In der Nacht auf Samstag griffen die USA Venezuela an und entführten den Präsidenten Nicolás Maduro. Viele feiern US-Präsident Trump für diese militärische Operation.
Ein Kommentar von Karl Sternau
Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela sind seit vielen Jahren schlecht. Schon Barack Obama bezeichnete Venezuela als „außerordentliche Bedrohung für die nationale Sicherheit“ der USA. Unter Trump eskalierte der Konflikt. Doch was sind die wahren Gründe für die Militäroperation?
Weltpolizist USA
Natürlich war Venezuela unter Maduro alles andere als gut regiert oder eine Demokratie. Mehr dazu hier. Aber was geht das die USA an? Häufig wird das Stichwort Drogen angeführt. Tatsächlich kommen die meisten Drogen, die in die Staaten geschmuggelt werden, aus Mexiko. Außerdem sollen teilweise US-Behörden DEA und CIA selbst im Drogen-Handel verstrickt sein. Eine militärische oder wirtschaftliche Bedrohung stellte Venezuela für die USA auch nicht dar. Es handelte sich folglich um keine Notwehrsituation. Dass die USA als Weltpolizist ohne eigene Interessen zum Wohle der Menschheit in Staaten eingreifen, kann nur von ganz Naiven geglaubt werden. Selbstverständlich geht es – wie immer bei Krieg – um Ressourcen und Macht. Ein US-Diplomat brachte das bei der taz kurz und knapp auf den Punkt:
„Das Einzige, was deutlich wurde, ist, dass es um Öl geht. […] Es geht nicht um die Drogenboote, es geht nicht um den Sturz von Maduro, es geht nicht um die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela. Es geht um das Öl.“
Trump will Venezuela selbst verwalten
Das geplante Vorgehen der US-Regierung scheint diese These zu stützen. Nach der Entmachtung Maduros, der seit 2013 Staatspräsident war, will Trump das Land nämlich vorerst durch die USA verwalten lassen. Er kündigte außerdem an, dass amerikanische Ölunternehmen in Venezuela aktiv werden würden, um „anzufangen, Geld für das Land zu machen“. Außerdem war Venezuela mit Russland und China verbündet, was der USA ein Dorn im Auge war.
Historische Parallelen
Es ist nicht das erste Mal, dass die USA in einem fremden Land intervenieren, um einen Machtwechsel zu erzwingen. 1989 gab es eine militärische Operation in Panama und 1983 auf der Karibikinsel Grenada. Dazu kommen die verdeckten CIA-Einsätze, wie die Operation Ajax im Iran 1953 (siehe info-DIREKT 54), die Operation PBSUCCESS in Guatemala 1954 (siehe info-DIREKT 53) oder die Unterstützung der „Contras“ im nicaraguanischen Bürgerkrieg der 1980er Jahre. Das muss man Trump lassen: Er prahlt mit seinen Taten und hält sich nicht Jahre geheim, wie manche seiner Vorgänger im Oval Office. Das macht es aber nicht besser.
Völkerrecht sollte für alle gelten
Der Bruch des Völkerrechts ist offensichtlich. Wieder einmal offenbart sich dabei die traurige Doppelmoral der EU: Während Putins „Spezialoperation“ in der Ukraine ein klarer Überfall war, ist Trumps Venezuelaaktion nur „komplex“ (Friedrich Merz). Trump kündigte zudem schon an, dass sich solche Operationen in Zukunft – zum Beispiel in Kuba – wiederholen könnten. Als Patriot wäre man gut beraten für Deutschland und Europa einzutreten – ohne Trump- und Putin-Verklärung!






