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Mehr als ein Fußballbuch: „Unter meinem Kittel trag ich Hosenträger“

08. Juli 2026 / Gesellschaft

Mehr als ein Fußballbuch: „Unter meinem Kittel trag ich Hosenträger“
Bild von Info-DIREKT mit KI generiert.

Passend zur Fußball-WM legt der Jungeuropa Verlag mit „Unter meinem Kittel trag ich Hosenträger“ nun die Memorien eines Schlachtenbummlers vor. Doch das Werk ist viel mehr als die einfachen Erinnerungen eines Fans.

Eine Buchbesprechung von Karl Sternau

Der Autor war ein „erlebnisorientierter Fußballbegeisterter", also ein Hooligan, wie man sie aus Fernsehberichten kennt. Zuerst war er bei der „Legion Schlesien“ aktiv und später Mitgründer der Gruppe „Alles für München“ (AFM), der sowohl FC Bayern- als auch 1860-Fans angehörten. Bei Länderspielen sowie Welt- und Europameisterschaften war er ebenfalls mehrfach dabei. Doch das Buch ist kein Werk stumpfer Gewalterlebnisse. Es ist die Geschichte von F. Helbig, die er auf Grundlage seiner Erinnerungen und mithilfe von Fotos, Zeitungsartikeln, Eintrittskarten, Behörden- und Anwaltsschreiben geschrieben hat. Einige der Dokumente sind im ansprechend gestalteten Buch abgedruckt.

Der Autor


Besonders aufmerksamen Lesern des Netzblogs „Sezession“ ist der Name „F. Helbig“ bereits als Gastautorin „Frieda Helbig“ über Pflegethemen begegnet (zuletzt hier). Helbig erklärt den Hintergrund des Pseudonyms. Tatsächlich ist Helbig ein Mann, geboren Ende der 1970er Jahre in Görlitz, der jahrelang als Krankenpfleger gearbeitet hat. Im Alter von zehn Jahren ließ er sich von der Gemeinschaft rund um den Fußball begeistern.

Die Themen


Neben dem Fußballplatz spielen sich aber nicht nur sogenannte „Ackermatches“ ab, sondern es werden zahlreiche andere Themen behandelt. Dazu zählen die Veränderung der Heimatstadt Görlitz, das Leben im Umbruch und nach der „Wende“ 1989/90 sowie die abenteuerlichen Reisen durch unterschiedlichste Länder.

Das Verständnis


Es gelingt dem Autor, durch die ehrliche Erzählung seiner Geschichte sein Leben verständlich zu machen. Der Leser kann spüren, was Helbig fasziniert, auch wenn man es nicht teilt, wie beispielsweise den exzessiven Hang zu Tätowierungen. Im Buch wird nichts beschönigt, aber auch nichts verteufelt. Die Sprache ist entsprechend ungeschminkt. Dies zeigt sich etwa in seiner Einschätzung der WM 2006:
„Auf die Atzen und die Menschenmassen in den Fanmeilen habe ich keinen Bock – ich mag ihren Partypatriotismus nicht. Aufgemalte Deutschlandflaggen im Gesicht, die nach der WM wieder verpönt sind, nein danke – ich trage Deutschland im Herzen.“

Schockierendes Ende


Das Ende des mitreißenden Werkes lässt den Leser zunächst mit einem Schock zurück. Helbig, damals 43 Jahre alt und dreifacher Vater, muss sein bewegtes Leben neu ausrichten (mehr sei nicht verraten). Man kann ihm nur alles Gute wünschen und sich seinen letzten Zeilen anschließen:
„Doch: ‚Leben ist Kampf‘. Also aufstehen, neu sortieren, weitermachen …“

Die Verlängerung


Das Nachwort stammt von der Publizistin Caroline Sommerfeld, was mich überrascht hat, da ich eher Benedikt Kaiser erwartet hätte. Doch die Philosophin erklärt, weshalb gerade sie diese Zeilen geschrieben hat. Sie ist keine Fußballverrückte, sondern eine Freundin Helbigs und verbindet mit ihm eine persönliche Geschichte. Sie fasst die Erinnerungen Helbigs, der sich in sein Leben „eingefühlt“ hat, treffend zusammen:
„Es gibt nichts zu rechtfertigen in dieser Hooliganbiografie, weil die Perspektive der Einfühlung durchgehend beibehalten wird.“

Der Leser


Ich kann das Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe, sehr empfehlen. Wer sich für Fußball interessiert, wird vor allem die Schilderungen der WM 2014, die Helbig im Gastgeberland Brasilien erlebt hat, verschlingen. Wer Bücher wie „EuropaPowerbrutal“ oder „Herrengedeck“ mag, wird ebenfalls seine Freude haben. Alle anderen Leser erwartet die authentische Schilderung eines Lebens, das sich nur als Ganzes verstehen lässt und nicht anhand eines nur wenige Sekunden langen Fernsehausschnitts.

Das Buch „Unter meinem Kittel trag ich Hosenträger“ von F. Helbig ist beim „Jungeuropa Verlag“ 2026 erschienen. Er umfasst 264 Seiten und ist zum Preis von 20 Euro unter anderem direkt beim Verlag erhältlich: https://www.jungeuropa.de/detail/index/sArticle/597/sCategory/98

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