnte – nicht nur aus Neugier, sondern vor allem auch, um uns möglichst rasch wieder sicher zu fühlen.

Ein Kommentar von Michael Scharfmüller

In Deutschland ist die – hauptsächlich von etablierten Medien und Politik betriebene – Spaltung der Gesellschaft mittlerweile so weit fortgeschritten, dass noch ein dritter Grund dazukommt: Die widerliche Lust sich zu erregen.

Hysterische Gesellschaft

Spätestens seit der Thüringen-Wahl hat Deutschland jegliches Maß an Vernunft über Bord geschmissen. Die Reaktionen darauf, dass sich die AfD erlaubt hatte bei der Ministerpräsidenten-Wahl einen Kandidaten der FDP zu wählen, waren derart überzogen, dass spätestens seitdem die Stimmung am Siedepunkt ist.

Die Amokfahrt in Hanau war dann Öl ins Feuer einer Diskussion, die längst nur noch nach emotionalen Gesichtspunkten geführt wurde. Was ist bloß aus dem Volk der Dichter und Denker geworden?

Sich aufregen, ärgern und empören als liebstes Hobby

Aus meiner Sicht hat das Kleinreden von Migrationsproblemen und der völlig irrationale „Kampf gegen rechts“ dazu geführt, dass Menschen, die sich für Politik interessieren, in einem dauererregten Zustand sind. Schlimmer noch: Gerade wenn man regelmäßig auf Twitter ist, bekommt man das Gefühl, dass einige Personen nur darauf warten, dass wieder irgendetwas passiert, damit ihr emotionaler Erregungszustand nicht abschwellt.

Die Gier nach Information hat dabei wenig mit tatsächlichem Interesse an Hintergründen zu tun. Es ist eher ein ungeduldiges Warten darauf, die längst befüllten Schmutzkübeln über den im Vorhinein feststehenden politischen Gegner zu entleeren. Dazu kommt die Angst davor, dass die eigene Erregung abkühlen könnte, wenn man einmal tief durchatmet.

Hetzende Haltungsjournalisten

Damit meine ich nicht nur die teilweise unsachlichen Postings in den sozialen Medien, sondern vor allem auch die zahlreichen Kommentare von etablierten Journalisten und Politikern, die die Stimmung weiter aufheizen und die gesellschaftliche Spaltung vorantreiben.

Den Höhepunkt der Geschmacklosigkeiten lieferten die Haltungsjournalisten der „Bild“, die in einer Schlagzeile das Geräusch wiedergaben, das entsteht, wenn ein Auto Menschen überfährt.

Abowerbung, Ausgabe 32