Parteijugend: Keine geistigen Senioren in jugendlichen Körpern heranzüchten

Roman Möseneder: Keine geistigen Senioren in jugendlichen Körpern heranzüchten
Bild Roman Möseneder beim "Info-DIREKT Unterstützertreffen": Alois Endl

Letztes Wochenende fand ein „Info-DIREKT Unterstützertreffen“ statt, an dem zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus dem patriotischen Lager teilnahmen. Darunter auch Roman Möseneder, der u.a. im Landesvorstand der Freiheitlichen Jugend in Salzburg sitzt. Bei seinem Impulsreferat sprach er darüber, wie die Arbeit in der Parteijugend funktioniert. Heute hat er zu diesem Thema einen Text auf seinem Telegram-Kanal veröffentlicht, den wir hier wiedergeben dürfen:

Bereits bei der Frage „nach dem Ziel von Parteijugendarbeit gehen, scheiden sich die Wege:

Weg 1 – die Kaderschmiede

Ein Teil der (Partei)rechten sieht die Jugendorganisation der Partei in erster Linie als Kaderschmiede. Mitglieder – ergo Jugendliche – sollen möglichst auf Linie gebracht werden, keine/wenig Aktivitäten setzen und sich in Seminaren zu Rhetorik und Körpersprache aufhalten, um später in der Partei in Funktionen eingesetzt werden zu können.


Weg 2 – der aktive Weg

Parteijugend als (teils) aktivistische Gruppe, wo Aktivitäten im Vordergrund stehen, die nicht direkt an die Partei gekoppelt sind oder ggf. nicht mal direkt politisch scheinen.

Meine Ansicht

Ich sehe den ersten Weg als gänzlich falsch. Durch diese Kaderschmiede züchtet man vor allem Jugendliche, die im Politischen nur die Karriere und nicht ihr Ideal sehen. Durch all die Rhetorik- und Körperspracheschulungen verwandelt man Jugendliche in Roboter, die wirken wie jeder andere Politiker. Das ist unattraktiv für andere Jugendliche und führt zu Stagnation von Interessenten.

Nun aber ein wichtiger Punkt: Ich verstehe natürlich das Interesse der Partei, aus den Reihen der Jugendorganisationen fähige Leute für den Parlamentarismus zu gewinnen. Schließlich stecken dort Parteigelder drinnen. Doch genau das passiert meines Erachtens durch den zweiten Weg sogar noch besser. Hier die Begründung:

  1. Beim zweiten Weg steht kein Parteiposten in Aussicht. Alles was man dort macht, macht man aus voller Überzeugung. Man tut es, weil man es für das Richtige hält – nicht, weil man möglichst schnell die Karriereleiter klettern möchte. Man hat davon realistisch gesehen nichts (im monetären Sinn) – bleibt man trotz möglicher Widerstände dort dabei, wird man zur standhaften Person, was für den späteren Weg – ggf. in Parlamenten – von enormer Wichtigkeit ist.
  2. Man hat mehr Zeit für das Wesentliche. Während bei den Postenschachern der Fokus darauf liegt, nicht von seiner eigenen Position abgesägt zu werden und ggf. in eine andere Position zu klettern, fokussiert man sich bei beim zweiten Weg auf seinen tatsächlichen politischen Gegner und verfällt weniger in eine Selbstbeschäftigung. Das führt auch zu mehr Kameradschaft und mehr Loyalität. Das ist im Endeffekt auch im Parteikontext gut, weil es die ganze Partei handlungsfähiger macht.
  3.  Startet jemand ohne Geld in Aussicht zu haben, wird er auch besser damit umgehen, sobald es einmal verfügbar ist. Sein Zugang zum Geld ist einfach ein anderer.

Aktive Jugendgruppe statt Seniorenstammtisch

In den vergangenen Zeiten wurde meist der erste Weg gegangen. Das ist meines Erachtens der Grund für eine fehlende Ausschöpfung des Potentials. Man züchtet somit eine Riege von geistigen Senioren in jugendlichen Körpern heran und wirkt auf „normale Jugendliche“ abstoßend. Das darf man nicht falsch verstehen – ich sehe das ähnlich wie Sven Kachelmann von der Jungen Alternative in Bayern, der am Wochenende neben mir auf der Bühne sagte:

„Wir sind keine Massenorganisation, wir sind eine Avantgarde. Wer glaubt, dass wir die nächsten Jahre tausende Mitglieder hinzugewinnen, der hat den Kontak zur Realität verloren.“

Neue Wege gehen

Aber es ist möglich eine andere Art von Mitgliedern zu gewinnen? Auch ich habe bereits mehrfach erlebt, dass Jugendliche voller Tatendrang und hohem Potential sich von Parteijugenden fernhalten, da sie diese Organisation als eingeschlafene Kaderschmiede betrachten, in denen eh nichts passiert, während Leute mit gierigen Blick auf Parteigelder auf ihre Chance warten. Dieses Bild müssen wir erneuern. Wir können beides: Parteiarbeit und Unterstützung unserer Mutterpartei bei gleichzeitiger Freiheit Aktivitäten durchzuführen, die die Gemeinschaft stärken, sowie auch für breitere Spektren von Jugendlichen nicht langweilig oder gar peinlich wirken.

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Lebhafte Diskussion

Aufgrund der Impulsreferate von Roman Möseneder (RFJ Salzburg) und Sven Kachelmann (JA Bayern) entstand eine lebehafte Diskussion mit dem Publikum, bei der sich auch andere Jugendliche und Politiker zu Wort meldeten. Mehr dazu in der übernächsten Info-DIREKT-Printausgabe (Nummer 40). Wenn Sie an solchen Veranstaltungen Interesse haben, freuen wir uns, wenn Sie ein „Info-DIREKT Förder-Abo“ abschließen.

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