Corona-Krise: Regierung reagierte falsch und zu spät

Corona-Krise: Regierung reagierte falsch und zu spät
Bild: Rudi Anschober (mitte) von Bernhard Holub, CC BY-SA 4.0, Sebastian Kurz (links): Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, CC BY-SA 2.0, Karl Nehammer (rechts): Bundesministerium für Finanzen, CC BY 2.0, Hintergrund: Freepik; Komposition: Info-DIREKT

Ein Dermatologe, der Ordinationen in Wien und in Italien führt, ging im Boulevardblatt heute mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Alle bisherigen Maßnahmen seien lächerlich und fahrlässig. Es gibt viele Gründe, weshalb man Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) und die Regierung statt Lobeshymnen mit Kritik konfrontieren sollte.

Ein Kommentar von Michael Mayrhofer

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Erste Fälle der neuen Corona-Epidemie wurden im Dezember bekannt. Damals traten sie im weit entfernten China auf. In Österreich machte man erst einmal nichts. Vielmehr betonten Anschober aber auch Bundeskanzler Kurz, dass Österreich ja noch nicht betroffen wäre. Es gäbe keinen Grund zur Panik, hieß es noch am 24. Februar. Man wäre auf alle Szenarien gut vorbereitet. Zeitgleich ließ sich Innenminister Nehammer dafür feiern, 27 Tonnen medizinisches Material ins chinesische Wuhan geschickt zu haben. Darunter waren Atemschutzmasken, medizinische Handschuhe, Schutzbrillen und Desinfektionsmittel. Alles Güter, die in den darauffolgenden Tagen in Österreich Mangelware wurden.

Keine rechtzeitige Grenzschließung

Aus Pandemie-Planspielen wissen eigentlich alle einigermaßen fortschrittlichen Regierungen der Welt, dass zwei Sofortmaßnahmen entscheidend sind: „Kranke isolieren, Grenzen schließen„. Damit ist selbstverständlich auch die Schließung aller Flughäfen gemeint. Dieses Wissen zählt zur Allgemeinbildung. Nur bei Herrn Anschober dürfte es entweder nie angekommen sein oder es wurde fahrlässig ignoriert. Anstelle die notwendigen Maßnahmen im Sinne der österreichischen Bevölkerung zu setzen gab es ideologische Platitüden, wie

Man könne keinen Glassturz über Österreich errichten“

Am 27. Februar erklärte Anschober:

„Viren sind nicht von Grenzbalken zu beeindrucken“

Der Hintergrund ist freilich das sklavische Festhalten am Schengen-Abkommen auch im Katastrophenfall. Offenbar ist der Türkis-Grünen Regierung ihr Ansehen in Brüssel wichtiger als das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung.

Wo ist die Vorbereitung in den Krankenhäusern

Für die Öffentlichkeit entstand das Bild, man wolle die Krise in typisch österreichischen Manier aussitzen. Vielleicht ginge das Problem an uns vorüber, wenn man nur lange genug tatenlos zuwarten würde. So erklärte das dynamische Duo Anschober und Nehammer, dass man die Situation „sehr genau beobachten“ würde. Tatsächlich hätte man aber auch dafür sorgen können, dass oben erwähntes medizinisches Material nicht ins Ausland geschickt, sondern in ausreichender  Zahl den inländischen Krankenhäusern zur Verfügung gestellt wird. Auch der Nachschub des Materials hätte rechtzeitig gesichert werden können, aktuell leiden unsere Krankenanstalten unter einem Mangel, weil Deutschland ein Ausfuhrverbot verhängt hat. Am Beispiel des Auslands hätte man analysieren können, welche Therapiemaßnahmen am Erfolgversprechendsten sind und auch hier Vorsorge treffen können. Mittlerweile klingen die Aussagen aus der Regierungsmannschaft nach Resignation. Das Virus? Nun ist es halt da.

Erfolgreiche Länder setzten auf großflächige Tests – und wir?

Verschiedene asiatische Länder waren zwar früh betroffen, konnten die Ausbreitung aber rasch unter Kontrolle bekommen. Man setzte nicht nur auf Isolation sondern auf rigorose Tests. Das ist ein großer Unterschied zu Österreich. Aus den vergangenen Wochen sind viele Fälle bekannt, wo Menschen verzweifelt um Tests baten, die ihnen aber nicht genehmigt wurden. Es scheinen für Tests auch kaum Kapazitäten zur Verfügung zu stehen. Aus Oberösterreich wurde gemeldet, dass ausschließlich im Krankenhaus Wels getestet würde. Ein Test dauert 4 Stunden, an zwei Terminen pro Tag werden Befunde herausgegeben. Ganz Wien soll eine Kapaziät für etwa 1.000 Tests pro Tag aufweisen. Diese Angaben sind nicht gegengeprüft, stammen aber aus medizinischen Quellen. Insgesamt bedeutet dies, dass Österreich im Blindflug gesteuert wurde. Man hatte den Eindruck, dass viele Stellen gar nicht wissen wollten, wie viele Menschen bereits infiziert sind. Mittlerweile ist es natürlich zu spät, zahlreiche Träger des Erregers geben diesen immer weiter.

In der FPÖ wird die Performance von Rudolf Anschober scheinbar unterschiedlich bewertet. Während der Tiroler Parteichef Abwerzger am Dienstag noch voll des Lobes für den Grünen Gesundheitsministers war, sieht Parteichef Norbert Hofer die Dinge anders.

FPÖ-Chef Hofer über Anschober: Fahrlässig, katastsrophal

Ganz im Gegenteil zu Abwerzger erklärte Norbert Hofer bereits am 24. Februar, dass es fahrlässig sei, an den Grenzen keine Maßnahmen zu setzen. „In Medien lasse sich Anschober – wie zuletzt in der ORF-Sendung „Frühstück bei mir“ – gerne als cooler Krisenmanager abfeiern. Die Lage im Griff habe er allerdings nicht“, so Hofer in einer Presseaussendung Anfang März. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärte der FPÖ-Chef, weshalb beim mangelhaften Krisenmanagement der Bundesregierung viel Zeit verloren wurde. Zugunsten ideologischer Überlegungen schrecke man davor zurück, die Grenzen abzuriegeln. Heute wies Hofer darauf hin, dass aufgrund Anschobers katastrophalen Krisenmanagements nun auch die 24-Stunden-Pflege in ernsthafter Gefahr wäre:

„Er hat aus ideologischen Gründen in Gutmenschen-Manier ganz Österreich in Gefahr gebracht. Das wird Menschenleben kosten.“

Die geplanten Schulschließungen würden zudem ganz Österreich zum Stillstand bringen.

Kurz vor Redaktionsschluss veröffentlichte die FPÖ noch folgende Video-Zusammenfassung der Ereignisse:

Abowerbung, Ausgabe 32