Abhängigkeiten gelten allgemein als etwas Negatives. Das mag auf den ersten Blick zwar richtig erscheinen, ist jedoch nur die halbe Wahrheit.
Vorwort zur 59. Ausgabe des Magazins Info-DIREKT von Michael Scharfmüller
Im Privatleben
Im Privaten wünscht sich beispielsweise jeder, möglichst unabhängig leben zu können, was bis zu einem gewissen Grad auch wünschenswert ist. Völlige Unabhängigkeit von anderen Menschen führt aus meiner Sicht jedoch nicht zu mehr Lebensglück, sondern kann auch zur Vereinsamung führen. Wer abhängig voneinander ist, muss den Kontakt zueinander suchen und pflegen und Rücksicht aufeinander nehmen. Die Gewissheit, der andere kann mich nicht aus Jux und Tollerei im Stich lassen, schafft gegenseitiges Vertrauen. Was nicht mehr passt, muss in solchen Beziehungen wieder passend gemacht werden. Das ist das Gegenteil unserer grenzenlosen Amazon-“heute bestellt, morgen neu geliefert“-Wegwerfgesellschaft.
Im Geschäftsleben
Ähnliches wie für private Beziehungen gilt auch im Geschäftsbereich - und zwar besonders in unserer schnelllebigen Zeit. Autohersteller X ist beispielsweise darauf angewiesen, dass Zulieferer Y pünktlich liefert. Beide sind vom Transporteur Z abhängig. Alle sind in gewisser Weise miteinander verflochten und bilden im Optimalfall ein starkes Netzwerk, das Aufgaben erfüllt, die einer alleine nicht stemmen könnte. Freilich, in der Theorie lässt sich ein Geschäftspartner rasch gegen einen anderen ersetzen. In der Praxis ist das jedoch mit einem meist sehr hohen Reibungsverlust verbunden.
Auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind oft voneinander abhängig. Ein Unternehmer braucht gute, verlässliche Mitarbeiter und die Mitarbeiter brauchen einen verlässlichen Unternehmer. Der eine kann ohne den anderen nicht, beide brauchen sich.
Auf Staatenebene
Ähnliches gilt für die Beziehung zwischen Staaten. Staaten, die wirtschaftlich eng zusammenarbeiten, führen seltener Kriege gegeneinander, weil sie sich damit auch selbst schaden würden. Deshalb haben Deutschland und Frankreich die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ (EGKS) geschaffen. Ein gemeinsamer Markt mit Lieferketten, die über mehrere Staaten hinwegreichen, macht zwar abhängig, senkt aber die Kriegswahrscheinlichkeit.
Souveränität ist kein Selbstzweck
Natürlich ist man nicht souverän, wenn man von anderen abhängig ist. Souveränität ist jedoch auch kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Ein starkes, auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt aufgebautes Netzwerk ist aus meiner Sicht mehr wert als hundertprozentige Unabhängigkeit. Das gilt insbesondere auch für den Energiesektor. Womit wir beim Schwerpunktthema des aktuellen Magazins Info-DIREKT angelangt wären: der zu Recht umstrittenen Windkraft.
Hier mehr über die aktuelle Ausgabe des Magazins Info-DIREKT mit dem Schwerpunktthema "Windkraft - Eine Gefahr für Mensch, Umwelt und Demokratie"






