Gratis-Mut: Eigentor für Werder Bremen in Tirol

Gratis-Mut: Eigentor für Werder Bremen in Tirol
Symbolbild SV Werder Bremen Fan und Bildkomposition: Info-DIREKT

Beim Trainingslager in Tirol wollte sich die Medien-Abteilung des Fußballbundesligisten SV Werder Bremen wohl auf die billige Tour etwas Applaus verschaffen. Dabei unterschätzten die Bremer jedoch, dass die Uhren in Österreich anders ticken als im immer verrückter werdenden Deutschland.

Zur Sache: Werder Bremen weilt derzeit in Zell am Ziller in Tirol auf Trainingslager. Am 2. Juli machten dort auch FPÖ-Chef Herbert Kickl und Co. mit ihrer „Österreich-Tour“ Station. Einige zum Trainingslager mitgereiste Werder-Fans zeigten sich an der FPÖ-Veranstaltung interessiert. Ein politisch-korrekter Funktionär oder Mitarbeiter des Vereins scheint jedoch kein Interesse daran gehabt zu haben, sich selbst ein Bild der Veranstaltung zu machen. Stattdessen knipste er aus weiter Entfernung ein Foto der freiheitlichen Veranstaltung. Dieses veröffentlichte er am offiziellen Twitter-Konto des SV Werder Bremen mit folgendem Text:

„Wir fühlen uns hier so sehr zuhause, dass wir auch im #Zillertal dafür einstehen:
KLARE KANTE GEGEN NAZIS“

Den erhofften Applaus für diese Gratis-Mut-Aktion gab es jedoch nur von etablierten Medien, wie der „Bild“. Diese titelte beispielsweise:


„FPÖ beleidigt Werder“

Der Grund dafür: FPÖ-Wien-Pressesprecher Leo Kohlbauer ließ die ungustiöse Beschimpfung seiner Partei nicht auf sich sitzen und holte zum Gegenschlag aus. Via Twitter empfahl er den deutschen Fußballern:

„Niemand braucht diese links versifften Piefke bei uns. Sollen‘s in Buntland den Regenbogen-Ramadan feiern.“

Gegenwind für Werder auf Twitter

Schenkt man dem Geschreibe der „Bild“-Zeitung Glauben, sollen die „meisten eigenen Fans“ den gehässigen Werder-Tweet „prima“ finden. Sieht man sich die Kommentare unter dem Tweet an, entsteht jedoch ein anderer Eindruck. So posteten zahlreiche Nutzer Bilder der Armutsquoten-Statistik deutscher Bundesländer. Diese wird von Bremen mit 28 Prozent ganz klar angeführt. Ein weiterer Nutzer schreibt:

„Ihr seid ja schon mit Fußball überfordert, wenn ihr jetzt auch noch politisiert, seid ihr doppelt überfordert.“

Klare Worte fand auch dieser Nutzer:

„Seid ihr noch ganz dicht? Die FPÖ ist bei uns eine demokratische Partei und wir haben es hier sicher nicht nötig, uns von einem Loserverein wie euch Belehrungen geben zu lassen…Dann schleichts eich nach Duisburg oder Neukölln wenn’s dort besser ist…“

Ein anderer Nutzer macht sich lustig über den politisch-korrekten Verein:

„Danke, dass Ihr die Botschafter für die Verblödung Deutschlands seid. Macht Ihr prima! Und vor dem Schlafengehen immer unter das Bett schauen! Da könnte ein Nazi sein!“

Ein Twitter-Nutzer würde sich wünschen, dass sich der Verein mit mutmaßlichen Clan-Verbindungen seiner Spieler auseinandersetzen würde.

FPÖ-Abwerzger stellt Werder Ultimatum

Der Werder-Bremen-Tweet wird jedoch nicht nur auf Twitter heiß diskutiert, sondern könnte nun auch ein gerichtliches Nachspiel haben. In einem Brief an Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald, der gleichzeitig SPD-Politiker ist, wies ihn der gerade wiedergewählte FPÖ-Tirol-Chef Markus Abwerzger darauf hin, dass der Tweet „mehrere Verstöße nach einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen in Österreich“ verletze.  Zudem stellte er Werder heute ein Ultimatum: Der Verein solle innerhalb einer Woche den Tweet löschen, sich entschuldigen und 10.000 Euro an einen örtlichen Fußballverein als Entschädigung zahlen – anderenfalls werde man Klage einbringen.

Etwas gelassener sieht die ganze Sache FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl. Bei einer Pressekonferenz heute Vormittag meinte er, dass das Verhalten der Werder-Funktionäre ein Beispiel dafür sei

„wie eine abgehobene Elite offenbar den Kontakt zur eigenen Basis verloren hat.“

Bisher (Stand: 5.7.2022, 17:30) hat sich der SV Werder Bremen zum Vorfall nicht mehr geäußert. Der unterirdische Tweet ist nach wie vor abrufbar.

Politische Beobachter gehen davon aus, dass sich Werder Bremen mit dem Tweet in Österreich nur selbst geschadet hat. Denn selbst wenn man die FPÖ nicht mag, werden unqualifizierte Beschimpfungen von deutschen Gästen von fast jedem Österreicher als absolut unangebracht empfunden. Ausgenommen die Grünen: Deren Nationalrätin Barbara Neßler verbreitete die FPÖ-Beschimpfung mit folgenden Worten auf Twitter weiter:

„Wünsche @werderbremen ein super Trainingslager im Zillertal! #Nachbarnkommenundgehen“ 

Gewinner: Zell am Ziller

Als kleiner Gewinner könnte die 1.697-Einwohner Marktgemeinde Zell am Ziller vom Platz gehen, die ohne diesen Aufreger wohl niemals in so vielen Medien erwähnt worden wäre.

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