Orwell’s 1984: Die Parallelen zwischen Roman und Wirklichkeit

Orwell's 1984: Die Parallelen zwischen Roman und Wirklichkeit
Bilder: Orwell - George Orwell, c. 1940 via wikimedia.org (CC BY 2.0), Kameras - Pexels.com, Hintergrund & Zensur - Pixabay.com, Komposition: Info-DIREKT

Das Werk „1984“ des Autors George Orwell dient unter politisch Interessierten mittlerweile als Metapher für eine totalitäre Gesellschaft. Besonders in gegenwärtigen Zeiten der Corona-Maßnahmen liest man in sozialen Medien oft von „Orwellschen Zuständen“. Daher ist es nun mehr als angebracht, Licht ins Dunkel zu bringen und sowohl Orwell als auch sein Werk unter die Lupe zu nehmen.

Dieser Beitrag von Roman Möseneder ist im Printmagazin Nr. 32 „Corona-Krise: Eine echte Gefahr für unsere Demokratie!“ erschienen.

Im ersten Part des Buches werden gesellschaftliche Verhältnisse im fiktiven totalitären Staat „Ozeanien“ nach dem Atomkrieg dargestellt. Alle Parteimitglieder des Staates werden von der »Gedankenpolizei« kontrolliert. Plakate mit dem Gesicht des »Großen Bruders« sieht man an allen Ecken.

Ein »Ministerium für Wahrheit« ist existent. Dort wird die Geschichte umgeschrieben und Zeitungsartikel sowie andere Schriftstücke werden »korrigiert« und neu gedruckt.

Big Brother is watching you!

Die heutzutage bekannte und gerne verwendete Phrase des „Big Brother is watching you“ findet ihre Wurzel in Orwells Roman. Im beschriebenen fiktiven totalitären Staat sind die Bewohner verpflichtet, den „Großen Bruder“ zu lieben. Das Volk wird stetig erinnert, unter dauerhafter Beobachtung der Behörden zu stehen. In der gegenwärtigen Realität kann „Big Brother“ sowohl als Personifikation politischer und wirtschaftlicher Eliten als auch mächtiger Monopolkonzerne wie Google verstanden werden, die gemeinsam einen Überwachungsapparat bilden.

Neusprech

Eine Abteilung vom »Ministerium für Wahrheit« ist mit der Entwicklung von »Neusprech« befasst, der Reduzierung der bisherigen Sprache mit dem Ziel, den Gedankenspielraum einzuschränken und schließlich das Denken abzuschaffen sowie sogenannte »Gedankendelikte« auszurotten. In der Gegenwart ist »Neusprech« perfekt mit »political corectness« zu vergleichen. Bestimmte Wörter und Themen werden tabuisiert – bei Zuwiderhandlung folgen gesellschaftliche Ächtung und Ausgrenzung. Des Weiteren erleben wir bestimmte Frames, also Erzählweisen, im Mainstream, die dem Klischee des „Neusprech“ entsprechen. So wird auf linker Seite von „Aktivisten“ gesprochen, während auf rechter Seite Aktivisten als „Rechtsextreme“ diffamiert werden.

Konsum als Machtwerkzeug

Die Bevölkerung Ozeaniens besteht zu 85 Prozent aus sogenanntes »Proles«. Diese werden unterdrückt und ausgebeutet. Sie sind aber frei, sich billigen Vergnügungen und Konsum hinzugeben. Ihr fehlendes politisches Bewusstsein verhindert eine Revolution.

Das Konsumverhalten der „Generation Z“ ist diesbezüglich ein Paradebeispiel und vereint im Buch erarbeitete Elemente. So schaut der durchschnittliche Jugendliche zur Genüge Netflix-Serien. Inhaltlich wird dort akribisch auf gegenwärtigen Neusprech und politische Korrektheit geachtet. Feminismus wird gelobt, „Rechtes“ tabuisiert. In den Köpfen der Menschen prägt sich dies langfristig unterbewusst selbstverständlich ein.

Mit unbegrenztem Konsum und dadurch freigesetzten Glücksgefühlen wird die Bevölkerung in eine Art Rauschzustand versetzt und somit von tatsächlichen politischen und folglich gesellschaftlichen Problemen abgelenkt. Nicht umsonst gilt Kaufsucht als verbreitete psychische Störung.

Psychische Diffamierung als Waffe

Im gegenwärtigen politischen Diskurs wird regelmäßig mit der Waffe der »psychischen Diffamierung« gekämpft. Politische Gegner werden als verrückt und geisteskrank dargestellt. Ein Beispiel dafür ist die Wertung des Bevölkerungsaustauschs als „Verschwörungstheorie“. Durch dieses Wort werden Vertreter bestimmter Ansichten – wie Martin Lichtmesz in der „Sezession“ schrieb – in die Aura des Obskuren, Paranoiden und Wirrköpfigen gerückt, um sie lächerlich und unglaubwürdig zu machen.

Ähnliche Methoden werden in „1984“ beschrieben. Aufgrund einer verbotenen Liebesbeziehung zwischen den Charakteren Winston und Julia werden beide festgenommen. Ein Spitzel, welcher zuvor als vermeintlicher Verbündeter fungierte, diagnostiziert bei Winston eine Geistesstörung, die er mit Hilfe elektrischer Foltermaschinen heilen will. Parteischädliche Gedanken sollen aus der Welt geschafft werden, bevor der Delinquent hingerichtet wird. Im Endeffekt passt Winston sein Denken an das der Partei an.

Empfehlung

Faszinierenderweise hat Orwell gegenwärtige Zustände sehr akkurat vorhergesehen. Viele besprochene Inhalte sind im aktuellen Zeitgeist ähnlich – wenn auch oft besser versteckt – wahrzunehmen. Wer die regelmäßigen Referenzen auf das Werk verstehen möchte, sollte es gelesen haben. Auf eine „must-read“-Liste würde ich es trotzdem nicht setzen, da es für politisch Interessierte schnell vertraut wirken kann.

 

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