Kurzsichtig: Martin Sicherts (AfD) außenpolitische Scheinlösung

Kurzsichtig: Martin Sicherts (AfD) außenpolitische Scheinlösung
Bild AfD-Bundesabgeordneter Martin Sichert: Info-DIREKT

AfD-Bundestagsabgeordneter Martin Sichert will mit einem kürzlich veröffentlichen Video über den türkischen Präsidenten Erdogan den AfD-Wählern eine antideutsche Geopolitik unterjubeln. (Video am Ende des Beitrags)

Ein Gastkommentar von Erik Ahrens

Dabei spricht er drei Themen an:


  1. Einmischung Erdogans in Deutschland
  2. Rolle Erdogans & der Türkei im Nahen Osten
  3. Positionierung der AfD zu Erdogan und der Türkei

Seine Methode: Er greift sehr berechtigte und wichtige Ablehnung von Erdogans Deutschlandpolitik auf (Türken als 5. Kolonne). Anstatt aber die eigentliche Lösung anzusprechen, schiebt er den Zuschauern eine Pseudo-Lösung unter, die Deutschland schaden würde.

1. Das innenpolitische Problem

Sichert prangert zurecht an: Erdogan hat eine Fünfte Kolonne in Deutschland, die er auch entsprechend nutzt. Über seine Institutionen (DITIB) übt er Einfluss auf sie aus und kann somit in Deutschland Macht ausüben. Das macht zurecht Angst. Die nationale Interessenvertretung der Deutschen, die AfD, hat eine Lösung für dieses Problem: Sie heißt Remigration und vor allem: Ein Austausch der schwachen Politiker, die das überhaupt erst zugelassen haben.

Anstatt diese Lösung zu präsentieren, schwenkt Sichert jetzt aber auf ein ganz anderes Thema um. Er spricht die berechtigten Ängste an, nutzt sie aber nur, um den Zuschauer auf etwas ganz anderes vorzubereiten. Dies ist eine sehr manipulative Taktik.

2. Die außenpolitische Schein-Lösung

Nachdem Sichert beim Zuschauer (berechtigte) Ablehnung gegen Erdogans Einmischung in Deutschland erzeugt hat, präsentiert er ihm nicht die Lösung, sondern schiebt ihm eine außenpolitische Haltung unter. Der Zuschauer, der jetzt Erdogan & die Türkei in einem negativen Frame sieht, soll jetzt auch die Außenpolitik der Türkei im Nahen Osten ablehnen. Er soll das Gefühl der Wut auf die Außenpolitik der Türkei gegenüber anderen Ländern übertragen, die mit uns gar nichts zu tun haben. So wird der Zuschauer also manipuliert. Eigentlich müsste er schlussfolgern:

„Deutsche Politik darf nicht zulassen, dass ein ausländischer Präsident eine fünfte Kolonne in Deutschland kontrolliert. Wir brauchen Remigration und starke nationale Politiker!“

Stattdessen soll er nun aber mit Sichert schlussfolgern:

„Erdogan ist böse und die Türkei unser Feind! Wir müssen außenpolitisch gegen die Türkei und ihre Interessenpolitik im Nahen Osten handeln!“

Dem Seher von Sicherts Video wurde also eine geopolitische Position untergejubelt, die Deutschland gar nichts nützt, sondern die Interessen der Achse USA-Israel im Nahen Osten stützt, sowie die Interessen einiger ethnischer Gruppen wie Kurden, Jesiden etc., die auch nicht deutsche Interessen sind.

3. Positionierung der AfD

Dieses „bait-and-switch“ Maneuver nutzt Sichert nun, um zur Deutungshoheit zu greifen. Er hat den Zuschauer emotional manipuliert und ihm eine Position untergeschoben, die gar keine Lösung für das eigentliche Problem darstellt, also für antideutsche & schwache Politik, die so etwas wie eine 5. Erdogan-Kolonne in Deutschland überhaupt zugelassen hat.

Jetzt nutzt er das erzeugte Gefühl, um zu behaupten: Die AfD steht geschlossen gegen Erdogan. Er definiert also einen äußeren Feind, und der innere Zusammenhalt soll künftig daran gemessen werden, ob man diese Feindbestimmung teilt.

Dabei gibt es eine viel bessere und sinnvollere Position, die etwa von EU-Abgeordneten und Spitzenkandidat der AfD für die EU-Wahl 2024 Maximilian Krah, geteilt wird:

  • -Innenpolitisch sind wir für Remigration und eine starke deutsche Identitätspolitik, die es nicht zulässt, dass ausländische Mächte hier eine fünfte Kolonne installieren. Das antideutsche Establishment, das so etwas zugelassen hat, muss weg.
  • Außenpolitisch stehen wir für deutsche Interessen, nicht für US-Interessen und auch nicht für abstrakte universalistische Werte. Erdogan verfolgt seine Interessen in Nahost – solange er uns dabei nicht in die Quere kommt, braucht uns das nicht zu stören. Wir müssen sicherstellen, dass er sich nicht in unseren eigenen Großraum (Deutschland & Europa) einmischt. In Nahost müssen wir uns hingegen mit den dortigen Ordnungsmächten arrangieren. (Siehe hierzu den Ansatz der „Multipolarität“ von Dimitris Kisoudis dessen Bücher dazu auch auf Blitzwissen abrufbar sind.)

Sichert aber will nicht, dass eine solche sinnvolle Position sich durchsetzt. Stattdessen will er durch das manipulative Video den Zuschauer austricksen: Aus der persönlichen (sehr berechtigten) Abneigung gegen Erdogans Einmischung in Deutschland soll eine allgemeine pro-westliche Geopolitik abgeleitet werden. Dabei fällt das deutsche außenpolitische Interesse völlig unter den Tisch; die Deutschen sollen quasi als Hilfspolizei der Weltmacht USA lediglich westliche Werte in Nahost durchsetzen und sich damit zufrieden geben.

Dies ist eine antinationale Position, die auf zutiefst manipulative Weise vermittelt wird, und darum ganz klar abzulehnen ist!

Über den Autor:

Erik Ahrens, Jahrgang 1994, hat Gymnasiallehramt in Frankfurt am Main studiert. Er ist Gründer der GegenUni und des Projekts Blitzwissen. Hier ist Ahrens auf „X“ zu finden: www.twitter.com/erikahrens_ffm

Krahs TikTok zu Erdogan:

@maxkrah_doktorrechts

Max Krah AfD: Präsident #Erdogan ist nicht dein Feind

♬ Originalton – MaxKrah_fürDeutschland

Sicherts Video zu Erdogan:

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