„Falter“-Herausgeber Armin Thurnher rechnet mit der Medienlandschaft in Österreich ab. Der Grund: Zahlreiche Medien haben sich erlaubt, SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler zu kritisieren, anstatt ihn zu verteidigen. Das und ein paar weitere absurde Beispiele zeigen, wie die Redakteure des angeblichen „Qualitätsmediums“ politisch ticken.
Ein Kommentar von Michael Scharfmüller
„Unsere ‚Öffentlichkeit‘: Kloaken, Restmedien, Totalabstürze“, lautet die Überschrift eines Kommentars von Armin Thurnher in der „Falter“-Ausgabe 41/2026. Darin beklagt er den Zustand der österreichischen Medien. Besonders hart geht er mit der „Kronen Zeitung“ ins Gericht, der er eine Kampagne gegen Andreas Babler vorwirft. Krone-Chefredakteur Klaus Herrmann bezeichnet er dabei als „Haupt-Anti-Babler-Hetzer“. Dass ihn der ORF nicht als solchen bezeichnet, ärgert den „Falter“-Herausgeber besonders.
Auch die übrigen etablierten Medien bekommen ihr Fett ab. Sie hätten das Vorgehen des Boulevards übernommen oder dessen Darstellung nichts entgegengesetzt. Thurnher vermutet dahinter unter anderem wirtschaftliche Interessen, weil Babler als Medienminister die staatliche Medienförderung verändern will. Dass auch der „Falter“ wirtschaftliche Interessen hat, bleibt dabei freilich unerwähnt.
Babler als Jesus
Wie weit Thurnher bei seiner Verteidigung Bablers geht, zeigt ein absurder Vergleich. Er stellt den angeblichen Hass gegen den SPÖ-Chef in eine Reihe mit dem Spott, den Jesus am Kreuz ertragen musste:
„Andreas Babler ist nicht Jesus von Nazareth, aber der unfältige Hass, der über ihn kam, war höchstens mit jenem Spott zu vergleichen, den der linke Schächer am Kreuz über Jesus ausgoss.“
Auf diesen absurden Vergleich folgt eine wüste Beschimpfung von oe24-Chef Wolfgang Fellner. Dessen Sender habe „puren Hass ausgekotzt“, schreibt Thurnher. Fellner selbst beschreibt er mit einem „aufgedunsenen Antlitz“ und wirft ihm vor, wiederholt über Babler zu „rülpsen“:
„tot, tot, tot, ein dead man walking“
In seinem langen Kommentar räumt Thurnher nur in einem einzigen kurzen Satzeinschub ein, dass Babler vielleicht auch selbst Fehler gemacht haben könnte:
„Babler scheiterte ja nicht nur an der Medienhetze“
Selbstkritik? Fehlanzeige!
In Thurnhers enger Gedankenwelt hat die Berichterstattung über Babler sogar der Selbstachtung des ORF und anderer Medien einen irreparablen Schaden zugefügt. Wörtlich schreibt er, die Selbstachtung des ORF und anderer „Restmedien“ habe einen „irreparablen Schaden genommen“.
Vielleicht sollte Thurnher seinen Mund nicht ganz so voll nehmen und seine eigene Arbeit sowie das Tun seiner Zeitung einmal kritisch hinterfragen. Wenn man so manchen Kommentar von Thurnher liest, denkt man nämlich eher an eine Sudel- als an eine Edelfeder.
Besonders interessant ist dabei, mit welcher Selbstverständlichkeit Thurnher von anderen Medien Distanz zur politischen Kampagnenführung verlangt, während er selbst mit großer Leidenschaft Partei für Babler ergreift. Einzelfall ist das übrigens keiner, wie Sie gleich noch lesen werden!
SPÖ-Auszeichnung für „Falter“-Herausgeber
Thurnhers SPÖ-Nähe beruht übrigens nicht auf Einseitigkeit. Die Partei dürfte wissen, was sie an ihm hat. So bekam Thurnher im Jahr 2017 einen Preis des Karl-Renner-Instituts, der Parteiakademie der SPÖ. Ausgezeichnet wurde er für sein publizistisches Gesamtwerk. Mehr dazu hier: Journalisten Brodnig und Thurnher bekommen SPÖ-Preis.
Als die Dreierkoalition noch „großartig“ war
Wie begeistert führende „Falter“-Redakteure auf die schwarz-rot-pinke Regierungsarbeit blicken, zeigte sich bereits im Juni 2025. Nach den ersten 100 Tagen der Dreierkoalition schrieb „Falter“-Journalistin Barbara Tóth auf X:
„100 Tage Dreierkoalition – und nichts gröberes happend. Großartig! Zu dritt scheint doch gar nicht so viel schwieriger zu sein als zu zweit. Gepflegte Langeweile, fast vergessen, wie angenehm normales regieren sein kann ;)“
Während es mit Österreich den Bach hinuntergeht, feiert man in der Falter-Redaktion also "gepflegte Langeweile". Solange die Inserate und Förderungen für angebliche "Qualitätsmedien" nicht gestrichen werden, ist ja "nichts gröberes happend".
Absurder Wahlaufruf
Barbara Tóth hat aber nicht nur ein Herz für rote Politiker, sondern auch für grüne. Im Bundespräsidentenwahlkampf 2022 widmete der „Falter“ Doris Schmidauer, der Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, eine Titelseite mit der Schlagzeile:
„Frau Bundespräsident“
Tóth bewarb diese Ausgabe auf X mit den Worten:
„Bei den Präsidentschaftswahlen steht keine Frau zur Wahl? Stimmt nicht ganz. Wer Van der Bellen wählt, bekommt Doris Schmidauer dazu.“
Dass auch Walter Rosenkranz, der Kandidat der FPÖ, mit einer politisch sehr aktiven Frau verheiratet ist und man diese bei seiner Wahl dann auch dazu bekommt, wurde dabei natürlich nicht thematisiert.
Finanzminister war 25 Jahre „Falter“-Kolumnist
Besonders eng ist die Verbindung zwischen dem „Falter“ und dem roten Finanzminister Markus Marterbauer. Dieser schrieb von 2000 bis März 2025, also rund 25 Jahre lang, als Kolumnist für das weit links stehende Blattl.
So verwundert es nicht, dass „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk lobende Worte für Marterbauers erste Budgetrede fand. Er bezeichnete sie als eine „Wohltat“ und als kluge, fundierte und ruhige politische Rede. Marterbauer bedankte sich prompt:
„Danke für die Blumen!“
Auch Armin Thurnher lobte den Finanzminister in seiner Kolumne. Darüber freute sich Marterbauer ebenfalls und bezeichnete es als besondere Ehre, in Thurnhers Kolumne vorzukommen und dort auch noch gelobt zu werden.
Der „Falter“ und das Ende von Schwarz-Blau
Auch während der Ibiza-Affäre 2019 spielte der „Falter“ eine Rolle. Die Redaktion erhielt Einblick in das heimlich aufgenommene Video, das zunächst von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ veröffentlicht worden war. Damals rückte niemand vom "Falter" aus, um die Medienkampagne gegen den damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und die schwarz-blaue Bundesregierung zu kritisieren. Dabei war Strache im Unterschied zu Babler gezielt in eine Falle gelockt, heimlich gefilmt und dann mit sehr einseitig ausgewähltem Videomaterial gezielt in der Öffentlichkeit diskreditiert worden.
Doppelstandards
Was der "Falter" hier macht, mag legitim sein. Ich empfinde es jedoch als unehrlich, sich selbst immer wieder als objektives Qualitätsmedium zu präsentieren, um von dieser Position aus dann alle anderen quasi als Feinde der Demokratie darzustellen, die politische Ereignisse anders bewerten. Wer so vorgeht, versucht den Rahmen des Sagbaren einzuengen und vergiftet den Diskurs. Dabei ist die Meinungsäußerungsfreiheit eine Grundbedingung für eine echte und funktionierende Demokratie.






