Innerhalb der rechten Blase in den sozialen Medien gibt es ein neues Meme. Im Mittelpunkt steht ein Pinguin. Annarita Menegus hat sich für Info-DIREKT angesehen, was hinter diesem neuen Phänomen steckt.
Ausgangspunkt ist ein Videoausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Begegnungen am Ende der Welt" von Werner Herzog. Herzog zeigt unter anderem Aufnahmen von Wissenschaftlern, Forschungsstationen, Menschen und Tieren in der Antarktis. Nach einem Gespräch mit einem Pinguinforscher folgt besagte Szene: Ein einzelner Pinguin löst sich von seiner Kolonie und läuft weg von ihr und den Futterplätzen – nicht zurück ins Meer, sondern allein in Richtung Berge, rund siebzig Kilometer entfernt, ins Landesinnere. Herzog schließt die Szene mit der Frage nach dem Warum ab.
Hier der Videoausschnitt:
Die Radikalität der Natur trifft auf Vorbildlichkeit und Haltung
Die Ergriffenheit verwandelt den Pinguin in einen Ausdruck des unbeugsamen Kampfes (ums Überleben und um den Fortbestand), in den Helden einer metaphysischen Ordnung. Er wird dadurch zu einem Symbol für Standhaftigkeit, Widerstand und Verhängnis im endlosen Kampf ums „Überleben“. Das bloße Dahinvegetieren der dumpfen Kolonie wird dabei verachtet. Der Einzelne (nicht das Individuum) gegen die dumpfe Masse, jemand, der die Herde verlässt und bereit ist unterzugehen statt sich anzupassen und sein Schicksal zu akzeptieren. Er steht metaphorisch für das Streben nach mehr, nach Höherem und für das Überschreiten von Grenzen aus innerem Drang, wissend um den eigenen Niedergang. Denn es geht nicht um den Sieg - der Kampf allein ist entscheidend. Wie Nietzsche sagte:
„Ich kenne kein besseres Lebensziel, als im Versuch des Großen und Unmöglichen zugrunde zu gehen.“
Lieber Untergang als Anpassung
Der Pinguin hat eine Mission – und er lässt sich nicht davon abbringen. Keine Zerstörung, kein Widerstand hält ihn auf. Er schreitet voran, unaufhaltsam und unvermeidlich. Er ist nicht das Ende, sondern der Anfang von allem, was kommen wird. Er ist die Veränderung. Die Zukunft gehört jenen, die bereit sind, die Last zu tragen, die Verantwortung zu übernehmen, die Bürde zu schultern, das wieder aufzubauen, was verloren gegangen ist. Sie gehört jenen, die nicht zurückschrecken vor Dunkelheit und Kälte, sondern diese durchschreiten, um wieder Licht zu bringen. Nur wer bereit ist zu leiden, zu kämpfen und wieder aufzustehen, wird die Welt formen. Wer hingegen zögert wird zurückbleiben.
Abkehr von der Masse zum Wohle der Gemeinschaft
Es geht dabei nicht um die Abkehr von der Gemeinschaft, um alleine als Individuum außerhalb dieser zu existieren. Ohne Gemeinschaft trägt kein Individuum Früchte. Nicht das bloße individuelle Streben steht dabei im Vordergrund, sondern das beharrliche Verfolgen des Zieles, die Abgrenzung von der dumpfen Masse und die Entfernung von der herrschenden Strömung. Die Nonkonformität und der aktive Widerstand gegen die Strömungen der Gesellschaft, nicht zur Selbstverwirklichung, sondern zum Wohl der Gemeinschaft.
Der Pinguin verlässt die Kolonie, um sich der Strömung zu entziehen; er geht, weil Bleiben Anpassung wäre. Ein Moment der radikalen Andersartigkeit inmitten einer geordneten Masse.






