Hofer führt FPÖ auf Regierungskurs: Zahlreiche negative Reaktionen auf Pressekonferenz

Bild: FPÖ TV live von der Pressekonferenz

Just während die ÖVP im Untersuchungsausschuss schwer in Bedrängnis gerät und der mutmaßliche Drahtzieher Julian H. Rechenschaft über die Hintermänner ablegen muss, gibt FPÖ-Chef Norbert Hofer eine Pressekonferenz – über Corona. Die Inhalte erinnern an die Nebelgranaten, die normalerweise die ÖVP zündet, um von diversen „Ungereimtheiten“ abzulenken. (Video am Ende des Beitrags)

Ein Kommentar von Michael Mayrhofer

Schon zu Beginn verstört die Wortwahl des Parteivorsitzenden. Mit „Das Licht am Ende des Tunnels ist leider noch in weiter Ferne“, übernimmt Hofer exakt die Wortwahl des Bundeskanzlers, mit „Corona wird Österreich wohl weiter fest im Griff halten und uns den Atem nehmen“, bestätigt er den Mainstream Kurs in der Corona-Krise. Damit ist festgelegt, dass Hofer nicht daran denkt, an der offiziellen, schwer lückenhaften Erzählung hinsichtlich einer weltweiten Pandemie zu rütteln.


Gleich danach reproduziert Hofer mit eigenen Anekdoten garniert die Geschichte von dem angeblich schwer in Bedrängnis befindlichen Gesundheitssystem. „Die Zahl der Spitalspatienten steigt an, das betrifft sowohl die Normal- als auch die Akutbetten.“, so Hofer. Und weiter: „In Oberwart zum Beispiel versterben 40 Prozent der Patienten auf der Intensivstation.“ Info-DIREKT macht den Faktencheck.

Hofer-Aussagen halten Faktencheck nicht stand

Das Krankenhaus Oberwart soll laut Medienberichten über 10 Intensivbetten verfügen. Im Burgenland sind insgesamt 27 (ORF) bis 35 (AGES) Intensivbetten für Covid-Patienten vorgesehen. Im Jahr 2019 verfügte das Burgenland über 84 Intensivbetten. Hochgerechnet stehen in Oberwart also 3-4 Intensivbetten für Covid-Patienten zur Verfügung. Davon sterben laut Hofer 40% – also ein bis zwei Patienten. Bei 300.000 Einwohnern im Bundesland ist das Schreckgespenst von 40% Corona-Toten auf der Intensivstation eine recht steile Ansage, wenn es ein bis zwei Personen in einem nicht näher bezeichneten Zeitraum betrifft. Da kann man schon einmal darüber nachdenken, was jemanden wohl antreiben mag, solches zu behaupten, um die Corona-Panik im Land weiter anzuheizen.

Parteichef assistiert ÖVP beim Herbeireden der Krise

Noch ein paar Kennzahlen, um Hofers Behauptung in die richtige Relation zu rücken: Im Burgenland sterben im Schnitt täglich 9 Menschen. Die höchste Zahl Verstorbener Corona-Infizierter im Burgenland an einem Tag seit Beginn der Pandemie belief sich auf 9 Tote, das war am 8.11.2020. Ansonsten sterben 0-3 Personen täglich, die neben sonstigen Vorerkrankungen laut PCR-Test auch mit SARS-CoV-2 infiziert sein sollen. Laut täglicher Presseaussendung des Landes sind die meisten dieser Personen wie im restlichen Österreich sehr alt. Über Vorerkrankungen der Verstorbenen wird im Burgenland nur in wenigen Fällen informiert. Die Krise, die Sebastian Kurz für Österreich sieht und FPÖ-Chef Norbert Hofer in seiner Pressekonferenz bekräftigt, ist aus dem Zahlenmaterial und den tatsächlichen Patientenzahlen der Krankenhäuser nicht herauszulesen.

Hofer wollte Krankenhausbetten stets reduzieren

Hofers Sorge um die Spitalsbetten ist interessant, schlussendlich kämpfte er seit spätestens 2016 darum, dass Österreich die Zahl der Aktubetten reduziert. Diese wären zu teuer, ihre große Anzahl wäre ein Missstand. Zuletzt erklärte er dies in einer Presseaussendung am 13. Jänner 2020.

Hygiene, Abstand, Maske und Testungen richtiger Weg

Mit den Lockdowns ist Hofer nicht einverstanden, speziell weil diese zu großem finanziellem Schaden für alle Beteiligten führen. Ebenso sprach er sich gegen so genannte „Eintritts- und Austrittstests“ aus. Seiner Meinung nach müsse die Politik evidenzbasierte Maßnahmen setzen. Aus seiner Sicht sind die richtigen Maßnahmen: Hygiene, Abstand halten, die Maske und Testungen. Damit ist Hofer voll auf Regierungslinie und dürfte sich auch mit der SPÖ in bester Gesellschaft befinden. Es wird laut Hofer auch nach der Krise erhalten bleiben, dass eine Desinfektionsmöglichkeit für Kunden in Geschäften zur Verfügung steht.

Was war der Sinn der Pressekonferenz?

Darüber hinaus wünscht sich Hofer Antikörpertests und Impfungen für alle, die sich das wünschen. Darauf folgt eine launische Erörterung der Privatmeinungen Herrn Hofers hinsichtlich der Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen und deren Vor- und Nachteilen, wie man sie bei einem gemütlichen Nachmittagskaffee erwarten könnte. Was die FPÖ oder Herr Hofer hier konkret fordern oder planen war inhaltlich nicht herauszufinden. Insgesamt muss sich ein politisch interessierter Beobachter die Frage stellen, was der Sinn der gesamten Übung war, während vor dem U-Ausschuss die seit Monaten erwartete wichtigste Aussage des Hauptverdächtigen getätigt wurde.

Seine Aufgabe, Hausordnung im Parlament einzumahnen

Letztendlich nahm Hofer von sich aus Stellung zu seiner Aussage des Vortages, mit der er seiner eigenen Fraktion massiv in den Rücken gefallen war. Es geht um den Themenkreis Masken bzw. bauliche Maßnahmen im Parlament, um die angebliche Verbreitungsgefahr des Corona-Virus einzudämmen. Hier pocht Hofer auf seine überparteiliche Aufgabe als 3. Nationalratspräsident. Seine Aufgabe wäre es, die Einhaltung der Hausordnung streng einzumahnen. Die Nachfrage einer Journalistin zu seiner Meinung zur Maskenpflicht beantwortete Hofer mit „Das Tragen von Masken macht Sinn“. Diese Meinung beruhe auf „evidenzbasierten Fakten“. Es gäbe auch keine unterschiedlichen Meinungen oder Haltungen zum Corona-Virus in der FPÖ.

Zuseherstimmen mehrheitlich negativ

Der Großteil der abgegebenen Kommentare der aktuell etwa 13.000 Zuseher scheint negativ ausgefallen zu sein. Großen Zuspruch erhielt beispielsweise Johann K. mit der Aussage „Hofer entwickelt sich zu einem Wendehals.“ Ebenso positiv wahrgenommen wurde die Aussage von Johann T.: „Nein, Herr Hofer! Keine Maske, kein Abstand, keine Händedesinfektion im Geschäft nach der Krise. Händewaschen daheim reicht! Durch hohe Verwendung von Desinfektionsmitteln entstehen Resistenzen!“ Auch Brigitte L. dürfte mit ihrer Wortmeldung vielen aus der Seele gesprochen haben: „Herr Hofer, ich bin enttäuscht von ihnen! Hätte mir mehr Rückgrat gewünscht.“ Chris W. bringt auf den Punkt: „Was ist mit dem Hofer los, fällt er jetzt um wie ein Stück Holz?“ Was die Abgabe von bloßen „Likes“ betrifft, konnte Hofer bislang etwa 260 „Daumen hoch“ etwa 70 „wütend“ und etwa 10 „weinende“ Reaktionen für sich verbuchen.

Respektloses Outfit?

Kritiker des Auftrittes stießen sich auch am Outfit des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten. Ein schwarzes T-Shirt zum Stecktuch im Sakko würde einen fraglichen, beliebigen Stil ausstrahlen. Ebenso wunderten sich manche, wo Hofers Anstecknadel vom elitären St. Georgs-Orden geblieben ist, die er sonst sehr stolz zur Schau stellt.

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