In den letzten Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Artikel über Jeffrey Epstein und seine Machenschaften erscheinen. Ein neues Buch bringt etwas Licht ins Dunkle.
Eine Rezension von Karl Sternau
Der deutsch-amerikanische Autor Collin McMahon hat sich als kritischer Journalist einen Namen gemacht. Sein neues Buch „Die Akte Epstein“, das im November 2025 auf den Markt kam, ist brandaktuell. Die posthumen Erinnerungen des Epstein-Opfers Virginia Giuffre, die im Oktober erschienen sind, sind ebenso wie andere Bücher zum Themenkomplex eingearbeitet. Der Sexualstraftäter Epstein soll sich 2019 in Haft das Leben genommen haben, wobei die Todesumstände umstritten sind. McMahon zeigt auch auf, wie alles anfing.
Dubioser Reichtum Epsteins
Als Investmentgenie soll sich Epstein ein Vermögen aufgebaut haben. Wie er tatsächlich zu seinem Geld gekommen ist, soll nicht immer ganz legal gewesen sein, wie McMahon nachzeichnet. Epstein war jahrelang führender Berater für die "Towers Financial Corporation" von Steven Hoffenberg. 1993 stellte sich das Unternehmen als Schneeballsystem heraus. Hoffenberg wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, während Epstein, der laut Hoffenberg stark involviert war, einer Anklage entging. Ähnlich dubios war seine Zusammenarbeit mit dem Multimilliardär Leslie Wexner, von dem er eine Generalvollmacht bekam.
Rolle der Geheimdienste
Neben Epstein wird auch die Biographie seiner Komplizin und Partnerin Ghislaine Maxwell unter die Lupe genommen. Ihr Vater war wohl ein Agent des Mossad und starb auf nicht geklärte Weise. Mittlerweile ist bekannt, dass Epstein Akten geführt hat und seine Räumlichkeiten kameraüberwacht waren. Wozu das alles? McMahon bezeichnet es als „offenes Geheimnis“, dass ein Geheimdienst (Mossad, CIA oder MI6?) involviert war, was nach der Lektüre des Buches nicht auszuschließen ist. Wie schwer und gefährlich Ermittlungen im Fall von Kinderschändern sein können, illustriert der Fall „Marc Dutroux“. Im Zusammenhang mit der Aufklärung kam es 27 (!) mysteriösen Todesfällen. Epsteins erste Verurteilung verlief ebenfalls höchst ungewöhnlich.
Erste milde Verurteilung
Opfer hatten panische Angst auszusagen, Zeugen wurden bedroht und Epstein wurde möglicherweise vor einer Razzia gewarnt. Am Ende stand ein Skandalurteil: nur 18 Monate Haft. Epstein verbrachte einen großen Teil davon als Freigänger und war nach 13 Monaten wieder auf freiem Fuß. Es gelang ihm sogar teilweise wieder mit Prominenten in Kontakt zu treten. Spannend ist zu sehen, wer mit Epstein nach dessen milden Verurteilung 2008 noch zusammenarbeitete, darunter Bill Gates.
Rolle von Clinton und Trump
McMahon beleuchtet in eigenen Kapiteln die Rolle der beiden US-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, die mit Epstein enger in Kontakt standen. Der Autor vermutet, dass über Trump wohl nicht wirklich mehr existiert, da es sonst von Demokraten schon veröffentlicht worden wäre. Er betont aber auch, wie merkwürdig sich Justizministerin Pam Bondi in Bezug auf die „Kundenliste“ Epsteins verhielt (erst hätte sie auf ihrem Schreibtisch gelegen und plötzlich gab es sie doch nicht). Clinton hatte wohl noch engeren Kontakt zu Epstein und war nach Zeugenaussagen auch auf dessen berüchtigter Privatinsel Little Saint James, was der Ex-Präsident aber dementierte.
Ausgewogene Recherche
Bei den Büchern des Kopp Verlags, in dem auch "Die Akte Epstein" erschien, sollte man durchaus vorsichtig sein, da darin immer wieder auch wilde Spekulationen zu finden enthalten sind. Auf McMahons Recherche trifft das aber eher nicht zu. Der Autor belegt klar, was er behauptet, und zeigt in der Regel beide Seiten auf. Letztlich überlässt er häufig dem Leser das Urteil und versteigt sich kaum in Spekulationen. Wer also einen Einstieg in den Epstein-Fall mit allen seinen Merkwürdigkeiten und Verstrickungen von Prominenten sucht, ist mit dem Werk gut bedient.
Das Buch „Die Akte Epstein“ von Collin McMahon ist beim „Kopp Verlag“ 2025 erschienen. Es umfasst 272 Seiten und ist zum Preis von 23 Euro in jedem guten Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.






