Gesundheitsminister Anschober: Grippe wegen seiner Kompetenz besiegt

Bild: Freepik; Screenshot: Twitter - Rudolf Anschober

Hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober tatsächlich den Boden der Realität so weit verlassen, dass er die Inhalte glaubt, welche er verbreitet? Denn es ist haarsträubend: Er behauptet, durch die Corona-Maßnahmen die Grippewelle besiegt zu haben. Nachdem, basierend auf allen verfügbaren Statistiken, die Ansteckungsgefahr von Grippe und Corona sehr ähnlich ist, drängt sich die Frage auf, weshalb die Maßnahmen beim Coronavirus angeblich nicht greifen.

Von Michael Mayrhofer

Es erinnert an die viel zitierte Behauptung von Bundeskanzler Sebastian Kurz aus seiner Zeit als Außenminister: Im Jahr 2016 behauptete er, die Westbalkanroute geschlossen zu haben. Vor einigen Jahren war es noch erlaubt, daran zu zweifeln. Die monatlichen Zahlen illegaler Grenzübertritte sprechen ihre eigene Sprache. Vielleicht dadurch inspiriert, verstieg sich der grüne Gesundheitsminister am Freitag zur Aussage, es wäre – sinngemäß – auf sein Wirken zurückzuführen, dass es in der Saison 2020/2021 keine Grippe in Österreich gibt.


Auf der Suche nach der Grippe

Wo eigentlich die Grippe abgeblieben ist, fragen viele kritische Kommentatoren seit Mitte des Vorjahres. Diese taucht nämlich in all den offiziellen Statistiken nicht mehr auf. Stattdessen gibt es nur noch Corona. Mutige Medien stellten bereits die Frage, ob die behauptete Corona-Pandemie vielleicht die Grippe ist. Dass der Gedanke nahe liegt, bestätigt der nicht so intensiv diskutierte Umstand, dass rund 30% der Erreger der jährlichen Grippewellen seit jeher auf Coronaviren zurückgeführt werden. „Die Grippe“ ist Jahr für Jahr ein Sammelsurium aus Viren, welche über Reisewege aus Asien in die ganze Welt gestreut werden. Die WHO betrachtet Statistisch beispielsweise acht verschiedene Haupterreger (siehe Grafik unten), viele davon sind Coronaviren.

Tweet Rudolf Anschober

Infektion mit Grippe oder Corona für Risikogruppe dramatisch

Dabei darf man die Gefahr einer Infektion weder bei Corona noch bei der Grippe verharmlosen. Risikogruppen sind definitiv in Lebensgefahr. An der Grippe sterben weltweit jährlich hunderttausende Menschen. Interessanterweise dieselben, die an Corona sterben: Menschen mit schweren Vorerkrankungen, mit Atemwegserkrankungen, mit schwerem Übergewicht und vor allem Menschen in fortgeschrittenem Lebensalter. All jene sterben bedauerlicher Weise nun auch an der Covid-19 Erkrankung – aber wie durch ein Wunder nicht mehr an der Grippe.

Viele Infektionskrankheiten verbreiten sich schneller als Covid-19

Die nachfolgende Grafik stammt von der WHO und zeigt die weltweite Zirkulation von Influenza-Viren. Diese endete mit dem ersten Jahresdrittel 2020. Dies mit Anti-Corona Maßnahmen zu argumentieren ist abenteuerlich. Denn sowohl Grippeerreger als auch das Coronavirus folgen den selben Verbreitungsregeln. Würden die Maßnahmen gegen Influenza helfen, würden sie auch gegen Corona helfen. Die Gefahr, sich mit Covid-19 anzustecken bzw. das Virus weiterzugeben wäre laut WHO zwar etwas höher als bei der Grippe – aber nicht dramatisch höher. Es gibt bekannte Infektionskrankheiten mit deutlich höherem Ansteckungsrisiko, ohne dass es dazu je einen Lockdown gegeben hätte. Im Mai 2020 wurden die Reproduktionszahlen solcher Krankheiten im Magazin Watson gegenübergestellt. Masern, Windpocken, Röteln und Mumps lagen deutlich über der R-Zahl des Coronavirus, dessen eigener Wert damals noch als unbekannt galt. Die R-Zahl von Corona liegt in Österreich seit März des Vorjahres übrigens recht konstant in der Gegend von 1, während Masern 12-18 aufweisen!

 

 

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