Der patente Mr. Blümel – überall dabei, von nichts gewusst

Minister Blümel hat viele Gedächtnislücken. Neben seinem Laptop vergisst er schon mal seine Schuhe.
Bild: Montage Info-DIREKT; Screenshots aus Twitter und Facebook

Minister erwecken hierzulande den Eindruck, Alleskönner zu sein. In jedes Amt, in jedes Ressort kann man sie setzen. Es sind bestimmt die Besten der Besten. Wie unser Gernot Blümel. Der kann EU, Kunst, Kultur, Medien und Finanzen. Und ÖVP, das kann er besonders gut. Oder war da noch was? Aber was?

Ein Kommentar von Michael Mayrhofer

Als Finanzminister vergaß er jüngst sechs Nullen. Kann ja mal passieren. Da wollte er eben auch mal sparen. Warum sollte es groß auffallen, dass an einem Budget mit geplanten Ausgaben von 102.389 Euro irgendetwas seltsam sein könnte. In Wahrheit muss das kleine Hoppala für den studierten Philosophen ganz schön ärgerlich gewesen sein, der ansonsten auf eine saubere Weste und perfektes, betont jugendliches Auftreten großen Wert legt. Bei keinem ÖVP-Skandal der letzten Jahre konnte man ihm eine Beteiligung oder Mitwisserschaft nachweisen.

Überall dabei, von nichts gewusst

Der brisante E-Mail-Leak bestand ja bekanntlich aus Fälschungen, bei den Casinos hatte er mit nichts und niemandem zu tun. Von dubiosen Parteifinanzierungen über Vereine will er nichts wissen. Im „Land der Vereine“ hat man schnell einmal irgendeine Funktion, so Blümel. Er eben auch. Vielleicht ist er ja auch irgendwo Feuerwehrhauptmann, kann ja mal passieren. Auch von Ibiza wusste gewiss niemand etwas im Vorfeld und geschreddert wurden ausschließlich Festplatten von Kopiergeräten, wo bestimmt nichts Interessantes drauf war. Und dann noch dieser völlig irrelevante Umstand, dass eine Million sensible Datensätze teils hochprominenter Österreicher ungeschützt im Netz standen – auch das interessiert zum Glück nach einer Woche niemanden mehr, wenn man die Medien nur ausreichend fördert.

Junger Mann mit Altersdemenz

Dass er unschuldiger als Karl Heinz Grasser ist, konnte Blümel gerade erst beim Ibiza U-Ausschuss unter Beweis stellen. Zu sagenhaften 86 Fragen litt er an plötzlichem Gedächtnisschwund. Eigentlich müsste man einen Arzt befragen, ob in seinem zarten Alter bereits Altersdemenz möglich ist. In jedem Fall aber sollte man hinterfragen, ob jemand dieses Formats in der Lage ist, ein Ministerium zu führen. Aber wahrscheinlich wird man uns hier wieder Neid vorwerfen, schließlich haben wir nicht die Gelegenheit, mit türkisen Socken, unbeschuht, vor dem Parlament aufzutreten. Ist das Kunst oder kann das weg?

Auf welchem Gerät erfolgte „sei Leistung“?

Seit gestern lacht das Netz über den Finanzminister, der sich nach zwei Jahren nicht erinnern konnte, mit einem Laptop gearbeitet zu haben. Dummerweise vergisst das Netz nie – und spuckte nach wenigen Minuten etliche Fotos aus, die das ÖVP Allroundgenie mit Laptop zeigen. Aber natürlich glauben wir gerne, mit so einer Spitzenkraft in besten Händen zu sein. Schließlich arbeitet Herr Blümel hart und effizient – am Handy. Ganz wie sein Parteichef, obwohl böse Zungen schon gefragt haben sollen, ob die Herrschaften vielleicht heimlich gegen HC Strache Clash of Clans spielen.

Und wann vergessen wir Blümel?

Solange Blümel nicht vergisst, dass er willfährig alle Wünsche der ÖVP erfüllt, wird auch diese nicht vergessen, ihn mit lukrativen Ämtern auszustatten. Vorausgesetzt, er vergisst dort im richtigen Moment die richtigen Dinge, wenn es wieder einmal eng wird. Die Hoffnung, dass wir alle ihn bald vergessen mögen, von mir aus auch 86 Mal, dürfte hingegen nicht so schnell Wirklichkeit werden. Schade, eigentlich.

Abowerbung, Ausgabe 32