Nach blauem Wahldebakel keine falschen Schlüsse ziehen

Nach blauem Wahldebakel keine falschen Schlüsse ziehen
Symbolbild zur Wahlniederlage von FPÖ-Wien und "Team HC Strache": freepik

Bei der Wien-Wahl verlor die FPÖ laut ORF-Hochrechnung von Sonntagabend (inkl. Wahlkartenprognose) 23,1 Prozent und liegt mit 7,7 Prozent Stimmenanteil knapp hinter den NEOS. HC Strache schaffte es mit seiner Partei nur auf 3,6 Prozent und verfehlt – sofern sich nichts mehr ändert – den Einzug in den Wiener Wahltag deutlich.

Ein Kommentar von Michael Scharfmüller

Die Gründe für diese deutlichen Wahlniederlagen sind sicher vielschichtig. Ein wichtiger Grund liegt jedoch darin, dass sich die beiden patriotischen Parteien fälschlicherweise gegenseitig als stärksten Konkurrenten wahrgenommen haben. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass sie viel Energie darauf verschwendeten, sich gegenseitig schlecht zu reden.

Fataler Denkfehler

Was beide Parteien dabei jedoch vergaßen, ist, dass jedes Mal, wenn die FPÖ HC Strache ins Lächerliche zog, damit ihren langjährigen Ex-Parteiobmann schlecht redete. Gleiches gilt für HC Strache: Jedes Mal, wenn er über die FPÖ schimpfte, stellte er jene Partei in einem schlechten Licht dar, für die bis vor kurzem noch jahrelang hauptverantwortlich war. Das bedeutet, immer, wenn der eine den anderen mit Dreck bewarf, patzte er sich zu einem guten Teil auch selbst an. 

Sich gegenseitig unwählbar gemacht

Am Ende des Wahlkampfes waren dann für viele ehemalige Blau-Wähler beide Parteien so unwählbar, dass sie entweder nicht zur Wahl gingen oder der Mogelpackung ÖVP – als kleinstes Übel – ihre Stimme schenkten.

Es wäre Platz für beide gewesen

Dabei wäre diese Schlammschlacht gar nicht notwendig gewesen. Die wahren „Gegner“ bei dieser Wahl waren von Anfang an nämlich die enttäuschten Nichtwähler, die schon einmal HC Strache und die FPÖ wählten und jetzt von keinem der beiden mehr etwas wissen wollten. Weshalb sich die Schlammschlacht trotzdem nicht vermeiden ließ, lag auch daran, dass Strache zwar mit einer eigenen Partei zur Wahl antrat, aber keine eigenen Inhalte vertrat. Dadurch konnte gar keine inhaltliche Auseinandersetzung zwischen den beiden blauen Parteien stattfinden. Freilich hätte man sich gegenseitig mehr ignorieren sollen. Aufgrund der direkten Wahlkonfrontationen zwischen Dominik Nepp und HC Strache und dem medialen Interesse an Streitereien wäre aber auch das zumindest nicht vollständig möglich gewesen.

Falsche Wahlanalyse als Gefahr

Die hausgemachten Fehler einzugestehen, fällt jedoch schwer. So meinte FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer kurz nach Bekanntwerden des vorläufigen Wahlergebnisses, dass die FPÖ zukünftig auch „weiche Themen wie Pflege mehr beachten“ müsse. Mit dieser Meinung ist Hofer bei weitem nicht alleine. Einige in der FPÖ glauben, dass es besser wäre „einen gemäßigteren Kurs“ zu fahren – nach dem Motto „So wie Sebastian Kurz – nur in blau und ehrlicher“.

Konsequenten Kurs halten

Dabei vergessen diese Leute jedoch eines: Niemand in Österreich braucht eine zweite ÖVP in Form einer „FPÖ light“. Den Platz einer „gemäßigten Rechts-Partei“ hat sich Sebastian Kurz durch geschicktes Kopieren freiheitlicher Inhalte erschlichen. Wenn die FPÖ nicht weiter an Stammwählern verlieren will, muss sie konsequent jenen Weg verfolgen, den derzeit Herbert Kickl, Michael Schnedlitz und Co. im Nationalrat vorgeben. Alle anderen taktischen Spielereien kann man sich für jene Zeit aufbehalten, in der die FPÖ wieder Wahlergebnisse deutlich über 20 Prozent einfährt.

Auszeit für Strache

Damit das in Ruhe geschehen kann, wäre es gut, wenn HC Strache seine Niederlage eingesteht und sich zumindest einige Monate eine Auszeit nimmt, sofern er den Einzug in den Wiener Landtag nicht doch noch schafft.

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