Bestellte Flaggen, artiges Klatschen: Der große Kanzler kommt

In der Gemeinde Mittelberg wurde anlässlich des Kurz-Besuchs dazu aufgerufen, die Häuserfassaden zu schmücken und zu Jubeln.
Bild: Info-DIREKT; Hintergrund: Christoph Matthias Siebenborn / CC BY-SA; Screenshots: Facebook

Woran erinnert uns das bloß? ER kommt und alles säumt die Straßen, springt, klatscht, jubelt – und die Straßen sind mit Flaggen gesäumt. Das dürfte hierzulande durchaus schon ein paar Jahre her sein, dass einem Kanzler ein solcher Empfang zuteil wurde. Bei der ÖVP ist Inszenierung alles, vielleicht auch alles Inszenierung.

Ein Kommentar von Michael Mayrhofer

Das Politbarometer unseres feschen Superstars, des Traum-Schwiegersohns der Nation, des ewigen Maturanten mit ausgezeichnetem Erfolg ist im Sinkflug. Was könnte der Bevölkerung wohl besser zeigen, dass alle Kritik gar nicht zutrifft und UNSER KANZLER nach wie vor der strahlende Superstar ohne jeglichen Kratzer am Image ist? Eine kleine Inszenierung vielleicht, jubelnde Menschen an den Straßen, ein Fahnenmeer aus Nationalflaggen, dahinter malerisch die Berge. Freilich, der eine oder andere möchte einwenden, dass diese Optik nicht mehr so ganz zum Zeitgeist passt. Auch wenn der patriotisch gesinnte Österreicher einer solchen Symbolik durchaus auch etwas abgewinnen mag.

In dem kleinen Örtchen Mittelberg im wunderschönen Walsertal ist ein Besuch von IHM angesagt worden. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, sogar auf ihrer offiziellen Facebook-Seite zu verkünden, dass „eine Beflaggung der Häuserfassaden“ und „Bekundungen entlang der Walserstraße“ erwünscht wären. Ein Schelm, wer denkt, dass eine ÖVP die Erfüllung solcher Wünsche dem Zufall überließe oder gar nur auf Facebook nachfragen würde. Das Ansinnen erschien nicht nur manchem Internet-Nutzer seltsam sondern sogar einigen Medien, die allerdings um Kalmierung bemüht sind.

Fahnen, Jubel, Kinderzeichnungen

Vergleichen wir mit Deutschland, wo die Kanzlerin schon 2013 wutentbrannt die Nationalflagge von der Bühne warf (siehe Video), bei so manchem Staatsbesuch gleich auf die deutsche Flagge verzichtet wird und mittlerweile offen im Fernsehen gesagt wird, dass man Rechtsradikale an der Verwendung der Flagge erkennt. KURZ mag der Kanzler sein, der die patriotische Bildsprache bedient wie kein anderer, ohne dass die Pressemeute über ihn herfällt. Freilich, die Hand die einen sehr gut füttert, beißt man nicht. Die winzig kleine Flaggen-Aufregung mag den einen oder anderen daran erinnern, dass der Staatsfunk gerade erst Kinder dazu aufgerufen hatte, den LIEBEN KANZLER zu zeichnen.

Vielleicht ruft bald die Merkel an …

Es ist zu vermuten, dass man in so mancher Diktatur vor Neid darüber erblasst was in der kleinen Bananen… pardon Alpenrepublik alles möglich ist. Und vielleicht ruft irgendwann einmal sogar Merkel heimlich bei IHM an und fragt, wie man sein Volk so effizient verkaufen und dennoch seine Beliebtheitswerte hoch halten kann. Übrigens. Es ist alles nur halb so wild. Die Bevölkerung hat nur wieder einmal etwas falsch verstanden – so die Richtigstellung der Gemeinde Mittelberg.

 

Abowerbung, Ausgabe 32