Anders als in Kärnten: Deshalb fand in Südtirol kein Abwehrkampf statt

Bilder: Postkarte zur Kärntner Volksabstimmung aus dem Jahr 1920; Gemälde "Verlorene Heimat - Südtirol" von Thomas Walch, das erstmals 1920 in München ausgestellt wurde.
Bilder: Postkarte zur Kärntner Volksabstimmung aus dem Jahr 1920; Gemälde "Verlorene Heimat - Südtirol" von Thomas Walch, das erstmals 1920 in München ausgestellt wurde; Bildkomposition: Info-DIREKT

Heute, am 10. Oktober 1920, wird sowohl der erfolgreichen Volksabstimmung in Kärnten als auch der Abtrennung Südtirols von Österreich gedacht. Weshalb es den Kärntner Abwehrkämpfern gelang eine Volksabstimmung herbeizuführen und den Südtirolern nicht, analysiert Südtirol-Experte Helmut Golowitsch in diesem Gastkommentar für Info-DIREKT:

In Südtirol lagen zu Kriegsende andere Verhältnisse vor als in Kärnten, wo auch nach Kriegsende eine eigene Landesverwaltung die Regierungszügel in der Hand behalten konnte. Südtirol war den Italienern von den „Entente“-Mächten 1915 als Belohnung für den Bündnisverrat und den Dolchstoß in den Rücken des bisherigen Verbündeten vertraglich versprochen worden. Als die italienische Armee nach Kriegsende Südtirol bis zum Brenner besetzte und sogar Besatzungstruppen nach Innsbruck entsandte, tat sie dies als Vertretung einer Siegermacht.

Keine eigene Landesverwaltung

Am 29. November 1918 löste die italienische Militärbehörde einen neu gegründeten „Nationalrat für Deutsch-Südtirol“ auf. Die Verwaltung des Landes wurde von dem Militärgouvernement und italienischen Zivilkommissariaten übernommen. Eine eigenständige Tiroler Verwaltung existierte nicht mehr. Die Polizeigewalt wurde durch Carabinieri und Militär ausgeübt.

Jeder bewaffnete Widerstand dagegen wäre als illegitim und Bruch der Waffenstillstandsbestimmungen betrachtet worden. Hätten die Innsbrucker Landesbehörden oder die Regierung in Wien Widerstandshandlungen politisch oder sogar militärisch unterstützt, hätte die „Entente“ darauf wohl mit der Besetzung ganz Österreichs und der Absetzung der Regierung in Wien geantwortet.

Als einzige Möglichkeit des Widerstandes wären somit Sabotagehandlungen und ein verdeckter Partisanenkampf in Frage gekommen. Doch wer hätte ihn führen sollen?

Die entwaffneten Soldaten, einschließlich der Greise und Jugendlichen des „letzten Aufgebotes“ der Standschützen, waren nach dem Waffenstillstand in Massen interniert und in italienische Kriegsgefangenenlager gesteckt worden. Zuhause geblieben waren zumeist nur Frauen und Kinder. Erst nach und nach konnten die Internierten aus den Lagern wieder nach Hause kommen. Die italienische Armee hätte unmittelbar nach ihrem Einmarsch jeglichen gewaltsamen Widerstand ohne große Mühe umgehend blutig ersticken können. In der Folge stand das Land unter ständiger strikter Kontrolle durch Carabinieri, Stadtpolizei und Militär.

Die einzige Möglichkeit

Südtirol wählte daher den Weg des friedlichen Protestes. Nach dem Friedensdiktat von St. Germain versammelten sich am 10. Mai 1920 auf dem Bahnhofsplatz in Meran vor dem Standbild Andreas Hofers laut Bericht der „Bozner Nachrichten“ an die 15.000 Meraner und Burggräfler, um zumindest die Selbstverwaltung Südtirols im Rahmen einer Autonomie einzufordern.

Rom zog es jedoch vor, verbitterte Untertanen statt befreundeter Nachbarn zu haben. Auch diese Kundgebung war somit vergebens, und ihre Forderung stieß in Rom auf taube Ohren. Für Südtirol bedeutete die Haltung Roms den Weg in eine Jahrzehnte währende Knechtschaft, bis die Widerstandshandlungen der 1960-er Jahre den Weg in bessere Verhältnisse im Rahmen einer zähneknirschend zugestandenen Autonomie eröffneten.

Mehr dazu:

Passend zu diesem Jubiläum finden Sie zwei weitere Beiträge im aktuellen Info-DIREKT-Printmagazin (Ausgabe 34). „Südtirol: 100 Jahre fremdbestimmt“ von Helmut Golowitsch und „Frei & ungeteilt: Das selbstbestimmte Kärnten“ von Klaus Rebernigg.

Im Gedenken

Im Gedenken an alle Kärntner Abwehrkämpfer und alle Südtiroler Freiheitskämpfer hier das „Kärntner Heimatlied“ und der „Bozner Bergsteigermarsch“:

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