HC Strache: Was ist die FPÖ ohne mich?

Was ist die FPÖ ohne mich?
Bild HC Strache: Info-DIREKT

Für unsere aktuellen Printausgabe hat sich Michael Scharfmüller beim Neujahrsempfang der extra für HC Strache gegründeten Partei „Die Allianz für Österreich“ (DAÖ) umgesehen und dabei einiges Erfahren, das man über die neue Strache-Partei wissen sollte.

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Donnerstag, der 23. Jänner 2020, kurz vor 18 Uhr. Heute will das DAÖ Geschichte schreiben. Vor dem Eingang der Sophiensäle in Wien hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet. Unter den wartenden Gästen ein Info-DIREKT-Abonnent. So wie viele Gespräche an diesem Abend beginnt auch dieses Gespräch verhalten. Man tastet sich gegenseitig ab, was man vom DAÖ, von Strache und von der FPÖ halte. Wobei sich viele meiner Gesprächspartner rasch als eingefleischte HC-Fans entpuppen. So auch der Info-DIREKT-Abonnent, der mir verrät, dass er bereits daran arbeite auch in Oberösterreich eine Strache-Partei zu gründen. Rechts von Haimbuchner sei für ihn als Spitzenkandidat noch viel Platz frei, meint er zuversichtlich.

Mit ca. 600 Besucher wirken die Sophiensäle sehr gut besucht. Bild: Info-DIREKT
Mit ca. 600 Besucher wirken die Sophiensäle sehr gut besucht. Bild: Info-DIREKT

Alles drängt nun in den klassisch-modern wirkenden Saal hinein, der eigentlich fast 1.000 Personen Platz bietet. Durch geschickte Bestuhlung lassen ihn jedoch auch die ca. 600 anwesenden Gäste „ausverkauft“ wirken. Trotz des gut gefüllt wirkenden Saals liegt noch reichlich Anspannung in der Luft. Das ändert sich erst, als HC Strache mit den drei DAÖ-Gründern in den Saal einzieht. Einen wesentlichen Teil zur jetzt hervorragenden Stimmung tragen eine Unzahl von Fotografen, Kameraleuten und Tontechniker bei, die den Stargast des Abends umringen und ihn bis zu seinem Ehrenplatz ganz vorne im Saal begleiten. Dort angekommen will das Blitzlichtgewitter noch immer nicht enden.

DAÖ-Neujahrsempfang
DAÖ-Neujahrsempfang. Bild: Info-DIREKT

Medien setzen Strache in Szene

Während der Moderator die Presseleute bittet sich auf ihre Plätze zu begeben, stehe ich am Rand des Saales und bin beeindruckt von dem Schauspiel, das sich hier eben abgespielt hat. Ich stelle mir vor, welche Wirkung Straches Einzug auf seine Fans gehabt hätte, wenn ihn die Medien nicht so ins Szene gesetzt hätten. Rufe aus dem Publikum wie „Unser HC ist wieder da!“ wären dann vermutlich ausgeblieben.

Berechtigte Kritik an FPÖ

DAÖ-Gründer Karl Baron bei seiner Rede.
DAÖ-Gründer Karl Baron bei seiner Rede. Bild: Info-DIREKT

Nachdem die Medienvertreter ihre Plätze eingenommen haben, geht es im Programm weiter. Die drei Parteigründer, die bei ihrer ersten Pressekonfernz noch ein bedauerliches Bild abgaben, sind auf den heutigen Abend besser vorbereitet. Speziell Karl Baron wirkt auf mich wie ein zwar etwas unbeholfener, aber ehrlicher Kerl. Auf der Bühne spricht er genau jene Punkte an, die bei der FPÖ in letzter Zeit schiefgelaufen sind: das Anbiedern an die ÖVP, die vielen Distanzierungen und das Hinhauen und Nachtreten auf HC Strache durch seine ehemaligen Parteikameraden.

Er ist wieder da

HC Strache in schwarzem Sakko, schwarzem Rollkragen-Pulli und ausgewaschenen Blue-Jeans
HC Strache in schwarzem Sakko, schwarzem Rollkragen-Pulli und ausgewaschenen Blue-Jeans. Bild: Info-DIREKT

Nach ein paar Takten Musik tritt HC Strache in schwarzem Sakko, schwarzem Rollkragen-Pulli und ausgewaschenen Blue-Jeans breitbeinig hinters gläserne Redner-Pult. Bevor er noch ein einziges Wort sagt, jubeln ihm seine unerschütterlichen Anhänger bereits zu.

Ich persönlich war HC Strache nie sonderlich zugeneigt. Deshalb war ich nicht enttäuscht, als er in Ibiza in eine perfekt aufgebaute Falle tappte, und nur mäßig überrascht als der Spesenskandal rund um ihn und seine Frau aufkam. Der Abend ist jedoch perfekt organisiert und so fällt es mir schwer, mich nicht von der Aufbruchsstimmung im Saal anstecken zu lassen.

Bewegung für Österreich

Strache redet davon, dass die Zeit der klassischen Politiker und Parteifunktionäre, die „nur im eigenen Saft kochen“, nun vorbei sei. Es brauche jetzt eine Bewegung für Österreich. Alles, was in der türkis-blauen Regierung gut funktioniert hat, schreibt er sich als Person zu.

„Ich war 14 Jahre die FPÖ!“

Selbstbewusst wie eh und je verkündet er: „Ich war 14 Jahre die FPÖ!“ Um gleich darauf die Frage zu stellen: „Was ist die FPÖ ohne HC Strache?“ Wenig überraschend liefert er auch gleich die Antwort darauf. Die FPÖ sei ein zerstrittener Haufen mit drei Chefs. Mit Hofer, der „seidenweich dahinschwimmt und auf den Knien rutscht“, mit Kickl, der alles übertreibe, und mit Haimbuchner, „der überhaupt am Rockzipfel von Landeshauptmann Stelzer sitzt und eine zweite ÖVP werden will“.

Als Nächstes beantwortet sich Strache die Frage „Wer ist HC Strache ohne FPÖ?“. Seine Antwort darauf: „Ein HC Strache ohne FPÖ ist derselbe HC Strache, wie Ihr ihn seit ewigen Zeiten kennt!“ Und weiter: „Ich bin der gleiche geblieben! Die FPÖ ist heute eine andere.“

Fehlende Selbstreflexion gleicht HC Strache mit reichlich Selbstvertrauen aus.
Fehlende Selbstreflexion gleicht HC Strache mit reichlich Selbstvertrauen aus. Bild: Info-DIREKT

Keine Spur von Selbstreflexion

Im Publikum sorgen diese Ansagen für Jubel. Bei mir sorgen sie für Verwunderung. War es nicht HC Strache, der sich als Sportminister und Vizekanzler darin gefiel jedem gefallen zu wollen und einen wahren Distanzierungsmarathon in seiner Partei auslöste? Jetzt steht er auf der Bühne und beklagt die fehlende Kameradschaft und Treue seiner ehemaligen Partei. Er präsentiert sich als strahlender Ritter, der unter anderen den UN-Migrationspakt verhindert habe. Ob das wirklich ein Verdienst von Strache war oder doch auf das Konto des angeblich „zu radikalen“ Kickl geht, ist unklar. Was jedoch klar ist, ist, dass die FPÖ unter Straches Führung nichts gegen den UN-Flüchtlingspakt unternommen hat und auf EU-Ebene nicht gegen die Mogelpackung „Grundrechte für Menschen afrikanischer Herkunft in Europa“ gestimmt hat. Seine Fans verübeln ihm die einseitige Darstellung seiner Politkarriere freilich nicht. Sie sind heute gekommen um die Auferstehung ihres Idols zu feiern. Sie sind gekommen, weil sie möchten, dass alles noch gut werden kann. HC Strache gibt ihnen diese Hoffnung.

Strache begeistert immer noch

Deshalb herrscht am Ende seiner Rede eine richtige Aufbruchsstimmung. Man merkt, wie die Menschen in freudiger Erregung immer unruhiger werden. Sie möchten endlich aufstehen, klatschen, losjubeln und Selfies mit ihrem HC machen. Vereinzelt hört man jetzt Zwischenrufe wie „HC lebt!“ und „Er ist wieder da!“. Schließlich gibt es kein Halten mehr, der ganze Saal erhebt sich von seinen Plätzen und jubelt. Während ich auch ein Teil der Fotografen-Traube rund um Strache und seine drei Musketiere werde, denke ich mir, dass es Dominik Nepp, der noch relativ unbekannte FPÖ-Spitzenkandidat bei der Wien-Wahl, gegen HC Strache schwer haben wird.

HC Strache sichtlich zufrieden: Er hat es nicht verlernt, seine Fans zu begeistern. Foto: Info-DIREKT
HC Strache sichtlich zufrieden: Er hat es nicht verlernt, seine Fans zu begeistern. Foto: Info-DIREKT

Hohe Erwartungshaltung

Nachdem ich genügend Fotos im Kasten habe, spreche ich mit einigen HC-Fans. Sie glauben, dass die Zeit des Distanzierens nun vorbei und sich Strache zukünftig für IB-Chef Martin Sellner einsetzen werde. Ein großer, kräftiger Mann erklärt mir:

„Wir brauchen jemanden, der vorangeht, der uns antreibt, der Menschen überzeugen kann uns zu wählen und keinen Heiligen!“

Auch eine vom HC-Auftritt noch ganz gerührte Frau zeigt sich in Bezug auf den Spesenskandal großzügig:

„Wer gute Arbeit leistet, soll es sich auch gut gehen lassen können.“

Strache schwer einzuschätzen

Weitaus nüchterner sieht das ein Mann, der zu den Organisatoren des Abends zählt. Er hoffe, dass sich das DAÖ ganz klar rechts von der FPÖ platziere und sich das Verhältnis zur patriotischen Zivilgesellschaft und den patriotischen Medien dann normalisiere. Ob sich das DAÖ auch wirklich in die Richtung entwickeln werde, hänge jedoch von Strache ab, und den könne man zurzeit nur schwer einschätzen.

Der VIP-Bereich der neuen Bewegung

Lange nach seinem Auftritt erzählt HC Strache seinen Fans noch von seiner Unschuld und der Ungerechtigkeit, die ihm wiederfahren sei.
Lange nach seinem Auftritt erzählt HC Strache seinen Fans noch von seiner Unschuld und der Ungerechtigkeit, die ihm wiederfahren sei. Bild: Info-DIREKT

Unter den wenigen Menschen, die sich jetzt, zu fortgeschrittener Stunde, noch im Saal befinden, ist auch HC Strache. Energisch berichtet er einer kleinen Gruppe von seiner Unschuld und der Ungerechtigkeit, die ihm wiederfahren sei. Straches Mitstreiter haben sich zu diesem Zeitpunkt bereits lange einen Stock weiter oben in den VIP-Bereich zurückgezogen …

Zurück in der Realität

Beim Verlassen des Gebäudes fällt mir auf einem gegenüberliegenden Gebäude ein besprühtes Transparent mit der Aufschrift „Clash of Clans“ auf, also jenem Computerspiel, für das HC Strache laut Medienberichten bis zu 3.000 Euro im Monat ausgegeben haben soll. Ich gehe hinüber und frage die jungen Burschen, die dort stehen, ob das eine humorvolle Protestaktion sei. Sie erklären mir, dass sie eine Party feierten, bei der sie dieses Computerspiel gemeinsam spielten. Mit Strache habe das nichts zu tun. Zudem weisen sie mich noch auf ein Bild hin, das sie mit einem Beamer auf die Fassade der Sophiensäle projiziert haben. Es zeigt eine Liveübertragung des Spiels „Clash of Clans“. Die Realität kann so grausam sein …

Die Realität kann so grausam sein: Mit einem Beamer haben Jugendliche eine Liveübertragung des Spiels „Clash of Clans“ auf die Fassade der Sophiensäle projiziert.
Die Realität kann so grausam sein: Mit einem Beamer haben Jugendliche eine Liveübertragung des Spiels „Clash of Clans“ auf die Fassade der Sophiensäle projiziert. Bild: Info-DIREKT

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Abowerbung, Ausgabe 32